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Alle Rezensionen zu Jacob Anderskov
(Genre »Jazz«, Land »Dänemark«)

 

Habitable Exomusics - The Trilogy
(3 CDs, 2015, ILK/New Arts International ILK244/245/246CD)

Nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei komplette Alben veröffentlicht der für seine Produktivität und Vielseitigkeit bekannte Pianist im Sommer 2015, und jede der drei CDs in einer anderen Besetzung, Spielart und Stimmung. Alles ist Jazz, wie gehabt, und diesmal erstaunlich »straight« für Anderskovs progressiven Geist. Doch ebenfalls wie gewohnt ist »Habitable Exomusics - The Trilogy« ein äußerst ambitioniertes Projekt, nur diesmal mit etlichen Verweisen und philosophischen Bezügen geworden, die wir hier bei weitem nicht angemessen zur Sprache bringen können, zumal Anderskov die CDs um Gedanken und Reflexionen via Blog und Videos erweitert. Doch das Gute: Die Musik stimmt auch ohne Wissen um all diese Hintergründe!

»KINETICS (The Path)«, mit 36 Minuten die kürzeste CD der drei, präsentiert ein weitgehend »klassisches« Jazztrio, mit Adam Pultz Melbye am Bass und Anders Vestergaard am Schlagzeug. Der Sound, aufgenommen im Kopenhagener Studio The Village, ist ein etwas direkterer, sozusagen frischerer als auf den übrigen beiden CDs. Das Trio legt acht feine, charmante Nummern vor.

Auf CD2, »STATICS«, hören wir Anderskov 46 Minuten lang solo am Flügel des Osler Rainbow Studio. Der Untertitel »The Map« deutet darauf hin, dass er diese Trilogie als eine »künstlerisch radikalisierte Zusammenfassung« seiner musikalischen Sprache und Landschaft »bis jetzt« betrachtet. Die »Statics Part I - XII« sind zumeist weniger schwebend als vielmehr im stetigen, assoziativen Springen und Changieren zwischen Melodie und Abstraktion begriffen.

Dies setzt sich in Vol. III, »DYNAMICS (The Terrain)«, auf eine im Grunde noch abstraktere Weise fort. Die als letzte, ebenfalls mit Jan Erik Kongshaug im Rainbow Studio eingespielte CD macht den Bogen vom eingängigen ersten, über den introspektiv-individualistischen zweiten Teil hin zu einer in der Tat dynamischen, gänzlich anders gelagerten Trio-CD, nun mit Schlagzeuger Gerald Cleaver (Mitglied bei Jacobs Agnostic Revelations) und Bassist Nils Davidsen. Anders als die »Kinetics«-Stücke sind hier alle Musiker gleichrangig als Urheber angegeben, und die bis zu 17 Minuten langen Improvisationen »The Terrain Part I - IV« gehen weit »Ins Offene«. Da sich Anderskov hier offenbar aufmacht, innovative Wege für das Jazztrio-Genre zu finden und zu begehen, ist »DYNAMICS« die wohl schwierigste, herausforderndste CD der Trilogie geworden — zugleich aber auch die beste; und auch klanglich eine komplexe Angelegenheit. (ijb)



Siehe auch:
Adam Pultz Melbye
Anders Vestergaard
Nils Davidsen
Jacob Anderskov & Agnostic Revelations

Jacob Anderskov: Habitable Exomusics - The Trilogy

Offizielle Website

Offizielle Website      jacobanderskov.dk

   

Mysteries – Kinetics Live in Köln
(LP, 2017, ILK/Orchard ILK273LP)

Jacob Anderskovs Schaffen haben wir hier auf diesen Seiten bereits vielfach hervorgehoben und empfohlen. 2018 zählte er zu den 13 Nominierten des Nordic Music Council Prize, dem panskandinavischen Musikpreis des Nordischen Rates, wohlgemerkt nicht im Musiker- bzw. Interpretenjahrgang, sondern im Komponisten-Jahr; eine große Anerkennung für das vielgestaltige Œuvre des Kopenhageners. Letztlich ging der Preis am 30. Oktober allerdings (hochverdient) an den Norweger Nils Henrik Asheim.

Im November 2017 bereits digital veröffentlicht, erscheint Anderskovs Livealbum knapp ein Jahr später auch als LP, und eigentlich passt es aufs analoge Format sogar noch besser. Denn »MYSTERIES«, im März 2017 als Abschluss der »Kinetics«-Tour mit Anders Vestergaard und Adam Pultz Melbye im Kölner »Loft« aufgezeichnet, ist doch irgendwie ein klassisches Jazztrioalbum: aus dem Moment heraus geschnitten, wie es sich für solche »echten« Jazzplatten gehört. Doch wie zu erwarten bietet das »Kinetics«-Trio, dessen Debüt 2015 in der »Habitable Exomusics«-Trilogie erschien, keine altbackenen Jazzreferenzen, sondern durchaus intellektuell wenige, kluge Improvisation, deren Unterhaltungswert auf Platte vielleicht nicht so unmittelbar bewegt wie live in concert, aber wer neue Wege mit alten Mitteln sucht, wird hier mehr als fündig. (ijb)



Siehe auch:
Zeuthen, Anderskov & Vestergaard



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