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Alle Rezensionen zu Jakob Bro
(Genre »Jazz«, Land »Dänemark«)

 

Streams
(2016, ECM/Universal ECM 2499)

Schon der Vorgänger »GEFION« wurde sehr gelobt, aber auf »STREAMS« führt Jakob Bro sein Konzept noch weiter. Ihm geht es überhaupt nicht um Demonstration instrumenteller Virtuosität, sondern um Klänge, kleine Melodien, Interaktion und Kontemplation. Pausen sind bei ihm ebenso wichtig wie die gespielten Noten. Der Albumtitel passt daher perfekt, die Musik strömt sehr organisch aus den Boxen.

Der dänische Gitarrist hat sein Trio auf der Schlagzeug-Position verändert: Statt des Norwegers Jon Christensen sitzt nun der Amerikaner Joey Baron hinter den Trommeln, beides selbstverständlich mit allen Wassern gewaschene Veteranen, mit unterschiedlichem Stil allerdings. Baron erweist sich hier als Klangmaler und spielt viel weniger als sonst. Thomas Morgan am Kontrabass zuzuhören, ist allein schon faszinierend. Er hört und reagiert, unterstützt Bros Linien, doppelt und wiederholt sie, spielt ruhig und abgeklärt, lässt aber auch flinke Soli aus dem voluminösen Instrument perlen. Das Zusammenspiel von Bro und Morgan ist außerordentlich intensiv, dabei aber immer luftig. Bro liebt minimalistische Melodien und lange Töne, er lässt die Linien über Bass und Schlagzeug schweben. Ganz wunderbar ist »Shell Pink«, das sich um eine fast countryeske Melodie dreht und den Hörer mehr und mehr in einen Klangstrudel zieht. Morgan spielt zunächst ganz unscheinbar und übernimmt mehr und mehr die Führung in dem Stück, das obendrein immer wieder zum Ende leitet, aber dann noch eine Schleife und noch eine dreht. In der dem späten Paul Motian (mit dem sowohl Bro wie Morgan spielten) gewidmeten freien Improvisation »PM Dream« zeigen Bro, Morgan und Baron ihre herausragenden Fähigkeiten, quasi aus dem Stand Hörenswertes zu zaubern. »Heroines« erscheint zweimal: Die Solo-Version von Jakob Bro stellt die ergreifende Melodie noch mehr in den Mittelpunkt. Eine grandiose und wunderschöne CD. (tjk)



Siehe auch:
Jakob Buchanan Kvartet
Bro/Knak
Joey Baron

Jakob Bro: Streams

Offizielle Website

Die CD »Streams« war »CD des Monats« im Monat 11 / 2016.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Thomas Morgan ist in der Tat der heimliche Star des Albums, er beweist noch mehr Profil als der Leader an der Gitarre. Aber auch im Trio agieren die Musiker traumhaft; ich fühlte mich mehr als einmal an die lyrisch-melodiösen Alben von Bill Frisell erinnert.
Peter Bickel

Das ist eine veritable Abenteuerfahrt! Und obwohl ich sonst nicht der große Jazzfan bin: Zu einem Konzert von Jakob Bro würde ich wohl gehen!
Eva-Maria Vochazer

Ja, da freue ich mich, dass Jakob nun doch unser »Album des Monats« geworden ist. Mir persönlich liegt der Sound des Vorgängers näher, aber da will ich mich nicht beklagen. Auch diese Platte gehört zu den zahlreichen starken Gitarrenalben in diesem Jahr.
Ingo J. Biermann

Thomas Morgan hat in den letzten Jahren auf so vielen starken Jazzalben mitgespielt, dass ich mich frage, wann er wohl mal mit einem eigenen Projekt ins Rampenlicht tritt. Und Joey Baron: Wie immer eine Wucht.
Leif Haugjord

Offizielle Website      http://www.jakobbro.com

   

Returnings
(2018, ECM/Universal ECM 2546 | 670 5850)

Auf dem dritten Album mit Manfred Eicher kehrt Jakob Bro bereits zurück: Zum ersten, dem überragenden »GEFION« mit »Altmeister« Jon Christensen. Denn nach dem ein wenig forscheren zweiten Trio, in dem Joey Baron trommelte, beginnen Bro, Christensen und Morgan hier mit dem leisen »Oktober«, das wir schon auf dem ECM-Debüt genießen durften. Der entscheidende Unterschied liegt nun darin, dass bald ein weiterer aus der Generation der bald 80-jährigen nordeuropäischen Jazzklassiker dazu tritt: Trompeter und Flügelhornist Palle Mikkelborg. Trotzdem bleibt »Oktober« spartanisch und intim wie in der ersten Einspielung, ähnlich wie ein zweites Stück von »GEFION«: »Lyskaster« wird durch Mikkelborgs getragene Melodie zum Duett mit Bros elektrischem Gitarrenspiel, das hier auf angenehme Weise an so manches persönliche Werk von Bill Frisell erinnert.

Damit kehrt Bro noch zu Anderem zurück: Als Kind habe er Trompete gespielt, Mikkelborgs Spiel seit jeher häufig gehört und bewundert, da beide in Kopenhagen leben. Im Quartett spielten die Vier übrigens bereits 2014; ausgehend von dem fieberhaften, elektronisch klingenden Titelstück, das Bro und Mikkelborg gemeinsam schrieben, stellten sie mit Eicher nun ein schwereloses, bedachtes Programm zusammen, das weitestgehend enorm verhalten daherkommt, ganz anders, als man es von Jazzquartett-Alben gewohnt ist und wohl erwartet. Es ist vor allem dieser atmosphärische Gestus, der den Stil von »GEFION« aufgreift und fortführt.

Daneben erinnert Bro noch einmal an Paul Motian, der allen Mitwirkenden nahe gestanden hatte, und an seinen unlängst viel zu jung verstorbenen Kollegen Nicolai Munch-Hansen. So gelang ihm mit »RETURNINGS« ein stilles, gefühlvolles Werk, erfüllt von seiner souveränen, intuitiven Erzählkunst. (ijb)



Siehe auch:
Palle Mikkelborg
Knudsen, Mikkelborg & NHØP
Terje Rypdal
Nicolai Munch-Hansen

Video-Link

   

Bay of Rainbows
(2018, ECM/Universal ECM 2618 | 677 1120)

Jakob Bros viertes ECM-Album (und das bereits zweite, das in diesem Kalenderjahr erscheint) schreibt nahtlos fort, was die drei Vorgänger boten, im Besonderen »STREAMS«, im Trio mit Thomas Morgan und Joey Baron – und vor allem das exzellente poetische Niveau der CDs. Doch der Klang ist diesmal ein leicht anderer, etwas rauer, räumlicher. Zwar sind die Stücke und das Spiel nach wie vor sensibel, subtil, dabei durchweg hypnotisch und schwebend, wie es derzeit kein anderes Gitarrentrio bietet, doch scheint alles einen Hauch spontaner. Denn, was der Titel nicht verrät: »BAY OF RAINBOWS« ist ein Livealbum, aufgenommen im Juli 2017 in New York.

Wer nun annimmt, Bro würde sich hier auf seinen Lorbeeren ausruhen, möge sich schnell eines Besseren belehrt sehen: Von »Copenhagen« abgesehen war keines der Stücke auf vorigen ECM-CDs zu hören, und dieses ist hier songhafter, einen Hauch forscher als in der »GEFION«-Version mit Jon Christensen. Die Entstehungszeit der übrigen datiert früher. Höhepunkt ist freilich das nervösere »Dug«: Achteinhalb Minuten lang geht es mit seiner Fantasie und Komplexität neue Wege, von denen hoffentlich auf dem kommenden Album noch mehr zu hören sein wird. »Mild« indes, auf dem experimentellen Doppelalbum »BRO/KNAK« in seiner Liedhaftigkeit noch ein konventioneller Ausreißer mit Morgan und Jeff Ballard (plus zwei wunderbaren »Rebuilds«), eröffnet und beschließt das Set mit zwei neun bzw. gut elf Minuten langen Variationen, letztere noch einmal ruhiger, mit mehr Rubato und mehr Raum für Morgans Bass. Meditativ und reduziert sind außer »Dug« gleichwohl alle Nummern.

Insgesamt eine gute Zusammenstellung, erstaunlicherweise aber spielt sie trotz ihrer Laufzeit von einer Dreiviertelstunde eher wie eine EP, zumal sie nur fünf Kompositionen bietet, scheint zu schnell vorbei, speziell für ein Konzertalbum. Auf den Applaus hätte man sehr gut verzichten können; das wäre dann doch schlüssiger und schöner gewesen. (ijb)

   

Gefion
(2015, ECM/Universal ECM2381 | 470 9139)

»Endlich!« muss man da schon sagen. Es gibt, entgegen häufiger Werbesprüche, nicht viele Musiker, von denen man mit solcher Sicherheit sagen kann, dass sie in die ECM-Familie gehören, lange bevor sie tatsächlich dort in Erscheinung treten. Damit ist nicht unbedingt gemeint, dass Jakob Bro seit Jahren mit spannenden und bekannten ECM-Künstlern spielt und aufnimmt – allein seine eigenen Alben geben Zeugnis davon; schon vor zehn Jahren spielte der dänische Gitarrist mit dem unlängst verstorbenen Altmeister Paul Motian und dann in Tomasz Stankos Band. Nein, »GEFION« zeigt mal wieder auf Vortrefflichste, dass selbst ein hervorragender Musiker sich noch einmal steigern kann, wenn ihn der richtige Produzent unterstützt. Unter Manfred Eichers Einfluss reduzierte Bro seine Kunst aufs absolut Wesentliche und erschuf den (bisherigen) Höhepunkt seines Werks.

Allein das erste, das über zehn Minuten lange Titelstück lohnt den Erwerb der CD. Ein besser Einstieg wäre nicht vorstellbar für dieses genial zwischen – in Klang und Melodie, ja seiner ganzen Erzählung – offener Form und Verdichtung changierende Album. »Gefion« beginnt mit einem verhaltenen, drei Minuten langen Stimmungsintro, als eine Art Ambientsong, bevor die Gitarrenmelodie einsetzt, und schon die ist klassisch zeitlos: Jakob Bros »echtes« ECM-Debüt fügt sich so nahtlos in die Labelgeschichte ein, dass es auch vor 35 Jahren hätte entstehen können. Und dann ist da überhaupt noch Jon Christensen! Das Trio mit der Schlagzeuglegende, deren Spiel kaum mehr die Bezeichnung »Schlagzeug« verdient, so weit ist er davon entfernt, hier noch den Takt anzugeben, und Bros langjährigem Bassisten Thomas Morgan improvisiert acht musikalische Gedichte, wie Erinnerungen, aber zu keinem Zeitpunkt weniger als uneingeschränkt großartig.

»Copenhagen« ist so ein simples und ebenso emotionales, sicherlich persönlich gemeintes Portrait von Jakob Bros Heimatstadt, verdichtet von einem Thema, das den Eindruck erweckt, es müsse doch schon immer existiert haben. Mit »Airport Poem« gelingt der kraftvollste Klang an der Grenze zur Stille, in »Oktober« wird die Melancholie fast zur Trauer, bevor »Ending« einmal kurz das Tempo ein klein wenig anzieht, dann aber wieder so ambient ausklingt wie die CD begonnen hatte. In seiner rigorosen Einfachheit und Klarheit sicher nicht nach jedermanns Gusto; auch weiß man um die Kritik »Nichts Neues« schon vorher. Doch mehr als »GEFION« bietet, kann Musik kaum sein. Ein Klassiker. Magisch. (ijb)



Siehe auch:
Jon Christensen mit Johansen, Storaas & Skaansar
Bobo Stenson Trio

   

Time
(2011, Loveland Records/Pladekisten.dk LLR013)

Vom Vorgänger »Balladeering« sind die älteren Semester Lee Konitz (Sax) und Bill Frisell (Gitarre) geblieben, Bassist Ben Street wurde durch Thomas Morgan ersetzt, und Paul Motian hatte diesmal entweder keine Zeit, oder man wollte direkt aufs Schlagzeug verzichten. Jedenfalls merkt man Jakob Bros »TIME« in jedem Moment die zutiefst entspannte Stimmung an, mit der die jüngeren und die älteren Größen zurückgelehnt ihr Ding durchziehen. Manch einem wird's bei dieser spät-abendlich-sommerlichen Musik in den Fingern kribbeln, dass hier so doch so wenig passiere, aber haltet ein: Lehnt euch ebenfalls zurück und genießt diese sanft dahingleitende Jazzplatte, die keine Zwänge kennt, keine großen Töne braucht und, wie der Titel andeutet, alle Zeit der Welt zu haben scheint.

Dass hier zwei Gitarristen den Ton angeben, vergisst man gerne mal, so leise und in trauter Einigkeit bewegt sich dieses Quartett gemeinsam voran. Ein schönes Zeichen des Respekts zudem, dass die Herren Frisell und Konitz ihren jüngeren Kollegen so fern jeglicher Attitüden begegnen. Man genügt sich ganz einfach im Musizieren auf Augenhöhe. Aufgenommen im Avatar-Studio in New York schuf Jakob Bro mühelos einen weiteren Brückenschlag nordischer und New Yorker Musik(szenen). (ijb)



Siehe auch:
Tore Johansen feat. Steve Swallow
Jakob Buchanan Sextet



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