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Alle Rezensionen zu Nils Petter Molvær & Moritz von Oswald
(Genre »Beats«, Land »Grenzgänger«)

 

1/1
(2013, Emarcy/Universal 060253743670)

Mit wem man auch spricht - allerorts scheint Einigkeit zu herrschen, dass Nils Petter Molvær seine besten Tage lange hinter sich und seit »den Tagen von KHMER« (=den beiden ECM-Alben vor 15 Jahren) nichts Interessantes mehr vollbracht habe. Dieses etwas harsche Urteil steht in einer gewissen Spannung zu den regelmäßigen Werbeslogans, dass der Startrompeter »mit seinem neuen Album [endlich] wieder an die innovativen Qualitäten von KHMER anknüpft«. Keine Frage, diese Sprüche werden auch jede zweite Rezension dieser Kollaboration mit den von Oswalds garnieren - oder auch: »innovative Begegnung zweier stilbildender Genies«. Dabei ist Molvær ein bisschen arm dran: Er kommt einfach nicht aus seiner Haut, dass er keinen seiner Fans verprellen, aber um jeden Preis als konstant origineller Musiker (an-)erkannt werden will, wie es ihm mit »KHMER« beschieden wurde.

Nach der Trennung von Eivind Aarset, einem Intermezzo mit Gitarrengenialist Stian Westerhus und einem Orchesterwerk mit dem derzeit höchst im Kurs stehenden Komponisten Rolf Wallin ging Molvær Anfang 2013 mit Moritz und Neffe Laurens von Oswald ins Berliner Studio. Die gute/schlechte Nachricht: Das Ergebnis klingt haargenau so, wie man es erwartet. Eine solche Platte war wohl unausweichlich; man hat eigentlich das Gefühl, dass es sie schon lange geben musste.

Und doch: Die inflationär gebrauchte Phrase »stilbildender Musiker« trifft seltenst so zu wie im Falle Moritz von Oswalds. Seine Meriten zu resümieren würde den Rahmen dieses Texts flott sprengen; für den Fall der Bildungslücke daher bitte andere Quellen zu Rate ziehen. Trotz seiner unbestrittenen Verdienste um die Verquickung von Genres und die Auffrischung der Popularität norwegischer »Jazz«-Musik in den späten Neunzigern kann es auch Molværs Vita nicht mit der von Oswalds aufnehmen. Das gilt entsprechend für die Musik. Im schlechtesten Fall klingen Tracks wie »Further«, als würden zwei unterschiedliche Platten nebeneinander her laufen. Molvær trötet etwas verloren die Melodiefetzen, die man von ihm kennt und erwartet, nur etwas mehr Hassell-Ambient-mäßig als sonst, während Oswalds pulsierende Beats straff überzeugen. Bei der Live-Premiere auf dem Punkt-Festival 2013 wurde diese Divergenz noch eindringlicher als auf der etwas matschigen CD; allein wenn Molvær atonale Geräusche aus der Trompete zog, stellte sich ein spannungsvolles Miteinander her. Ob die LP-Ausgabe diesem überwältigenden Klangbild näher kommt, lässt die PromoCD nicht beurteilen. (ijb)



Siehe auch:
Nils Petter Molvær
Bugge Wesseltoft & Henning Schwarz
Stian Westerhus

Nils Petter Molvær: 1/1

Video-Link



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