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Alle Rezensionen zu Kåre Kolberg
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Omgivelser & Portando
(2011, Prisma Records/Musikkoperatørene PRISMACD714)

Zwei Fundstücke aus dem Avantgarde-Keller des Henie Onstad Kunstsenter (HOK), hörenswerte Ausgrabungen, wenn auch in erster Linie für Fachleute von Interesse: Das knapp viertelstündige »Omgivelser« (»Umgebungen«) entstand 1970 für einen kurzen Film des norwegischen TV-Senders NRK. Fernsehen? Das muss man sich mal vorstellen! Ein junger Avantgardekomponist wird vom Fernsehen beauftragt, zu abstrakten Filmimpressionen der Umweltdebatte jener Zeit eine experimentelle Klangarbeit beizusteuern. Zeiten gab's, man glaubt es kaum.

So machte sich der 24 Jahre alte Kåre Kolberg, studierter Organist und Musikwissenschafter, eigens nach Warschau ins berühmte Eksperymentalne-Studio, da das HOK damals noch keine Abteilung für experimentelle Musik hatte (mehr zu diesem Thema: siehe Hal Cark). »Omgivelser« wurde also aus Kolbergs mitgebrachten Bändern mit Karin Krog und diversen Field Recordings in Kombination mit Material aus dem polnischen Tonarchiv via Ringmodulator, Filtern, modifizierten Instrumenten und state-of-the-art Tonbandgeräten collagiert. Unglaublich, dass dieses Stück bizarrer Klangkunst schließlich im norwegischen Fernsehen gesendet wurde. Später führte es Kolberg in abgewandelter Form bei elektronischen Konzerten auf.

»Portando« entstand dann viele Jahre später, 1987, in den Studios des Henie Onstad Kunstsenter als Auftrag der damaligen musikalischen Leiterin Åse Hedstrøm. Mit den ersten Mikroprozessoren und mac-basierter Studiotechnik in Norwegen erarbeitet Kolberg das 23-minütige Stück für elektronisches Tonband und zwei Live-Perkussionisten. Eine flirrende und verschwurbelte Kreuzung aus rasanten Schlaginstrumenten und nicht allzu überraschenden Tape-Spielereien. Ein Experiment, das man gerne fortentwickelt erleben würde. (ijb)



Siehe auch:
Hal Clark
Karin Krog
Rolf Aamot
mehr vom Henie Onstad Kunstsenter

Kåre Kolberg: Omgivelser & Portando

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.ballade.no/mic.nsf/doc/art2002100916314953994048

   

Nova
(2009, Prisma Records/Musikkoperatørene PRISMA CD705)

Nicht nur von den Prisma-Herausgebern, Lasse Marhaug und Lars Mørch Finborud, hauptamtlich Kuratoren der Musiksektion im Henie Onstad Kunstsenter (HOK), wird der 1936 geborene Kåre Kolberg als einer der führenden zeitgenössischen Komponisten gepriesen und als Pionier auf dem Gebiet früher elektronischer Musik und gattungsübergreifender Kunst in Skandinavien. Große Worte. Ist sein Name hierzulande auch nicht unbedingt geläufig, hat Kolberg doch eine ganze Menge unterschiedlichster Werke geschrieben, nicht nur im Avantgardebereich, sondern auch für Theater und Kammermusik, sowie für Jazzbands von Svein Finnerud und Jan Garbarek.

Diese Ausgrabung aus dem HOK-Archiv stammt aus einer anderen »Ecke«, entstand 1972 aus der Zusammenarbeit mit Andreas Kjær, im Rahmen einer der angeblich ersten Soundinstallationen Norwegens, 13 mal 19 Meter groß mit Glas, Gummireifen, Papierbergen und Light-Show. Wie die Coverfotos andeuten, eher eine experimentelle, spektakuläre Materialschlacht als ein »gewichtiges« Werk. Und hört man die rund 25-minütige Tonbandaufnahme mit diesem Kontext im Sinn, wird man eher enttäuscht sein. Vielmehr fasziniert »Nova« als dunkle Field-Recording-Komposition, die in der aktuellen Renaissance von Künstlern zwischen (Dark) Ambient und Musique Concrète überraschend zeitgemäß erscheint. (ijb)



Siehe auch:
Arne Nordheim
Lasse Marhaug
Jan Garbarek



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