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Alle Rezensionen zu Arve Henriksen, Giovanni Di Domenico, Tatsuhisa Yamamoto
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Distare Sonanti
(2010, either/OAR either/7)

Ende der Neunziger Jahre gab es ein phänomenales Album jenseits von Stilgrenzen (als diese noch schärfer gezogen waren als heute), von einem internationalen Trio aus dem japanischen Trompeter Toshinori Kondo, dem hyperaktiven Bassisten Bill Laswell und dem Elektronik- und Beat-Spezialistien Eraldo Bernocchi. Knapp fünfzehn Jahre später ist deren »Charged« nur noch wenigen Eingeweihten ein Begriff - überaus schade, denn die CD hätte es verdient als Klassiker zwischen den Genres anerkannt zu werden.

Im Mai 2010 trafen sich in Brüssel im Studio: der Italiener Giovanni Di Domenico an Piano, Fender Rhodes, Synthesizern und Elektronik, der japanische Schlaginstrumentalist Tasuhisa Yamamoto und der uns wohl bekannte Arve Henriksen, wie gewohnt mit Trompeten und Elektronik. Irgendwer scheint zwischendurch auch zu singen, doch ist niemandes Stimme in den Angaben vermerkt. Veröffentlicht hat das Ergebnis dieser Session der Klang- und Grafikkünstler Dale Lloyd auf seinem Kleinstlabel either/OAR in Seattle; der zuvor unter anderem bereits ein Album vom vage künstlerisch verwandten Duo Kim Myhr und Jim Denley herausbrachte. Alles deutet also drauf hin, dass »DISTARE SONANTI« ein ähnliches Schicksal ereilt wie einst »Charged«, zumal heute kaum noch jemand CDs kauft.

Die beiden Trioalben haben neben der multinationalen Besetzung allerdings auch die radikale Genre-Ignoranz gemein. (Und die beiden Coverdesigns scheinen ebenfalls eine ähnliche Sprache gefunden zu haben.) Di Domenico kann man mit seinen flippigen Improvisationen auf den Tasten des Flügels oder der Fender Rhodes noch am ehesten die Rolle des Leaders zuschreiben, obgleich seine Melodien dafür meist zu wenig greifbar und einfach zu schnell sind. In den besten Momenten - und es gibt derer viele auf diesem Album - spielt er sich mit den rasanten Schlagzeug- und Percussionpassagen imposante improvisatorische Bälle zu. Doch wer hier eigentlich was spielt, lässt sich streckenweise nur mit mühsamer Analyse auseinanderhalten, und da die Energie dieses Trios so fasziniert, bleibt dafür schlichtweg nie die Ruhe. Die ungezügelten Rhythmen dürften gleichermaßen von allen dreien stammen, und auch Henriksens Trompete nimmt hier selten eine tragende Rolle ein. Vielmehr erinnert diese CD an Ensemblehöhepunkte mit Veslefrekk oder Supersilent, wobei Di Domenico, Henriksen und Yamamoto als Trio vom ersten Moment an eine ganz eigene, beeindruckende gemeinsame Sprache gefunden haben. (ijb)



Siehe auch:
Arve Henriksen / Supersilent
Arve Henriksen & Teun Verbruggen
Jim Denley & Kim Myhr
Veslefrekk

Arve Henriksen: Distare Sonanti

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.and-oar.org/either_oear1



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