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Alle Rezensionen zu Hanne Kolstø
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

While we still have Light
(2015, Jansen Plateproduksjon/Musikkoperatørene JANSEN058)

Und Hanne Kolstø macht einfach weiter: Ein Album nach dem anderen, dies ist bereits ihr fünftes seit 2011, und es ist wieder hervorragend, slightly avant-garde, ausgeklügelt produziert, vielseitig und mit Power arrangiert und vor allem eingängig. Das macht der Norwegerin derzeit keiner nach: Popmusik von einer konstanten Brillanz. Nach dem textlich direkteren Vorgänger besticht »WHILE WE STILL HAVE LIGHT« wieder mehr durch Raffinesse und kluges Songwriting in einer souveränen Mischung aus dunkel und Pop. Wobei »souverän« garantiert nicht meint, dass sie und ihr vielköpfiges Team die sichere Bank gewählt hätten, im Gegenteil.

Diesmal hat der etablierte Avantgarde-Komponist Eivind Buene leicht aparte Streicherarrangements beigesteuert, und das sorgt hin und wieder für eine ungewöhnliche Färbung der mit viel Aufwand produzierten Songs. Es sind zwar einfache, klare Lieder, aber mit Instrumentenfülle, einem geradezu akribischen Sound Design ausgeführt, reich und voluminös, aber nie erschlagend oder bombastisch. Wunderbar, wie etwa im letzten Song »White Noise Static« überraschend noch ein Saxofonsolo von André Roligheten (Albatrosh) alles zuvor Gehörte toppt und abrundet. Ob Hanne Kolstø in 12 Monaten wohl wieder mit einem neuen, tollen Album aufwartet? Wir wagen es nicht träumen. (ijb)



Siehe auch:
Eivind Buene
André Roligheten

Hanne Kolstø: While we still have Light

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.hannekolstoe.com

   

Live at Tøyenkirken
(LP, 2016, Jansen Plateproduksjon 067 | 7041881386718)

Als eine Art »Best of« oder Zwischenbilanz ihrer bisherigen Diskografie als Songwriterin versteht und bezeichnet Hanne Kolstø ihr Album »LIVE AT TØYENKIRKEN«, das eine Auswahl von zehn Liedern von ihren fünf CDs der letzten fünf Jahre präsentiert – in reduzierten, »stripped down« Versionen. Früher nannte man es »Unplugged«; der Titel »Live« greift diese Tradition sichtlich auf, ist jedoch ein wenig irreführend, da die CD nicht einen typischen Konzertmitschnitt (bzw. eine Auswahl aus einem solchen) bietet. Ausgangspunkt war zwar ein kurzer Auftritt im Henie-Onstad-Kunstzentrum, für den die Kolstø vier Songs mit der zurückhaltenden Klavierbegleitung Andreas Stensland Løwes (Splashgirl) darbot.

Die Resonanz auf dieses als einmalige Aktion gedachte Konzert inspirierte die Musikerin zu weiteren Auftritten und dazu, mit ihrem Freund und Stammproduzenten Øyvind Røsrud Gundersen gleich ein ganzes Album in diesem Stil zu produzieren. Man bekommt also die Gelegenheit, einige ihrer persönlichsten Lieder in fragilen Varianten neu zu erleben. Doch was im kleinen Konzert sicherlich zu einer faszinierend intimen Atmosphäre führt, lässt als CD oder MP3 zumeist die ausgeklügelte Komplexität der raffiniert produzierten Popsongs vermissen. Hanne Kolstø ist bestrebt, die Lieder eindringlich darzubieten, doch zeigt die Platte vor allem, wie wichtig, wie wesentlich und oft brillant Produktion und Arrangements ihrer Alben doch sind. (ijb)



Siehe auch:
Splashgirl

   

Forever Maybe
(2014, Jansen Plateproduksjon 042 (CD) | 043 (LP))

Vier Soloalben in vier Jahren plus drei CDs mit anderen in den beiden Vorjahren — das macht heutzutage kaum noch jemand. Wenn es auch für eine Neuerfindung noch zu früh ist, Hanne Kolstø hält offenbar mühelos das Niveau der drei Vorgänger. Die selbstzweiflerische Haltung, die Rastlosigkeit und die dunkle Ambivalenz, die ihre eingängigen Popsongs auszeichnen, sind ebenfalls geblieben. Der Albumtitel spricht da (un)klare Worte. Dabei wurde »FOREVER MAYBE« eine Art Konzeptalbum über Trennung und Verlassen. Jedes der Lieder enthält Zeilen wie »Ich bin alleine / kann nicht atmen / weiß nicht, wofür ich hier bleibe« und immer wieder: »Ich gehe / verlasse dich«.

Und schließlich enden die Selbst- und Beziehungsanalysen oft in Sätzen wie »Niemand will die Wahrheit sagen«, »Alles ist ansteckend, nichts kann uns retten« oder »Wir sehen uns selbst nicht«. Schwere Betrübnis, ernüchterte Sicht auf jedes Miteinander. Der entscheidende Schachzug ist dabei jedoch, dass die begabte Songwriterin kein tristes Weltschmerzwerk abgeliefert hat, sondern erneut ein prickelndes Popalbum. Zu hören auch auf guten deutschen Radiosendern. Wäre doch schade, wenn Hanne Kolstø mit sich ins Reine käme. (ijb)

Audio-Link

   

Stillness And Panic
(2013, Jansen Plateproduksjon/Musikkoperatørene JANSEN032)

My Bloody Valentine ließen 22 Jahre verstreichen, bis sie in diesem Jahr endlich ihr drittes Album vorlegten. Hanne Kolstø hingegen schmiedet das Eisen, solange es heiß ist. »STILLNESS AND PANIC« ist bereits ihr sechstes Album innerhalb von fünf Jahren, wenn man die hörenswerten Veröffentlichungen mit Love:Fi, Post und Thelma & Clyde berücksichtigt.

Wie ihre früheren Solowerke erscheint es im Herbst, der gemeinhin als natürlicher Lebensraum für melancholische Musik betrachtet wird, weil die Tage kürzer werden, die Temperaturen fallen und zumindest in Norwegen der erste Schnee fällt. In der Tat durchzieht die Lieder ein schwermütiger Grundton, doch so wie ein Waldspaziergang an einem sonnigen Oktobertag jeglichen Trübsinn vertreiben kann, sorgt die Schönheit der Melodien immer wieder für Hoffnungsschimmer.

Die Konsistenz von »STILLNESS AND PANIC« zeigt, dass Kolstøs Inspirationsquelle noch längst nicht versiegt ist und sie sich keinesfalls übernommen hat. Vielleicht orientiert sie sich insgeheim an Thomas Dybdahl, der zu Beginn seiner Karriere ohne Qualitätseinbußen ein ähnliches Tempo vorlegte und zuverlässig wie ein Uhrwerk mit seinen musikalischen Lebenszeichen den bevorstehenden Winter ankündigte. Wenn Kolstø keine Verschnaufpause benötigt, schenkt sie uns hoffentlich auch im nächsten Jahr einen klangvollen Altweibersommer. Nun verkriechen wir uns jedoch erst einmal hinter dem Ofen und genießen in aller Ruhe ihren aktuellen Liederreigen. (mau)



Siehe auch:
Thomas Dybdahl

   

FlashBlack
(2012, Karmakosmetix KKX028)

»Immer mitten in die Fresse rein.« Als hätte Hanne Kolstø zu lange Die Ärzte gehört, prügelt sie sich im Video zu »La-La-La-La Lovesong« bis zur Erschöpfung mit einem Mädchen. Dabei kommt ihre Musik eher auf Samtpfoten daher, und ihre tiefe Stimme schleicht sich behutsam in die Gehörgänge. Doch obwohl die meisten ihrer Lieder zur Not auch beim nächsten Kaffeekränzchen im Hintergrund laufen könnten, ohne Omi und Tante Hildegard zu verschrecken, ist »FLASHBLACK« ein vielschichtiges Album, das durch abwechslungsreiche Liedstrukturen überzeugt und dennoch homogen wirkt.

Es war eine gute Entscheidung, erneut mit Produzent Øyving Røsrud Gundersen zusammenzuarbeiten. Alles ist im Fluss und hervorragend aufeinander abgestimmt. Die passgenauen Arrangements betonen die Stärken der einzelnen Lieder. So wird das wundervolle »Sizzly« von Schlagzeug, Bass und elektronischen Elementen dominiert, während beim kurz vor Schluss versteckten Höhepunkt »Far Ahead« eine Akustikgitarre ausreicht, um für Gänsehaut zu sorgen. Dass Kolstø selbst auch schon viel Erfahrung gesammelt hat, verdeutlicht beispielsweise ihre unangestrengte Art zu singen, die sich als sehr angenehm erweist. Wenn sie weiterhin zielstrebig den eingeschlagenen Weg weiterverfolgt, steht ihr hoffentlich noch eine große Zukunft bevor. (mau)

   

Riot Break
(2011, Karmakosmetix KKX019CD)

Beim ersten Ton von Hanne Kolstøs Debütalbum dürften nicht wenige Musikhörer/innen kurz irritiert sein, ob sie versehentlich die falsche CD eingelegt haben, beginnt »Don't want to be happy in the Moment I want it to last« doch 1:1 wie Laurie Andersons Pop-Meilenstein »O Superman« vom Klassikeralbum »Big Science«, als hätte Kolstø das Stimmfragment, eines der bekanntesten Samples der gesamten Popgeschichte, direkt wieder gesampelt. Hanne Kolstø beweist also schon von Anfang an Mut, und auch wenn nicht alle zehn Songs zum Klassikerstatus streben, beeindruckt die klangliche Vielfalt des sympathisch-eigensinnigen Popentwurfs »RIOT BREAK« durchaus.

Man hört hier und dort auch anderer von Kolstøs Vorbildern heraus, doch durch die komplexe Instrumentierung wertet sie ihre Lieder, deren textliche Einfachheit zum Teil leider fast etwas einfältig auftritt, doch mit viel Fantasie so sehr auf, dass man gerne wieder zu ihnen zurückkehren mag. Spannendes Debüt mit eigener Handschrift. (ijb)



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