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Alle Rezensionen zu Oh Land
(Genre »Pop«, Land »Dänemark«)

 

Family Tree
(2019, Awal Recordings/Rough Trade)

Wann ist die Mitte des Lebens erreicht? Vielleicht mit 34 Jahren, wenn eine langjährige Beziehung scheitert und eine Frau beschließt, nach vielen Jahren in New York mit ihrem kleinen Kind wieder ins heimatliche Dänemark zurückzukehren. Klingt das nach Kapitulation? Nein, es geht einfach darum, in der Realität anzukommen. Und die ersten, vorsichtigen Schritten auf einem neuen Pfad gehen. »FAMILY TREE«, das fünfte Album von Nanna Øland Fabricius alias Oh Land, ist ein zartes, nachdenkliches, poetisches und sehr persönliches Album geworden. Voller bittersüßer Momente. Nach Ausflügen in angesagte Dancefloor-Welten zelebriert Oh Land hier einen meist reduzierten, aber immer wieder zart schwärmerischen Kammerpop. Aber von wegen Schönklang: Die Texte unterlaufen die scheinbare Harmonie. Im streicherlastigen Track »Human Error« fliegt der Sängerin ihre ach so perfekte Lebensplanung gehörig um die Ohren. Und genau diese Brüche machen die Stärke dieses Albums aus.

Stimme, Piano und zurückhaltende elektronische Klänge: Weniger ist in der musikalischen Welt von Oh Land unbedingt mehr. Frei nach Bert Brecht scheint sich die Devise »Gelobt sei der Zweifel« durch das gesamte Album zu ziehen. Und trotz der rauheren Seiten des Erwachsenenlebens: In Tracks wie »Kiss In Songs« hat sich die Musikerin ihre Verspieltheit bewahrt. Hier ist übrigens der US-Waldschrat Devendra Banhart als Gastmusiker zu hören. Wer den Albumhöhepunkt hören will, muss bis zum Schluss warten: In »After The Storm« wagt es Nanna Øland Fabricius endlich wieder, zu träumen. Die Krise überwunden, trotz vieler emotionaler Blessuren. »Even the wind knows that I am different now«, singt sie. Wer dazu nicht lächelt, muss ein Herz aus Stein haben. (emv)

 Oh Land: Family Tree

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://ohlandmusic.com/

   

Earth Sick
(2014, Tusk/Kobalt)

Nach anderthalb Jahren musikalischer Schafffenspause, in der sie ihr Leinwanddebüt an der Seite von Mads Mikkelsen gab, ist Nanna Øland Fabricius alias Oh Land in ihre Brooklyner Wohung zurückgekehrt, um ihr viertes Album »EARTH SICK« in Eigenregie aufzunehmen. Die Dänin tut hier, was sie am besten kann: Die dunkle, komplizierte Drama Queen geben. Frau Fabricius bewegt sich leichtfüßig über die weiten Felder des tanzbaren Elektropop und brennt ein Feuerwerk überkandidelter Emotionen ab. Flehen, furios aufdrehen, schreien und flüstern. Und natürlich auf hohem Niveau nachdenken. Opernhaft kommen Tracks wie das Titelstück daher: Gebrochene Vocals halten hier mit üppigen Streichern Händchen und lamentieren über Entfremdung. Und die Opernsängerin, die hier verschiedene Gastauftritte hat, ist Mama Bodil Øland.

Dabei wirken die introvertierteren Tracks doch deutlich intensiver! Was daran liegen mag, dass Seufze-Hymnen wie »Nothing Is Over« doch arg austauschbar klingen: All diese elektronisch infizierten Dancefloor-Heroinnen von Madonna bis Robyn, die hören sich ähnlich an. Es scheint, als könne sich Oh Land nicht wirklich entscheiden, wer sie sein will: Die urbane Power-Frau, die empfindsame Meerjungfrau oder die geheimnisvolle Moorhexe, die ihre Synthie-Zaubertränke braut. Klar, diese Facetten mögen alle in ihr glitzern. Aber insgesamt hat Oh Land hier zu viele Bälle in der Luft. »Daylight« mit seinen 7oer-Disco-Anspielungen etwa ist so ein Song, der nicht recht hängenbleiben will. Während romantische Tracks wie das poppig-seelenvolle »Doubt My Legs« doch wunderbar die Balance zwischen zu wenig und zu viel Gefühl hält! So bleibt »EARTH SICK« sonderbar unentschieden. Schade eigentlich! (emv)

   

Wish Bone
(2013, Federal Prism/ADA/Warner Music)

Discokugel und Dancefloor-Schick: Nanna Øland Fabricius, die Stimme hinter Oh Land, strebt auf ihrem dritten Album »WISH BONE« bewusst gen Mainstream. Bloß keine Reibungsflächen bieten! Sich als versiert vielseitige Musikerin inszenieren, die souverän durch die angesagten Poptanzstile der vergangenen 20 Jahre manövriert. Frau Fabricius ist von Kopenhagen nach New York gezogen und hat sich mit dem TV On The Radio-Gitarristen Dave Sitek ein Branchengröße als Produzenten an die Seite geholt. Das Album klingt folgerichtig perfekt hochglanzpoliert und springt scheinbar leichtfüßig von elektronischen Beats über Rap zu Lounge-Angejazztem bis zu Singer-Songwritertönen. Uff! Nur länger hängenbleiben will kein Track.

Oh Land räkelt sich im Opener »Bird On An Aeroplane« stimmlich wie eine Katze auf der Chaiselonge und gibt die hippe Cousine ihrer Schwester im Geiste, nämlich Robyn. Mit »Renaissance Girl« wandelt sie auf den Spuren arrivierter Damen von Keisha bis Kylie. Austauschbar, alles schon gehabt, denkt man mit leichtem Missvergnügen und fremdelt ein wenig mit dieser Plastikwelt. »Love A Man Dead« erinnert mitunter sogar an die Pastell-Ästhetik der Spice Girls. Am meisten bei sich scheint dieses rotefadenfreie Album ausgerechnet in den ruhigeren, reduzierteren Track. Sehr fein und innig kommt das akustische Klampfenstückchen »Love You Better« daher, bei der sich die nuancierte Stimme von Fabricius endlich einmal ohne technischen Schnickschnack entfalten kann.
(emv)



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