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Alle Rezensionen zu Mette Juul
(Genre »Jazz«, Land »Dänemark«)

 

There Is A Song
(2015, Universal UNI 4744866)

Das schmutzige, von Drogen, Armut, Unordnung und korrupter Politik geprägte Baltimore in Maryland kennt jeder mittlerweile aus »The Wire«, der Serie, die gezeigt hat, dass Fernsehen durchaus die Qualität großer Romane erreichen kann. Doch kann man die amerikanische Großstadt mit der derzeit innovativen, quicklebendigen dänischen Jazzszene zusammen bringen? Mette Juul macht es anders, etwa wie der amerikanische Autor Peter Cameron in seinem Roman »Andorra«: Sie erfindet ihr ganz eigenes Baltimore. Sie habe gehört von einem »Städtchen in Maryland mit weichem Licht im Frühling« und lädt den Adressaten ihres Songs zu einer Reise in eine ferne Zeit ein, »We’ll be like lovers, born again / our hearts will smile in Baltimore.«

Klar, dass die Musik dazu, ein Bouquet aus Liebesliedern für ihren Angetrauten, mit einer amerikanischen Band (tr, b, dr, g) und Landsmann und Co-Produzent Nikolaj Hess (b) im Januar 2015 in Brooklyn aufgenommen, ebenfalls wie aus einer anderen Zeit klingt und nichts mit der ansonsten in Dänemark präsenten Jazzavantgarde gemein hat. Vergleichbar mit Kolleginnen wie Madeleine Peyroux (jedoch auch ohne die Doppelbödigkeit von etwa Melodie Gardot) fühlt man sich wie in eine verklärte Vergangenheit versetzt, »coming back to the place where I heard my mother sing and felt at peace (…) it’s easy to find the way / no matter where you are / there’s a song, there is always a song«. Auch das hippe Berlin wird bei Mette Juul zu einer »old town on the wings of Lili Marleen«, Paris wird als Ort der Liebe besungen, und selbst ein an sich zeitkritisches Lied wie Leonard Cohens »Land of Plenty« (»Land des Überflusses«) wird unter der rosaroten Brille in die schmucke Träumerei hinein geflochten, als wäre es Mettes eigener Feder entsprungen. (ijb)



Siehe auch:
Nikolaj Hess
Lucia Cadotsch

Mette Juul: There Is A Song

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.mette-juul.com

   

Change
(2019, Universal UNI 7796107)

Mette Juul hat die Ästhetik ihrer Musik sehr verschlankt, zumindest sind die Arrangements sehr luftig und stellen ihre Stimme weit in den Vordergrund. Sie selbst spielt auf vier Stücken Gitarre und beschränkt sich auf einfache, aber beseelte Begleitung. Das ist bei Ulf Wakenius schon etwas anders, aber der schwedische Gitarrist gehört ebenso zur Weltspitze wie Bassist Lars Danielsson. Heine Hansen ist noch auf drei Stücken am Piano zu hören, das war’s im Großen und Ganzen an Instrumentarium. Viel Raum also für die Sängerin, die mit einer recht eigenwilligen Stimme und ebensolchen Interpretationen durchaus überzeugen kann.

Cole Porters »Get Out Of Town« brilliert mit düsteren Klängen von Cello (auch Danielsson) und Gitarre, ihr eigener Song »It Might Be Time To Say Goodbye« klingt sehr nostalgisch, um nicht zu sagen wie aus der Zeit gefallen. Ein weiterer Standard, »Just Friends«, wird auf das Wesentliche, also die Melodie reduziert, nur Wakenius spielt ein fast unbegleitetes Solo mit wohl überlegten Tönen – wenig kann so viel sein! Die beiden Jobim-Stücke gefallen auch, und Mette Juuls Songs fallen dagegen nicht ab, sodass »CHANGE« ein durchweg gelungenes Album darstellt. (tjk)



Siehe auch:
Ulf Wakenius

   

Moon On My Shoulder
(2012, Calibrated CALI123)

Gerade aus Dänemark und Schweden gibt es ja zahlreiche Sängerinnen, deren Stil zwischen Pop und (Lounge) Jazz jeden Rezensenten dazu veranlasst, erstmal eine Auswahl aus all den anderen, teils ach so viel eigenständigeren Kolleginnen aufzulisten. Ausnahmsweise soll dies hier einmal ausbleiben. Interessanter vielleicht, dass der langsam zum Grandseigneur werdende Lars Danielsson hier wieder mal mit seinem Bass und Cello auftritt, Landsmann Nikolaj Hess nicht nur das Piano spielt, sondern auch gleich als Produzent in Erscheinung tritt - und die Band neben Schlagzeuger Morten Lund besonders von US-Trompeter Ambrose Akinmusire (der als einziges Bandmitglied einen Fotoauftritt im Booklet erhielt) nachhaltig geprägt wird.

Diese Musiker spielen jedoch nur die Nebenrolle gegenüber Mette Juul, was die vollkommen auf sie zugeschnittene, sinnlich-mondäne Cover- und Bookletgestaltung vehement zum Ausdruck bringt (auch die Stylistin bekommt ihren Credit). Keine Frage, wer das zweite Album der Mitte-Dreißigjährigen erwirbt, soll das Gefühl haben, einer kommenden Soul-Jazz-Diva auf der Spur zu sein. Doch kann Mette Juul diese Rolle auch ausfüllen? Aber ja, sie hat die Gabe, sich auch die unterschiedlichsten Songs sensibel zu eigen zu machen und leicht und luftig darzubieten, als sei nichts dabei. Joni Mitchell, Lyle Lovett, Monk/McRae, Oscar Brown, Cole Porter und Wheeler/Winstone vermag sie selbstsicher zwischen ihre eigenen Songs zu streuen. Und alles kommt souverän aus einem Guss. (ijb)



Siehe auch:
Lars Danielsson



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