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Alle Rezensionen zu Bugge Wesseltoft | New Conception of Jazz
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

New Conceptions of Jazz Box
(3 CDs, 2008, Jazzland/Universal 1788023.24.25 / +DVD)

Nach zwölf Jahren NCOJ machte Bugge den Deckel wieder zu und wandte sich neuen Herausforderungen und Projekten zu. Doch das im Januar 1994 ins Leben gerufene, personell wechselnde Ensemble bleibt bis auf weiteres Wesseltofts bekanntestes Projekt, mit fünf Alben und zahlreichen Konzerten rund im den Globus. Kaum jemand, der sich für »Nordische Musik« interessiert, dürfte in den letzten zwei Jahrzehnten um die wegweisende »New Conception of Jazz« herumgekommen sein. Die 3CD+1DVD-Box dient gleichermaßen als Rückblick wie als Lückenschließer für alle, die verspätet auf NCOJ aufmerksam wurden bzw. werden: Ein Patchwork aus »Best of«, Albumtracks, Alternativfassungen, Outtakes und sehr viel Live-Material, welches CD3 und die DVD ausfüllt. Schwerpunkt liegt dabei auf der Phase zwischen den Alben »Moving« (fast komplett vertreten) und »Live«.

Die - in einem bestimmten Rahmen - enorme Vielseitigkeit beeindruckt nach wie vor: Jedes Album trumpfte mit starkem, eigenen Charakter auf; besonders »Film'ing« hätte in der Rückschau eine positivere Rezeption verdient, doch selbst Bugge packte kein einziges (Original-)Stück jener CD in diese Box, nur einen Chilluminati-Remix und eine vorher unveröffentlichte, reduziert-akustische Version des Duetts mit Dhafer Youssef, »Hope«. Dafür entschädigen die im Juli 2004 live in Montreux mitgeschnittenen 76 Konzertminuten umso mehr, wenngleich das Videobild hierbei fast vernachlässigt werden kann.

Komplett unveröffentlicht waren bislang die 2001 in Yokohama festgehaltenen Aufnahmen der »Moving«-Tour, die den Löwenanteil der Live-CD ausmachen; wobei allein verwundert, warum sowohl CD2 als auch CD3 mit »unreleased versions« von »Change (recorded live in Yokohama 2001)« in identischer Besetzung und bis auf wenige Sekunden Unterschied gleicher Länge beginnen. Nur Spezialisten werden die Unterschiede heraushören (wollen). Nicht vermerkt hingegen wurde, dass die Version von »Sharing« auf CD2 eine fast elf Minuten lange »extended version« ist und nicht der bekannte Albumtrack.

Der Querschnitt bietet einen vorzüglichen Überblick über Bugges Konzept »Wie kann Jazz heute aussehen, mit Mitteln der gegenwärtigen musikalischen Entwicklungen?«, wobei das Heute natürlich das Jahrzehnt 1995 bis 2005 meint. Seventies Rhodes-Sound meets Spät-Neunziger Drum&Bass, Elektronik trifft auf akustische Bass-und-Rhythmus-Gerüste... Die Zeit ist nicht stehen geblieben, auch NCOJ gehört bereits einer anderen Periode an, bleibt jedoch nachhaltig und wirkungsvoll. (ijb)



Siehe auch:
Bugge Wesseltoft
Wesseltoft/Schwarz Duo
Sjur Miljeteig
OK World

Bugge Wesseltoft: New Conceptions of Jazz Box

   

Film'ing
(2004, Emarcy/Universal 06024.9866123)

Ob ihn sein programmatisches Motto »New Conception Of Jazz« zu sehr unter Druck setzt? Wesseltoft, als Produzent und Keyboarder für andere so innovativ, verrennt sich zunehmend in diffuses Jazzfunk-Gedudel und opfert Tugenden wie Leitmotive oder die angestrebten Visionen zugunsten virtuoser Improvisationen.

Dafür versteht es der Keyboarder zweifellos, Songs zu entwickeln und diese wachsen zu lassen von stillem Vorgeplänkel zu ekstatischen Soli und wieder zurück zum entspannten Ausatmen. Mit Gästen wie dem Saxer Joshua Redman, dem tunesischen Oudspieler Dhafer Youssef oder der Sängerin Øyonn Groven Myhren groovt Wesseltoft mal durch hitzige House-Beats, meist jedoch durch zurückgenommene und atmosphärische NuJazz-Balladen. (peb)



Siehe auch:
Ensemble Du Verre
Dhafer Youssef

   

NCOJ Live
(2003, Jazzland/Universal 038 500-2)

Er kann es nicht lassen, seine Combo New Conception Of Jazz als DAS neue Ding zu preisen. Dabei führt der Osloer Keyboarder lediglich die Tradition der Siebziger fort, den Jazz in ausgedehnten Improvisationen mit hitzigen Rockgrooves aufzumischen, freilich zeitgemäß orientiert an Drum'n'Bass und Ambient.

Nichtsdestotrotz agiert Wesseltoft brillant auf seinem Fender Rhodes und führt seine Mannschaft in immer neu treibende Acid-Jazz-Bahnen – mal zu langatmig (»Live In Amiens«), mal atmosphärisch packend (»Lone Live In Paris«), mal spontan begleitet von Gitarrist John Scofield (»Live At Blå«). Oder sind es eher seine Begleiter, die ihren Chef auf eine Reise mitnehmen? Der Verdacht scheint nicht unbegründet – man höre etwa Wesseltofts DJ und Perkussionisten zusammen bei Gen:Lon, die dort mehr visionäre Kraft demonstrieren. (peb)



Siehe auch:
Gen:Lon

   

Moving
(2001, Jazzland/Universal 013.534-2)

Wesseltoft führt die Linie seines 98er Albums »SHARING« fort: Wieder lässt er sich treiben durch ein eklektisches Univesum aus Electronic, Ambient, DeepHouse, Triphop und vielem mehr. Kommerzielle Überlegungen sind ihm dabei reichlich egal; wichtiger scheint es ihm, seiner Zeit voraus zu sein. Zu wichtig? mag sein.

Denn historisch knüpft sein verschwitzter Clubjazz lediglich an die Musik der Siebziger an, wenngleich sich seine Klangfarben freilich up-to-date präsentieren – der Norweger zeigt, dass er die in Oslos Jazz-Kellern wogenden Trends aktiv mitgestaltet, sei es als Keyboarder auf unzähligen Aufnahmen oder eben den Jazz/Dance-Beats seiner eigenen Combo. Leider verkommen jedoch einige Soli – wie damals in den Siebzigern – zum Selbstzweck und lassen das Ergebnis dadurch etwas blutleer wirken. (peb)

   

Sharing
(1998, Jazzland/Universal 538.278-2)

Es war der Startschuss für Bugge Wesseltofts Solo-Karriere, und der Titel seines Projekts New Conception Of Jazz provozierte bei vielen Hörern die Vermutung, dass hier der Jazz wirklich neu definiert wurde. Was natürlich Quatsch ist, denn Wesseltofts Verbindung aus hippem Dancefloor und Cool-Jazz ist streng genommen nur eine logische Weiterentwicklung von Acid Jazz, TripHop und Nu Jazz.

Nichtsdestotrotz darf man Weeseltofts Verdienste für die norwegische Tend-Jazz-Szene nicht unterschätzen, denn seine Jazzland-Label war Brutstätte für viele neue Impulse, und in seiner Truppe wirken etliche kleine Genies wie Saxofonist Vidar Johansen, die DJs Pål Strangefruit und Jan Bang oder Bassist Ingebrigt Flaten sowie Drummer Paal Nilssen-Love. Außerdem Sidsel Endresen, die den Song »You Might Say« zum Album-Highlight macht. (peb)



Siehe auch:
Sidsel Endresen
The Thing
Patrick & Raymond
Ingebrigt Håker Flaten



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