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Alle Rezensionen zu Carl Michael (CM) von Hausswolff
(Genre »Avantgarde«, Land »Schweden«)

 

800 000 Seconds in Harar
(2011, Touch/Cargo Touch TO:82)

Carl Michael (»CM«) von Hausswolff, 1956 im schwedischen Linköping geboren, gehört zu jenen Komponisten, Sound Artists, Klangforschern und Kunst-Provokateuren, die sich am weitesten in die Grenzbereiche von Musik hineinwagen, ihre Zuhörer gerne auch mal durch radikale Anti-Musik herausfordern und so Grenzen der Wahrnehmung ergründen, der eigenen wie natürlich auch die des Publikums. Ähnlich wie der eine Generation jüngere Mika Vainio legt es von Hausswolff mit Freude darauf an, tiefste Frequenzen und körperliche Klangerfahrungen in Form von »Musik« zu sondieren. Anders als sein finnischer Kollege kombiniert er auf »800 000 SECONDS IN HARAR« allerdings »Field Recordings« mit seinen langanhaltenden Frequenztönen.

Ein scheinbar endlos langer, etwas klaustrophobischer Drone-Sound, anfangs noch kontrastiert von Geräuschen wie Grillen und Wind, zieht sich durch die ersten 15 Minuten der CD, und erst beim dritten Track öffnet und expandiert CM von Hauswolff diesen Klang, bis er nach rund zwölf weiteren Minuten versandet. Keine gemütliche »Ambient«-Unterhaltung also, eher schon als versuchte man, direkt neben den Düsentriebwerken des Flugzeugs auf dem CD-Cover zu entspannen. Dröhnender Minimalismus.

Das letzte Drittel des Albums gehört dem »Sleeper in the Valley«, einem knapp viertelstündigen, streckenweise recht heterogenen, aufgebrochenen Stück zwischen flirrenden Oszillatoren außer Kontrolle und dem gleichnamigen Rimbaud-Gedicht, das von als Morse-Code vorgetragen wird. Maschinen beim Meditieren. Experimentell ist gar kein Ausdruck! Danach erstmal eine Portion Stille, um den Kopf wieder freizukriegen... (ijb)



Siehe auch:
Jana Winderen
Mika Vainio
Gomila Park
CM von Hausswollf & Leslie Winer

Carl Michael (CM) von Hausswolff: 800 000 Seconds in Harar

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.cmvonhausswolff.net

   

Squared
(2015, auf abwegen aatp52)

In Form von zwei sehr minimalistischen, epischen Stücken lotet der schwedische Avantgardekomponist sein Terrain radikaler Sound Art zwischen Klanginstallation und Ambient Noise weiter aus. Das 32-minütige »Circulating over Square Waters« wurde zwar live Karlsruher ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) aufgezeichnet, hat jedoch eine Entwicklungsgeschichte, die bis 1980 zurückgeht. 2014 erhielt es den seit 1967 vom SWR verliehenen Karl-Sczuka-Preis, einst ein Preis für Hörspiel(-musik), heute die womöglich wichtigste Auszeichnung für avancierte Werke der Radiokunst. Ob man in dem sehr abstrakten Stück eine Geschichte oder zumindest Musik erkennt, ist schwer zu sagen. Von Hausswolff geht wie gewohnt an die Grenzen dessen, was überhaupt noch als Musik und Komposition durchgeht - bzw. weit darüber hinaus. Andererseits ist es von einer weitaus leiseren, fast zärtlichen Qualität als etwa das radikale »800 000 Seconds in Harar«, für das man eher starke Nerven brauchte.

Auch »Cementerio Del Norte« hat einen Deutschlandbezug, allerdings ganz anderen Ursprungs. Für den Film »North Cemetery, Montevideo, Uruguay« verwendete Hausswolff Klangaufnahmen aus dem Boden des deutschen Friedhofs in Montevideo. Wie das geht? Mit Emissionsspektroskopie, auch als Anregungsspektroskopie bezeichnet, einer Form der Laserspektroskopie, in der ein durchstimmbarer Laser benutzt wird, um ein Probengemisch anhand seines Fluoreszenzlichts auf seine Zusammensetzung bzw. auf das Vorkommen bestimmter Elemente oder Verbindungen zu untersuchen. Bizarr und ziemlich ungreifbar, ja. Ebenso wie das akustische Ergebnis auf dieser CD, das freilich genau so klingt, wie es die Beschreibung vermuten lässt. (ijb)



Siehe auch:
von Hausswollf, Lescalleet, Nordwall



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