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Alle Rezensionen zu Sigur Rós
(Genre »Rock«, Land »Island«)

 

Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust
(2008, EMI 5099922872821)

Sigur Rós haben ihre musikalischen Weichen längst gestellt – der umtriebige, fast ruhelose Downloadtrack »Gobbledigook« führt nur kurz auf den Pfad der sommerlichen Sorglosigkeit, bevor die Band wieder eine ästhetische Ehe mit der Elegie eingeht. Es wird Bewährtes auf exzellentem Niveau umgesetzt: Die unendliche Tiefe, die luftige Resonanz, karge Klangfelder und intime Räume, das Aufbäumen und Abebben. Echos aus Gletscherspalten, das Flirren der Streicher und das bekannt frostige Klagen. Musik mit Tempolimit.

Das erhabene »Ára Bátur« ist wie ein auf schweres Papier geschriebener Liebesbrief an jemanden, der die Liebe nicht erwidert. Eine Ode an das Sinnliche, die über neun Minuten gestreckt Traurigkeit einfängt und Tränen freisetzt. Wenn am Ende dann die Sonne samt Chorälen hereinbricht und Hoffnung verbreitet, ist der schönste Moment des Albums erreicht. Der Rest ist ein wenig spannungsärmer, wiegt dies aber mit Könnertum auf. Musik, die der humanistischen Theorie nahe kommt: auf das Menschsein konzentriert, mit Würde und Güte eingespielt und aus dem Vollen schöpfend. (maw)



Siehe auch:
Hilmar Örn Hilmarsson & Sigur Rós
Hilmar Örn Hilmarsson
Amiina
Jónsi


Zur DVD-Rezension über Sigur Rós


Zum Artikel über Sigur Rós

 Sigur Rós: Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.sigur-ros.com

   

Valtari
(2012, EMI/Universal B007P4OSZ2)

Fünfzehn Jahre nach dem ersten Album sind Sigur Rós noch immer Sigur Rós. Gelieben oder wieder geworden. Denn nachdem sie mit »Með Suð Í Eyrum...« ihre sonische und kompositorische Palette ein wenig variiert hatten, kehrt »VALTARI« wieder zum Klang frühen Phasen vor »()« zurück. Dazu kann man stehen, wie man will. »()« bleibt der künstlerische Höhepunkt in ihrem Gesamtwerk, eine fantastische Platte, wenngleich latent überbewertet. Wenn allerdings das trotz allem starke »Hvarf/Heim« mit zumeist mittelmäßigen Bewertungen abgespeist werden musste, dann muss man konsequenterweise sagen: »Valtari« ist nicht der Rede wert.

Schön ist die Geräuschmusik der letzten Minute von »Ég anda«, reizvoll das verzerrte Gitarrencrescendo in »Varúð«, nett die kleinen klanglichen Finessen im Rhythmus von »Rembihnútur«. Aber das war's dann auch. Die acht Stücke von Sigur Rós' erstem Studioalbum nach vier Jahren Pause enttäuschen auf ganzer Linie. Drei Sterne für Songqualität - das ist entgegenkommend gemeint; weil sie eine Band sympathischer Eigenbrötler bleiben, wie sie die Popmusik der Gegenwart viel zu wenige im Angebot hat. Uninspiriert werden hier jedoch alte Brötchen aufgebacken, halbgare Kompositionen beliebig produziert und leider ohne auch nur eine Spur der emotionalen Intensität und der Dichte, die Sigur Rós groß gemacht haben. Schema F. Weniger ein Rückblick als vielmehr ein Rückschritt. Schade. (ijb)

   

Hvarf / Heim
(2007, EMI 5099950256624)

Es ist ein wenig Routine in das Schaffen von Sigur Rós eingekehrt. Die bekannt schleichende Genügsamkeit der Sounds, die irisierenden glockenhohen Stimmen – dargeboten auf zwei EPs, die zum einen neueingespielte Klassiker und zwei entdeckenswerte neue Songs (das stumerprobte »Í Gær« und das landschaftsmalende »Hljómalind«), zum anderen einige ihrer stärksten Stücke wie »Starálfur« in akustischen Gewändern umfassen. Aber gerade diese Titel verstecken in ihrer Reduktion die fantastisch-stimmigen Effekte, welche die Originale zu Monolithen schufen.

Als flankierender Snack zur parallelen DVD-Veröffentlichung »HEIMA« sind diese in stimmiger Aufmachung erschienenen CDs eine Bereicherung für Liebhaber und Fans, jedoch aufgrund stagnierender Innovation wohl nicht erste Anlaufstelle für Leute, die diese fantastische Band für sich entdecken wollen. (maw)



Siehe auch:
Jónsi & Alex

   

Takk
(2005, Capitol/EMI)

Man betritt das Engelsreich über einen wattebauschigen Flokati, der einem inzwischen gut genug bekannt vorkommt. Es ist das Gefühl, nach Hause zu kommen. Wolken schweben herab und scheinen die Gravitationskräfte zu betäuben. Im perfekten Schwebezustand bugisieren sich die Geigen in Schräglage, beginnen die Glockenspiele ihren Tanz.

Der Schmelz des Zurückgenommenen des vorangegangenen Albums »()« wird auf »TAKK« (»Danke«) wieder unterfüttert mit bauchigeren ätherischen Orchestralklängen und aufbrausenden Rock-Elementen, jeweils nur noch dominiert von kristallklaren und kathedralhohen Stimmen. Andächtig tasten sich die Musiker mit meditativer Inbrunst vor, nach Erlösung und Licht suchend. Fast wie aus einer Welt gefallen. Es kann nicht die unsrige sein. (maw)

   

Ba Ba Ti Ki Di Do
(EP, 2004, EMI 07243.549939.2)

»Sphärisch«, »geisterhaft«, »nicht von dieser Welt« lauteten die Kommentare angesichts des letzten Albums »()«. So klingt auch »Ba Ba Ti Ki Di Do« – obwohl nur eine EP mit gut 20 Minuten Spielzeit, ist sie dennoch eine Vorstellung wert. Denn die kultigen Isländer lieferten hier – wie auch ihre Kollegen Radiohead – eine Auftragsarbeit für die Merce Cunningham Dance Company.

Bei den Ballettaufführungen improvisierten sie live zu den Basis-Spuren auf Glockenspiel, zwei antiken Musikboxen und einem selbst konstruierten Bumsett, bei dem acht Ballettschuhe den Rhythmus erzeugen. Das Resultat: spieldosenartige, minimalistisch sich verschiebende Soundtracks zum Träumen in einem von der Außenwelt abgeschlossenen Kokon. (peb)

   

()
(2002, PIAS fatcd22)

Hört man die sphärische Geistermusik dieses Quartetts, zweifelt man keinen Moment mehr, dass es in Island noch Kobolde und Elfenwesen geben muss. Das vierte Album »()« entstand in einem Swimmingpool unweit von Reykjavik, den Sigur Rós zum Studio umgebaut haben. Dieser Umstand mag seinen Teil zum schwebenden Gesamteindruck dieser Slowpop-Sinfonie beigetragen haben.

Zarte Soundloops, eine mit Geigenbogen gespielte Gitarre und Jon Thor Birgissons Falsettstimme, die aus dem Jenseits zu uns zu sprechen scheint, ziehen unwiderstehlich in ihren Bann. Diese Musik ist schemenhaft, durchsichtig, nicht von dieser Welt, wie auch das Cover: Das aus transparentem Pergamentpapier bestehende Booklet zeigt nur andeutungsweise Bilder - Grashalme, abstrakte Formen. Keine Texte finden sich dort, keine Songtitel, keinerlei Informationen - alles geisterhaft eben. (peb)

   

Ágaetis Byrjun
(1999, Fat Cat Records/PIAS fatcd 11)

Sie sind schon echte Kitsch-Lullis – die Burschen von Sigur Rós. Soft erklingen die Gitarren, schmeichelnd verbeugen sich die Geigen, bis die Klänge wie Honig zu Boden tropfen, der ob der kargen Vegetation in Island sehr, sehr teuer sein müsste. Einige Titel sind wiederum erstaunlich flott, und zum Titelsong »Ágaetis Byrjun« könnte man fast tanzen. Und dann immer wieder dieser elfenhafte Gesang zu Bassgewittern – ach, es ist schon eine schöne und auch interessante Musik.

Diesmal liegt übrigens ein einigermaßen aussagekräftiges Booklet bei – und siehe: Man ist mal wieder reingefallen. Denn Sigur Rós singen keineswegs – wie oft geraunt wird – in einer eigens erfundenen Kunst- wie Geheimsprache namens Hopeländisch. Es ist ganz schlichtes Isländisch. (frk)

   

Svefn-g-englar
(EP, 1999, Smekkleysa Records/PIAS PIAS A3)

Vier Songs – viermal diese einzigartige Kombination aus wattig-schemenhaftem Wohlklang und Gitarren-Feebback nebst britzelndem Fuzz-Noise. Die EP brachte die Isländer erstmalig dem englischen Publikum nahe, und ihre Wiederveröffentlichung zwei Jahre später ist zu begrüßen. Den ersten Song »Svefn-g-englar« kennen und schätzen wir aus dem Album »ÁGAETIS BYRJUN«, ebenso wie das nahezu klassische »Vidrar Vel Til Loftárása«: Es startet mit ätherischen Gebilden aus Streichern und Piano, explodiert dann aber in einer sinfonischen Kaskade aus Klängen.

Die letzten beiden Stücke, live aufgenommen am 12. 6. 99 im isländischen Opernhaus, klingen reduzierter und Jon Thor Birgissons Stimme herber, tiefer. Ein wohltuender Kontrast zu den klangtechnisch aufgeblasenen Studio-Aufnahmen der Isländer. Kurz: die wohl schönste Weiterentwicklung von My Bloody Valentine und Cocteau Twins. (peb)

   

Von Brigði / Recycle Bin
(1998, Smekkleysa Records SM67CDR)

Sigur Rós remixed, in diesem Fall das Debüt »VON« – kann das funktionieren? Nun: dieser typisch zauberhaft entrückte Charme, dieses Gefühl, dass alle Töne in einen von der Zeit vergessenen Kokon eingewebt sind und zur Entdeckungsreise einladen, geht in der Tat verloren bei poulären Remixern wie Biogen oder Curver. Auch das »Drum'n'Bass-Gehäcksel« von Plastmic kann man eigentlich nur als technoide Vergewaltigung bezeichnen.

Verwundert es da, dass die verschrobenen Remix-Versuche der eigenen Landsleute – etwa von Gus Gus oder Múm – noch am packendsten ausfallen? Wohl nicht. Auch Sigur Rós' eigene Neuauflage, eine dezent jazzig verhackstückte Fassung von »Leit Af Lífi«, verdient Beachtung. (peb)



Siehe auch:
Gus Gus
Múm

   

Von
(1997, Smekkleysa Records SM 67 CD)

Schon das Debüt des Quartetts, dessen Namen man in etwa wie »Si-or roash« ausspricht, machte klar: Hier sind eigenbrötlerische Sound-Visionäre am Werk, die ihre Fans zu vagen Assoziationen wie »schnee-ige Musik« oder »wie ein Tag, an dem die Sonne nie aufgeht« hinreißen lassen. Songtitel wie »Dögun« (Dämmerung) oder »Myrkur« (Dunkelheit) beschwören in der Tat seltsam faszinierende Nachtwelten, die wie tongewordene Träume aus dem Unterbewusstsein zu uns herüberwehen.

Streng genommen baden die Isländer aber eigentlich nur in langen orchestralen Passagen, definierbar als gut hörbare Schnittmenge von Pink Floyd, Radiohead und Spiritualized. Anspieltipp: »Hún Jörð« (Mutter Erde) kombiniert Engelschöre mit brachial verzerrten Eruptionen. (peb)



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