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Alle Rezensionen zu Benjamin Mørk
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Attover
(2020, Jazzland/Bandcamp keine Artikelnummer)

Jahrelang habe er kein Klavier mehr besessen, sich völlig aus der akademischen Musikwelt verabschiedet und einfach »Disco« gemacht, erzählt Benjamin Mørk. Dann jedoch sei dem jungen Norweger zufällig ein alter Flügel zugelaufen. Weil dieser aber so schäbig war, habe er ihn von allen nicht notwendigen Bauteilen befreit und sei dabei auf eine für ihn neue Klangwelt gestoßen, nämlich auf die Geräusche der Mechanik eines Flügels als solche. Er beschloss daraufhin, diese als integralen Bestandteil in seine Musik aufzunehmen.

Das freilich ist nichts grundlegend Neues, weil wir diesen Ansatz und den daraus resultierenden »Ich-sitze-direkt-im-Klavier-Klang« schon von Nils Frahm kennen sowie von dem leider etwas unter dem Radar durchgerutschten, aber dennoch wunderbaren »EINFLUSS«-Album von Roedelius, das gemeinsam mit dem deutlich jüngeren Arnold Kasar entstand.

Während der Cluster-Veteran Roedelius ein von einer erstaunlichen Leichtigkeit geprägtes Alterswerk schuf und es Frahm mit diesem Ansatz bisweilen gelingt, hypnotische Stimmungen und eine große klangliche Weite zu erzeugen, entwickeln sich die Dinge bei Mørk leider nicht ganz so famos. Mir gelang es jedenfalls kaum, in seinen Klangkosmos, der eher eine Enge denn eine Weite schafft, vollkommen einzutauchen. Das mag daran liegen, dass die Stücke stets recht lied(chen)haft kurz geraten sind, anstatt größere Bögen zu spannen, was seiner musikalischen Herangehensweise durchaus eher gerecht würde; aber auch daran, dass Mørk sich dann doch nicht ganz auf sein »Mechanical Piano« verlassen mag und recht viele elektronische Sound einstreut. Teils sind das verfremdete »Mechanik-Sounds« teils Synth-Bass-Linien und anderes, doch verwässern diese eher sein Konzept, als dass sie es schärften. Auch der einzigen Cover-Version des Albums, dem Titelsong aus Ryuichi Sakamotos Filmmusik zu »Merry Christmas Mr. Lawrence« gelingt es nicht, dem Original wesentliche neue Seiten abzugewinnen.

Frahm, Roedelius, Sakamoto, das ist eine Phalanx, in die sich Mørk gegenwärtig noch nicht einzureihen vermag, aber man darf sehr wohl die Hoffnung wagen, von diesem jungen Mann in absehbarer Zeit noch Interessanteres zu hören. Einige Live-Aufzeichungen im Netz klingen sehr vielversprechend.

HINWEIS: Bisher nur als Download erhältlich, als CD ist dieses Album für den Herbst angekündigt. (stv)

Benjamin Mørk: Attover

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.morkmusic.com

   

Karasho
(LP, 2013, Finito Bacalao Records FBLP218)

22 Jahre ist er jung, der Pianist Benjamin Mørk von der Insel Senja, wohnhaft in Tromsø; auf dem Cover seines Debüts, das nur als LP und Download erschien, nennt er sich MØRK (norweg. »dunkel«), was wohl auch als Band-/ Projektname zu verstehen ist und seine Mitmusiker einschließt: Bassist Dag Okstad, Schlagzeuger Christer Jørgensen und der jüngst ebenfalls mit einem Debütalbum in Erscheinung getretene Kristian S. Olstad an Gitarren und FX. Unter »additional musicians« (sic) wird der famose Trompeter Ole Jørn Myklebust angeführt, der auf »Selvmord« gastiert.

Auf seiner Bandcamp-Seite beschreibt sich Mørk als »Maker of music and singer of songs. Without singing«, und ordnet sich im Genremix »electronic rock, ambient jazz, improvised music« ein. All das trifft eigentlich sehr gut, was man von dieser LP zu erwarten hat, obgleich der Schwerpunkt auf dem leicht melancholischen Pop-Jazz-Aspekt liegt. Das irreführend vage Cover ist das Geschmacksunsicherste an »KARASHO« und weckt leider falsche Erwartungen. Mørks Debüt ist gar nicht so dunkel, wie uns der Name und das bizarre Design glauben machen wollen, und die rund dreißig Minute starke Platte ist keine One-Man-Show, sondern präsentiert eine reizvoll erzählerische junge Band, der einiges zuzutrauen ist, wenn sie die gemeinsamen Stärken weiter auslotet – und von der hoffentlich bald mehr zu hören sein wird. (ijb)



Siehe auch:
Ole Jørn Myklebust
Kristian Svalestad Olstad
Øystein Blix

Audio-Link Video-Link



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