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Alle Rezensionen zu Hildegunn Øiseth
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Manana
(2020, Jazzland/Edel 377 925 6)

Manche Produktionen scheinen einfach rundum unter einem guten Stern zu stehen – wie diese hier. Da kommt eine norwegische Trompeterin und Ziegen-hornspielerin(!) aus der, mit Verlaub, zweiten Reihe daher, die wir bisher nahezu übersehen haben. Dabei war sie bei einigen aktuellen Produktionen mit von der Partie, etwa bei Frode Haltlis hochgelobtem »AVANT FOLK« von oder bei Cæcilie Norbys »SISTERS IN JAZZ«-Projekt. Zuvor war sie aber auch Ensemblemitglied bei Marilyn Mazur und größeren Formationen wie der Bohuslän Bigband und hat darüber hinaus auch ihre eigenen, oft weltmusikalischen Fäden gesponnen.

Nun zieht sie uns gleich mit ihren ersten Tönen in ihren Bann. Dazu bildet das mit Abstand prominenteste Quartettmitglied Per Oddvar Johanssen am Schlagzeug und an der »singenden Säge«(!) mit Bassist Magne Thomodsæter eine ebenso eng verzahnte wie frei- und feingeistige Rhythmusgruppe, Pianist Espen Berg ergänzt dieses mehr als solide Fundament mit den passenden Harmonien und Läufen. Doch damit nicht genug: Eingefangen wurde das Geschehen in einem ausnehmend klaren und präzisen aber dennoch warmen Sound. Verblüfft liest man in den Credits: »Bauer Studios« steht da. Wann hat man je eine Jazzland-Produktion aus Ludwigsburg gehört?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Eigentlich ist es überhaupt nichts Neues, was hier zur Aufführung kommt. Øiseths Ton erinnert phasenweise an jenen des Franzosen Erik Truffaz, freilich bevor dieser die falsche Abzweigung nahm und seither auf Autopilot in Richtung Belanglosigkeit fährt. Dann wiederum mag man bei ihr Anklänge an die großen norwegischen Trompeten-Ikonen hören. Mit diesem Quartett aber präsentiert sie uns einen hervorragend produzierten zeitgenössischen Jazz, der auch im Katalog des Münchner ECM-Labels eine mehr als gute Figur machte – auch klanglich – womit sich auch der Kreis zum Tonstudio Bauer wieder schließt. Auch ohne Innovations-Anspruch ist diese Aufnahme herausragend, einfach weil alle Akteure stets im richtigen Moment genau das Richtige tun und die aufgestellten Fallen mühelos umgehen. So werden Sie vielleicht gedacht haben: »Oh je – Ziegenhorn und singende Säge...«, und Ihre Befürchtungen werden sich noch steigern, wenn Sie erfahren, dass die Leaderin im Titelsong obendrein singt. Doch gerade dieser ist einer der schönsten auf einem insgesamt ganz wunderbaren Album. Grandios. (stv)



Siehe auch:
Per Oddvar Johansen
Espen Berg Trio
Frode Haltli
Boshuslän Big Band

Hildegunn Øiseth: Manana

Offizielle Website

Die CD »Manana« war »CD des Monats« im Monat 4 / 2020.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Oh ja, ich finde auch, dass Hildegunn Øiseth hier ein richtig gutes Album gelungen ist, mir gefällt auch ihr Ton auf der Trompete und die Band klingt sehr gut zusammen. Eine würdige CDM also – und zu den Kuriositäten: Ziegenhörner mag ich schon seit Karl Seglem, und eine Singende Säge habe ich selbst im Keller – die hole ich gleich mal rauf!
Tim Jonathan Kleinecke

Wie du mir bereits geschrieben hattest, hatte auch ich erstmal nicht viel erwartet, aber ich muss sagen, schon bei den ersten beiden Stücken ist man fast überwältigt von der Feinheit und Poesie dieser CD. Klingt echt, als wäre es eine ECM-Produktion.
Ingo J. Biermann

An Karl Seglem dachte ich natürlich auch gleich. Allerdings ist dies hier eine ganz andere Baustelle... Eine ganz wunderbar leise und intensive Scheibe.
Leif Haugjord


Eva-Maria Vochazer

Offizielle Website      http://hildegunn.com

   

Valencia
(2013, Losen Records/New Arts International LOS121-2)

Auf dem Cover steht der Name der Chefin groß über den drei Sidemen, doch das dritte eigene Album der aus dem ostnorwegischen Hedmark stammenden Trompeterin Hildegunn Øiseth ist ein glanzvolles Quartettwerk. Daher sollen ihre drei schwedischen Mitmusiker, Pianist Tommy Kotter, Bassist Peter Janson und Schlagzeuger Anders Kjellberg, die während der 1990er Jahre mit ihr Bohuslän Big Band spielten, ausdrücklich erwähnt sein, zumal die neun Stücke der CD zu nahezu gleichen Teilen von allen Musikern beigesteuert wurden. Und auch Studio- und Labelchef Odd Gjelsnes darf nicht unterschlagen werden, spielte er doch eine entscheidende Rolle, da sein Studio Barxeta in Reichweite des spanischen Valencia titel- und stimmungsgebend waren.

Klar, welcher Musikfan denkt da nun nicht an Miles Davis' »Sketches of Spain«? Doch lassen wir diese alte Scheibe im Regal stehen und lauschen dem ganz gegenwärtigen Traditionsjazz von Hildegunn Øiseth, die mühelos einen klanglichen Brückenschlag zwischen ihrer nordischen Herkunft und dem südländischen Aufnahmeort schafft. Fast dialogisch wechseln nachdenklich melodische Stücke und schwungvollere Passagen, mit nicht direkt hektischer, vielmehr kantenreicher und rhythmusverliebter Farbe. Selbst das Piano pflegt vorwiegend diesen frischen Modus. Mit »VALENCIA« empfiehlt sich die weitgereiste, zurückhaltende Musikerin als markante Trompetenstimme der skandinavischen Jazzwelt. (ijb)



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