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Alle Rezensionen zu Ísafold Kammersveit (Chamber Orchestra)
(Genre »Klassik«, Land »Island«)

 

Sørensen, Takemitsu, Schönberg, Tómasson
(SACD, 2006, 12 Tonar 12tk002)

Keine Überraschung, dass das junge isländische Kammerorchester für seine erste CD eine alles andere als gewöhnliche Auswahl getroffen hat, als deren verbindendes Element sich etwas getrübte, zwielichtige Stimmungsbilder, teils mit Naturbezug, ausmachen lässt. Die beiden skandinavischen Komponisten, Bent Sørensen aus Dänemark und Haukur Tómasson aus Island, sind jeweils bereits Träger des Musikpreises des Nordischen Rates (Nordic Council Music Prize). Wenn Sørensens »Weeping White Room«, das hier seine Ersteinspielung erlebt wie nahtlos in »Tree line« des berühmten, früh verstorbenen Japaners Toru Takemitsu gleitet, lässt sich das kulturverbindende Moment von (auch) zeitgenössischer Musik unmittelbar erfahren.

Diese raffinierte Verbindung der beiden je rund zehnminütigen Kompositionen setzt sich dann sogar im rätselhaft dahinschwebenden von Schönbergs »sechs kleinen Klavierstücken« fort, obgleich diese aus dem Jahre 1911 rühren. Bernhard Wulffs Kammermusik-Arrangement dieser sechs Vignetten findet hier ebenfalls seine Ersteinspielung. Schrittweise wird das Programm so aus dem Ungreifbaren und Abstrakten über japanisch-exotische Naturmystik und dann zum mit heutigen Ohren fast konventionellen Ursprung der Modernen Musik geführt. Den Abschluss bildet dann das rund 25-minütige »Par« (»Paar«) schrieb Tómasson auf Anfrage des Ensembles. Es besteht aus den beiden Sätzen »Ort« und »Reise« und scheint wiederum inspiriert von isländischen Landschaften. Ein wahrlich anspruchsvolles Werk, schon allein für die Interpreten, doch bedauerlicherweise nicht ganz so schillernd und faszinierend wie die vorigen drei. (ijb)



Siehe auch:
Elfa Rún Kristinsdottír
Daníel Bjarnason
Anna Thorvaldsdóttir
Bent Sørsensen Chorwerke

 Ísafold Kammersveit (Chamber Orchestra): Sørensen, Takemitsu, Schönberg, Tómasson

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.12tonar.is

 

all sounds to silence come
(SACD, 2008, 12 Tonar 12tk003)

Die Musiker des hinreißenden Ísafold Kammerorchesters haben sich neben der Arbeit im Ensemble größtenteils auch als Solisten oder zumindest in anderen kleineren Gruppen ein Renommee erspielt. Ihr zweites gemeinsames Album (und das bislang wohl letzte) macht es dem Publikum nur unwesentlich leichter als das Debüt. Während die Auswahl der Komponisten diesmal einen Schwerpunkt auf Russland bzw. den sowjetischen Staatenbund im weiteren Sinne (Schnittke, Denisov, Pärt, Smirnov, Strawinsky) legt, entschieden sich Ísafold (wie sie sich hier auf dem Cover nennen) vorwiegend für eher kürzere Werke. Dazu gibt es einen Höhepunkt ausgerechnet mit einem gerade mal vier Minuten kurzen Stück eines deutschen Komponisten: Wolfgang Rihms »Cantus firmus - in memoriam Luigi Nono« aus dem Jahre 1990 wird eingerahmt von Schnittkes angemessen sperrigem »Canon in memoriam Igor Stravinsky« (1971) und Edison Denisovs »Epitaph« (1983), ebenfalls ein »in memoriam«, hier zum zehnten Jahrestag des Mords an dem chilenischen Präsidenten Allende.

Ein weiteres Werk, das Zeit thematisiert, Arvo Pärts »Fratres« aus dem Jahre 1977, ist von allen hier vertretenen Stücken sicherlich das allseits bekannteste und dürfte am ehesten als Attraktionspunkt der CD fungieren. Die Interpretation ist ein wenig verhuscht und vielleicht zu romantisch, schenkt dem bis dahin düsteren Programm allerdings eine schöne beruhigende Note. Die Stimmung bleibt getragen, wird indes wieder ein wenig spröder mit Denisovs Schüler Dimitri Smirnov und dessen geisterhafter »Elegy in memory of Edison Denisov« (1997), bevor Ísafold-Mitgründer und -Leiter Daníel Bjarnason seine eigene, der CD den Titel gebende Komposition »all sounds to silence come« dirigiert, welche rund ein Drittel der Gesamtspielzeit füllt und sichtlich als Kulminationspunkt anlgelegt ist. Bjarnason pflegt hier seinen etwas epigonalen postmodernen Stil, und so gelingt es dieser an sich recht interessanten Arbeit nicht wirklich, aus dem großen Schatten der Russen (und Wolfgang Rihms) zu treten. Weitaus stärker wurde Bjarnasons Œuvre mit seinem etwa später ebenfalls mit dem Ísafold Kammerorchester entstandenen Porträtalbum »Processions«.

Das Ensemble ist hervorragend und ihre beiden ambitionierten CDs auch nach Jahren noch eine (Wieder-)Entdeckung wert. (ijb)

 Ísafold Kammersveit (Chamber Orchestra): all sounds to silence come

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.12tonar.is



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