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Alle Rezensionen zu Building Instrument
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Building Instrument [untitled first album]
(2014, Hubro/Grappa HUBROCD2541)

Der Band- oder Projektname ist schon mal sehr eigenartig; und auch das Cover in seiner schlechten Bildauflösung und mit dem Hubro-typisch nach nichts aussehendem Motiv ziehen wenig Aufmerksamkeit auf sich. Da erinnert sich der eine oder andere womöglich an Mari Kvien Brunvolls Solodebütalbum, obgleich dort mehr Geheimnis durchs unscheinbare Cover wehte. Wenn die in Bergen lebende Musikerin beim dritten Lied »Kanskje« dann als Sängerin auftritt (vorher schwebte ihre Stimme bereits als »built instrument« durch die mysteriösen Stücke), erinnert sie ein wenig an die junge Björk, schreibt zugleich das introspektiv-skizzenhafte Liedgut ihres Debüts fort — nur dass dieses Album im Trio entstand, daher ein wenig üppiger instrumentiert wurde und von Brunvoll im Interview explizit als Zusammenspiel dreier unterschiedlicher Persönlichkeiten und Geschmäcker bezeichnet wird.

Dennoch: Mari ist die vorherrschende Stimme dieser CD, nun in ihrem Molde-Heimatdialekt, und diese hätte locker als ihr zweites Soloalbum durchgehen können, zumal ihre Mitmusiker Åsmund Weltzien (Synths, Electronics, Melodica) und Øyvind Hegg-Lunde (Schlagzeug, Percussion) im Wesentlichen als raffinierte Backingband der Sängerin, Text-/Melodieautorin und Multiinstrumentalistin in Erscheinung treten. Letztlich geht »BUILDING INSTRUMENT« als organische Fortsetzung von Maris Jazzland-Debüt Hand in Hand mit dem zeitgleich veröffentlichten, ebenfalls unbetitelten Hubro-Album ihres Duopartners Stein Urheim, das in ganz ähnlicher Weise unaufdringlich, aber im Detail komplex und gewandt diese neue musikalische Sprache zwischen indie-folkig, post-minimal und improvisiert jazzig spricht. (ijb)



Siehe auch:
Mari Kvein Brunvoll
Stein Urheim & Mari Kvien Brunvoll
Erlend Apneseth Trio
Stein Urheim

 Building Instrument: Building Instrument [untitled first album]

Audio-Link

   

Mangelen Min
(2018, Hubro/Grappa HUBROCD2608)

Dass sich Building Instrument für ihr drittes Album den Titel »Mein Mangel« ausgesucht haben, überrascht dann doch ein wenig. Haben sie eingesehen, dass ihre Songs zu wenig Prägnanz und Pop-Appeal haben und die ersten beiden Alben deshalb unter ihren Möglichkeiten blieben? Gesteht Sängerin Mari Kvien Brunvoll damit ein, dass es ihr an den Popstarqualitäten ihrer großen Schwester Ane Brun(voll) mangelt? Vielleicht auch nichts dergleichen, und der Titel bleibt (»just kidding«) ein Rätsel für die Hörerschaft.

Denn das Trio zwischen fragilem Folkpop und improvisierter Kammerkunstmusik macht nämlich mit diesem im Januar 2018 komplett improvisierten (Brunvoll fügte im Mai zu Hause noch die vokalen Elemente hinzu) Album nicht viel anders als zuvor: Sie kombinieren Synths, Samples (Omnichord) und Elektronik mit Schlaginstrumenten und Zither zu ihrer ganz eigenen, seltsam entrückten Songwelt, die somit natürlich auch irgendwie den Klischees entrückter Norweger entspricht. Und doch fällt auf, dass einige dieser 12 Lieder nun etwas mehr Pop-Appeal haben als die merklich im Improvisierten steckengebliebenen der Vorgänger-CDs. Einen Mangel braucht man ihnen daher also nicht anzukreiden, denn Album Nummer drei zieht einen wunderbar in seinen eigenen, charmanten Bann. (ijb)



Siehe auch:
Erlend Apneseth
Björk

   

Kem som kan å leve
(2016, Hubro/Grappa HUBROCD/LP2561)

Auf dem zweiten Album sind Bandchefin Mari Kvien Brunvoll und ihre Begleiter Åsmund Weltzien (Synths & Elektronik) und Øyvind Hegg-Lunde (dr, perc) mehr zur organischen Einheit geworden als noch auf dem unebenen Debüt. Ein eher raues, räumliches Live-Gefühl prägt die sechs Songs: Erläutert wird, dass die Platte über zwei Jahre hinweg entstand und schließlich im Rahmen eines Kurt-Schwitters-Auftragswerks im September 2015 im Henie-Onstad- Kunstzentrum kulminierte. Aufgenommen wurde live über fünf Tage hinweg, ob vor Publikum ist nicht überliefert, aber doch anzunehmen.

Schwitters' Cut-and-Paste-Methode habe die drei Musiker inspiriert und sich hervorragend mit ihren bisherigen Arbeitsprozessen verbunden. Wer jedoch nun eine wirklich freie Musik wie auf anderen Hubro-Alben der letzten Jahre erwartet, wird indes ein wenig enttäuscht. Maris häufig in Fantasiesprache hinübergleitenden Texte sind ohnehin nur durch Mitlesen verständlich (bzw. erahnbar), wodurch die Musik etwas Schamanistisches bekommt. Ein kurzes Album im Niemandsland zwischen Indie-LoFi-Pop und Alternative Folk, unaufdringlich und flüchtig wie ein Windhauch. (ijb)



Siehe auch:
Henie Onstad Kunstsenter



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