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Alle Rezensionen zu Helena Tulve
(Genre »Klassik«, Land »Grenzgänger«)

 

Helena Tulve: Arboles Iloran por Iluvia
(2014, ECM/Universal ECM New Series 2243)

Man kann es Manfred Eicher kaum hoch genug anrechnen, dass er nach wie vor engagiert ist, neben all den ECM-Altstars stetig junge Talente zu verlegen und so deren internationale Bekannt- und Beliebtheit signifikant zu erweitern. Und dass er, als mittlerweile älterer Herr, der sich ein einfaches Dasein mit sicher mehr als genug Liveaufnahmen von Keith Jarrett im Schrank oder weiteren Alben seines Künstlerstamms machen könnte, gerade auch jüngeren Komponistinnen und Musikerinnen eine Bühne verschafft – weil sie gut sind, nicht ihres Geschlechts wegen – ist gleich nochmal hervorzuheben. Aktuell erschienenen Duoalben von Vilde&Inga und Maurseth/Nordli stehen starke CDs der ECM New Series von etwa Zsófia Boros und Dobrinka Tabakova gegenüber, und nun auch das zweite Porträt der Komponistin Helena Tulve (geb. 1972), nach den Herren Eller, Tormis, Pärt und Tüür jüngste estnische Generationsvertreterin von Weltrang.

Lange mussten Liebhaber ihres Schaffens warten, bis diese bereits 2009/2010 mitgeschnittenen Aufnahmen in CD-Form veröffentlicht wurden. Die fünf Werke bilden nach dem nur in Estland erschienen »SULA« (2005) und dem ECM-Debüt »LIJNEN« (2008), beide vorrangig instrumentaler Natur, sozusagen Tulves ätherische Vokal-Kollektion. Das macht das Programm merklich weniger unmittelbar greifbar – was schon relativ zu verstehen ist. Radikaler als bisher setzt Tulve auf außermusikalische Bezüge, auf Textmaterial Grenzen und Zeiten übergreifender Herkunft, und sie tut selbiges vor allem auch in musikalischer Hinsicht. Deutliche Einflüsse »Alter Musik« verbinden sich mit der Avantgarde zu Beginn des 21. Jahrhunderts, aber so elegant und bruchlos, dass man nie auf die Idee käme, von Stückwerk zu sprechen.

»silence/larmes« evoziert etwa Wolfgang Rihms zersprungene »Hölderlin-Fragmente«, lässt jedoch in bald metaphysischer Weise die in der Vorklassik renommierte Sopranistin Arianna Savall über ein Haiku der Äbtissin Immaculata Astre im Duett mit Riivo Kallasmaas Oboe ringen, spukhaft von Gläsern und Windspiel umkreist. So verrätselt wie der Text ist die eindringliche Musik, Stile und Zeitwahrnehmung ausdehnend. Vergangenheit und Moderne greifen auch ineinander, wenn die Vox Clamantis jemenitische Poesie aus dem 17. und Sufi-Mystik aus dem 12. Jahrhundert interpretieren, in Verbindung mit traditionellen Instrumenten wie der Nyckelharpa (Schlüsselfiedel). Einen adäquaten Titel trägt schließlich das fulminante Orchesterstück »Auslöschung der sichtbaren Dinge«. (ijb)



Siehe auch:
Arianna Savall & Petter Uddland Johansen
Erkki-Sven Tüür
Vox Clamantis: Arvo Pärt
Marco Ambrosini

Helena Tulve: Helena Tulve: Arboles Iloran por Iluvia



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