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Alle Rezensionen zu Bel Canto
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

White-Out Conditions
(1987, Crammed Discs CRAM 057 CD)

»Whiteout« ist nicht nur der Zustand in den nordischen Bergen, wenn Schnee und Wolken zu einer einzigen weißen Masse verschmelzen, sondern auch Tipp-Ex, ein Korrekturmittel. Bel Canto scheint mit dieser Platte auch etwas korrigieren zu wollen – den glamourösen, bunten Zustand des 80er-Pop nämlich. So düster, klanglich spröde und melancholisch die Tracks sind: Sie bieten, von heute aus gesehen, einen wunderbaren Trip in die Schattenseiten des grellen Jahrzehnts. Ein bisschen nach Mobys spacigen Ausflügen klingt zum Beispiel »Capio« voller verhallter Orgeln. Immer wieder dringt eine verschrobene, stark stilisierte Ethnizität in die Songs ein, in den Synthies von »Kloeberdanz«, in die künstlichen Ritual-Tempel-Trommeln von »Baltic Ice-Breaker« zum Text »Winter, the season of death«.

So ein bisschen Dark Wave ist das schon, aber ebenso viel Jean-Michel Jarre. Anneli Dreckers Akzent bringt ein bisschen Witz in die Melancholie; ihre kalte, fast gleichgültige Stimme jedoch trägt die dunkle Symphonik bestens, wunderschön etwa im Titeltrack »White-out Condition«. Ein stochernder und pochender Drum-Computer mit diesem ganz speziellen, direkten und doch wattigen Sound der 80er beschließt das unfröhliche Album – und doch: Wenn ich mir eine Platte dieses seltsamen Jahrzehnts in den Schrank stelle, dann wohl diese. (sep)



Siehe auch:
Anneli Drecker
Ketil Bjørnstad
Geir Jenssen
Ketil Bjørnstad, Anneli Drecker, Lars Saabye Christensen

 Bel Canto: White-Out Conditions

   

Magic Box
(1996, Lava 92617-2)

Für die musikalisch eher unmöglichen 90er ist »MAGIC BOX« eigentlich eine überragende CD. Trotzdem – die zu deutliche Glätte und manchmal arg dancefloorigen Beats klingen nett, aber gehen nicht ans Herz. Trotz Gastauftritte von Trompeter Nils Petter Molvær, Bassist Jah Wobble und Can-Drummer Jaki Liebezeit.

Dabei sind die Arrangements voll von verschrobenen Einfällen; Ethno-Einsprengsel aus Afrika, Indien und Arabien sowie eine zwischen Jimi-Tenor-Bigband und Techno-Software schwankende Instrumentierung wirken vielversprechend. Aber die oft kühl-unmelodischen Songs bleiben nicht hängen, sondern ziehen von Beats getragen vorbei; auch Anneli Drekkers biegsame Stimme setzt keine Widerhaken. Bei »Sleepwalker« funktioniert das wunderbar, die Samples von »Freelunch« oder Gitarren bei »Kiss of Spring« lassen ebenfalls kurz aufhorchen. Doch das reicht nicht. (sep)

   

Birds Of Passage
(1990, Crammed Discs/EfA CD-07583)

Inzwischen weiß kaum jemand noch etwas mit Bel Canto anzufangen – damals in den Neunzigern immerhin neben A-ha die hierzulande wohl bekannteste Band aus Norwegen. Ähnlich wie die Cocteau Twins und Dead Can Dance fabrizierten sie melancholische, oft etwas mittelalterlich tönende Soundscapes. Ihren »Kammer-Pop« erzeugten sie überwiegend auf Synthesizern, Sequencern und Drumcomputern, addierten jedoch auch Orchester und Folklore-Instrumente. Hauptsache sphärisch.

Mit ihrem zweiten Album »BIRDS OF PASSGE« lieferten Anneli Marian Drecker, Nils Johansen and Geir Jenssen – unterstützt von etlichen Gastmusikern – ihr Meisterwerk ab: Geboren in einer Zeit, wo Depeche Mode, Gary Numan und Brian Eno die Möglichkeiten der Synthesizer ausloteten und stellenweise durchaus mit diesen vergleichbar, entführte dieses Kultalbum in Traumwelten, ohne auf eskapistische Flucht abzuzielen. (peb)



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