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Alle Rezensionen zu Else Marie Pade
(Genre »Avantgarde«, Land »Dänemark«)

 

Electronic Works 1958-1995
(2 CDs, 2014, Important Records IMPREC406, auch 3LPs)

Im hohen Alter von 90 Jahren war sie noch aktiv, und es schien, als ob sie gerade erst so richtig (wieder-)entdeckt worden wäre, von den jüngeren Kollegen der elektronischen Avantgarde. Was so natürlich nicht ganz stimmt, wurde Else Marie Pade doch bereits in den frühen 1950er Jahren von Karlheinz Stockhausen und Pierre Schaeffer »entdeckt« und gefördert. Mit beiden freundete sie sich an, was wechselseitige Inspiration nach sich zog. 1952 hörte sie Pierre Schaeffer in der dänischen Radiosendung »Horizonte« über die Musique Concrète sprechen und wusste sofort, dass in diesen Theorien ein Schlüssel zu ihrem eigenen Klanguniversum lag. Sie packte ihre Taschen und reiste nach Paris, um Schaeffer zu treffen.

Wenige Jahre zuvor, 1944, war die damals 20-Jährige noch brutalen Verhören der Gestapo ausgesetzt gewesen und in ein Kriegsgefangenenlager gesperrt worden, weil sie im Zweiten Weltkrieg in der dänischen Widerstandsbewegung aktiv gewesen war, der einzigen rein aus Frauen aufgestellten. Auch wenn sie noch in Kriegsgefangenschaft ihren späteren Ehemann Henning Pade kennenlernte und bald drauf heiratete, fügte sich Else Marie Pade nie in die damals gesellschaftliche Frauenrolle ein, sondern zählt in Dänemark zur allersten Riege der Avantgarde-KomponistInnen, die damals »Neue Musik« miterfanden. Sie studierte zwar erst einmal Klavier am Königlichem Musikkonservatorium in Kopenhagen, doch bekannt und einflussreich wurde sie für elektroakustische Werke, wie etwas später beispielsweise Arne Nordheim und Sigurd Berge in Norwegen. Einen ebenso respektvollen wie informativen Text über die Künstlerin schrieb der gut 30 Jahre jüngere, mittlerweile ebenfalls stilbildende schwedische Komponist Carl Michael von Hausswolff für dieses 2CD- bzw. 3LP-Set.

Der Titel »Electronic Works 1958-1995« ist ein wenig irreführend, da die Stückauswahl sich auf die Jahre 1958, 1960 und 1962 beschränkt und nur ein Werk von 1995 vorhanden ist. Der dänische Klangküngstler Jacob Kirkegaard (geb. 1975), der vor ein paar Jahren selbst ein Duoalbum mit Pade aufgenommen hat, übernahm 2014 in Berlin das Remastering, weshalb die Stücke erstaunlich gut klingen. Doch muss man sich auf monotone und mittlerweile arg antike synthetische Sounds einstellen.

»Die meisten Leute in Dänemark haben eine altmodische Meinung, selbst junge Leute, denn sie beziehen sich häufig auf Romantische Musik und sprechen über Handwerk und Kunstfertigkeit. Doch ich denke dann: na und? Handwerk hat mit Musik nichts zu tun,« sagte Else Marie Pade im Interview im englischen Musikmagazin The Wire: Adventures in Moden Music im August 2013. Am 18. Januar 2016 starb die »Großmutter der dänischen elektronischen Musik« im Alter von 91 Jahren in Kopenhagen. (ijb)



Siehe auch:
EMP RMX 333
Arne Nordheim
Jacob Kirkegaard
CM von Hausswolff

Else Marie Pade: Electronic Works 1958-1995

Audio-Link



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