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Alle Rezensionen zu Eivind Buene
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Eivind Buene: Possible Cities / Essential Landscapes
(SACD, 2012, 2L/Musikkoperatørene 2L-083-SABD, 2 Discs)

Das in seiner Größe variable Ensemble CIKADA existiert seit bereits 25 Jahren und kann eine stattliche Liste ebenso renommierter (Nordic Music Prize 2005) wie herausfordernder Plattenveröffentlichungen, auch auf verschiedenen Labels, vorweisen. Mit dem in der Osloer Musikszene vielseitig aktiven und musikalisch ungemütlichen Eivind Buene (1973 in Oslo geboren) kommt die zehnköpfige Cikada-Gruppe unter Leitung des ebenfalls seit Jahrzehnten abenteuerlustigen Christian Eggen kongenial zusammen. Buene schrieb zwischen 2005 und 2009 den Zyklus füür kammermusikalisches Ensemble »Possible Cities / Essential Landscapes« im Auftrag von Cikada und dem Ensemble Intercontemporain.

2L wiederum stehen bekanntlich selten für zeitgenössische Komposition jenseits tonaler Knventionen und setzen für gewöhnlich andere Schwerpunkte als derartige »Neue Musik«. Doch wenn Lindberg und Co. sich so für etwas engagieren, darf auch die Ohren öffnen, wer sonst eher weghört. Flöte, Klarinette, Schlagwerk, Piano und Streicherquintett führen uns durch eine komplexe Kompositionsarchitektur, die für norwegische Verhältnis reichlich ungewöhnlich, Bilder von urbanem Verfall, dunkle Gassen und teils chaotische Industrie evoziert. Dieser »Urban Jungle« ist mitunter schwer zu durchdringen und wird selbst von Label und Komponist als aktive Mitwirkung einfordend beschrieben, jedoch ebenso als Einladung für neue (Hör-)Erfahrungen für den städtischen und damit musikalischer Wanderer.

Denn zwischen den Ruinen und Architekturen tritt ein Netzwerk menschlichen Erfindungsreichtums und die Kräfte der Zeit hervor - und somit bald eine verführerische Logik inmitten des scheinbaren Chaos. Ja, und Buene möchte uns so auch an die Natur zurückführen. Das ist zwar ein großer Schritt, den nicht jeder Hörer gleich mitgehen wird. Am besten lässt man sich ganz frei von den Bildern, die im Kopf entstehen, assoziativ mitnehmen, wenn man, gerade als Deutscher, es schafft, die erst einmal abstrakten und leidlich poetischen, manchmal auch nervenzerrenden bis rabiaten sieben Sätze, die das Fragmentarische und Kantige beherzt als Erfahrungsraum stehen lassen. (ijb)



Siehe auch:
Cikada Duo: Nordheim
Christian Eggen & Bodø Sinfonietta: Rolf Wallin
Christian Eggen & John Cage in Norway 1983
Cikada Ensemble: Laurence Crane

Eivind Buene: Eivind Buene: Possible Cities / Essential Landscapes

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.buene.com

 

Eivind Buene: Garland
(2017, Aurora/Naxos ACD 5085)

Als vielseitiger Urheber zeitgenössischer Kompositionskunst ist Eivind Buene nicht unbedingt der erste, von dem man ein ganzes Album mit Werken für Kammerorchester erwartet. Auf LAWO erschien zuletzt ein herausfordendes, sperriges Opus für das Trio Poing und das Norwegische Blasinstrument-Ensemble in sieben Sätzen. Aurora zieht nun nach mit dieser Zusammenstellung von vier jeweils 12 bis 17 Minuten langen Stücken aus den Jahren 2003, 2004 und 2007, zwei von ihnen Auftragswerke des Ensembles.

Der Komponist schreibt selbst, »Langsam und schmachtend« (der Originaltitel ist in deutscher Sprache) sei 2003 das erste Mal gewesen, dass er in Dialog mit der Tradition der Klassischen Musik getreten sei und sich von dem »hyperaktiven Gestikulieren« entfernt habe, das seine »ersten Werke« charakterisiert habe, »ein Versuch, langsame Musik zu schreiben«. Gleichwohl legt das Stück mit nervöser, aufgebrachter Atmosphäre los, bevor es sich zunehmend zum »schmachtenden« Zitieren, Erinnern, Verträumten hin bewegt und mit einem Wiegenlied (für seine während der Entstehungszeit geborenen Tochter) entwickelt. Hier tritt Buene wahrlich in einen angeregten und anregenden Dialog mit der Musikgeschichte (eher jener des 20. Jahrhunderts vielleicht als der Klassik) und liefert ebenso hinreißende wie fieberhafte Orchestermusik zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Auch die übrigen drei Werke fügen sich in eine solche Grundstimmung: »Garland« schrieb Buene 2007 für die Birmingham Contemporary Music Group und verankerte es in der Musik der britischen Inseln, die Einfachheit und Melancholie der englischen Renaissance-Musik Matthew Lockes aufgreifend. Zeiten und Geschichten verschränken sich. In »Palimpsest« (2003) greifen Geräuschhaftes und Ruhe, Tonales und Atonales ineinander, und auch hier strebt Buene an, dass wir über Zeit und Zeiten sinnieren, wie auch im abschließenden »Stilleben«, ebenfalls 2007 entstanden, wo er, inspiriert von Don DeLillos Roman »The Body Artist«, über Zeit und Körper(lichkeit) von Musik nachdenkt. Mit einem sehr kraftvollen, transparenten Klangbild (aufgenommen über mehrere Tage hinweg in der Jar-Kirche in Bærum) und Terje Tønnesens versatilem Dirigat werden Buenes Orchesterstücke auch auf dieser CD überaus präsent. (ijb)

Eivind Buene: Eivind Buene: Garland

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.buene.com



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