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Alle Rezensionen zu Mahsa Vahdat
(Genre »Folk«, Land »Grenzgänger«)

 

Traces of an Old Vineyard
(2015, Kirkelig Kulturverksted/Indigo FXCD409)

Dass im Grunde (fast) alle Menschen um die Weltkugel herum an den gleichen Sorgen zu knabbern haben, zeigt sich wohl nirgendwo so offenkundig wie in der Musik. Eigentlich ein verbindender und tröstlicher Gedanke. Und auch ein Blick in die Geschichte der Volksmusik bzw. folk music zeigt, dass es wohl nie anders war. Wenn Sie nun beim norwegischen Traditions-Folklabel KKV auf diese CD stoßen, dürfen Sie sich also ganz zu Hause fühlen. Freilich sollten sie darauf gefasst sein, dass Altmeister Erik Hillestad mit »TRACES OF AN OLD VINEYARD« keine skandinavische Traditionsmusik produziert und veröffentlicht hat. Doch wenn eine Institution wie Hillestad den Blick öffnet, wollen wir ihm dabei doch auch diesmal allzu gern folgen.

Die zwölf Lieder dieser im September 2014 in Oslo aufgenommenen CD wurden von Tord Gustavsen arrangiert und maßgeblich an Piano, Synth-Bass und Elektronik begleitet. Neben dem bekannten ECM-Pianisten spielen Shervin Mohajer die persische Stachelgeige Kamāntscheh und Ali Rahimi die Perkussion. Kopf und Herz sind jedoch die gefeierte iranische Sängerin Mahsa Vahdat und ihre Melodien, die sie nach klassischen Dichtern ihres Heimatlandes schrieb — Rumi, Hafez und Khayyam. Das ergibt eine durchweg universelle und doch zeitgemäß persische Musik, zu der uns der Zugang nie schwer fällt. Gustavsens reduzierte Arrangements tun den Melodien gut, doch Mahsas durchweg sehr getragener Tonfall erzählt von eindringlicher und etwas zu einheitlicher Melancholie, weshalb jede jazzige musikalische Wendung eine willkommene Auflockerung aus der sehnsuchtsvollen Wehmut bietet. (ijb)



Siehe auch:
Tord Gustavsen & Simin Tander
weitere KKV-Grenzgänge zwischen Norwegen und Nahost
Kronos Quartet, Mahsa & Marjan Vahdat
Tania Saleh

Mahsa Vahdat: Traces of an Old Vineyard

   

Enlighten The Night
(2020, Kirkelig Kulturverksted/Indigo FXCD469)

Auch diesmal hat sich Mahsa Vahdat wieder von Tord Gustavsens emotionalem Klavierspiel begleiten lassen; die Arrangements allerdings hat der Norweger diesmal nicht übernommen, sie stammen von Atabak Elyasi, der mit der Sängerin eine enge Zusammenarbeit einging (weshalb er als einziger im CD-Design mit einem Portrait abgebildet wurde) und die Musik gemeinsam in Tehran, Oslo und anderen internationalen Städten erarbeitete. Wie gehabt nahm sich Mahsa Vahdat verschiedener Gedichte ihrer Heimat an und schrieb Melodien zu ihnen. Im Juni 2018 wurde von Martin Abrahamsen in Oslos Jakob-Kulturkirche aufgenommen, neben Gustavsen spielen wieder Folk- und Jazzbassist Gjermund Silset (Mari Boine, Ola Bremnes, Karl Seglem, Kristin Asbjørnsen) und Shervin Mohajer auf der persischen Kamāntscheh sowie Schlagzeuger Kenneth Ekornes (Føyk, Batagraf, Skruk) mit.

Bemerkenswert ist, dass »ENLIGHTEN THE NIGHT« von ihrem langjährigen Label KKV groß als Mahsa Vahdats zehntes Album angepriesen wird – dabei sind allein auf der KKV-Labelwebseite bereits mindestens elf vollständige Album-CDs der iranischen Sängerin aufgeführt, jeweils mit ihrem Namen auf dem Cover – und in stets wechselnden Zusammenarbeiten. Daher wundert man sich ein wenig, welche CDs nun nicht zu gelten scheinen. Aber sei's drum: Auch diese ist wieder einmal ganz großartig, sicherlich eine ihrer besten (was bei ihrer famosen Diskografie ein wenig schwer zu bestimmen sein dürfte). Die Lieder handeln von Hoffnung, und es ist nach wie vor schwer zu glauben, dass ein Land wie Iran Sängerinnen wie ihr noch immer die Stimme verweigert und sie dazu zwingt, ihrer Kunst im Exil nachzugehen. (ijb)



Siehe auch:
Gjermund Silset
Føyk
Batagraf
Mari Boine

   

The Sun Will Rise – A Cappella
(2016, Kirkelig Kulturverksted/Indigo FXCD422)

Nach der hinreißenden CD mit Tord Gustavsen, das ihren Namen neuen Kreisen von Musikfreunden bekannt gemacht hat, ist die Teheranerin Mahsa Vahdat so mutig, nicht einfach auf das bewährte Erfolgsrezept zu setzen. Sie verlässt sich ganz auf ihre starke Stimme und füllt mit ihr verschiedene, quer über Europa verteilte (Aufnahme-)Orte, die somit gewissermaßen zu Duettpartnern werden. Allein mit ihrem Produzent Erik Hillestad begab sich Vahdat in alte Gebäude wie Kirchen und Schlösser: die Alhambra in Granada, die Elisabethkirche in Wrocław (Breslau), die Église Saint-Claude in Sigonce in der Provence und noch einige mehr.

In Norwegen fiel die Wahl auf das 1926 erbaute Vigeland-Mausoleum in Oslo, das mit seinem 20-sekündigen Hall schon anderen Musikern für Konzerte und Aufnahmen gedient hat. Insgesamt nahmen Hillestad und Vahdat 50 Lieder auf, aus denen sie 21 für diese CD auswählten. Die Texte, die sie zu ihren Melodien inspirierten, entstanden quer durchs vergangene Jahrtausend, von Hafez im elften, über Rumi im 13. Jahrhundert, bis hin zu Forūġ Farroḫzād, der bedeutenden iranischen Dichterin und Regisseurin, die 1967 erst 32-jährig bei einem Autounfall starb. Auch ein Lied des schwedischen »Nationaldichters« und Komponisten Carl Michael Bellman (1740-95) wählte Vahdat für ihr Programm aus. Schön, wie hin und wieder Vögel, ferne Schritte und Stimmen, Glocken oder Wasser als natürliche Elemente den reduzierten Gesang bereichern und zum Teil der Musik werden. Mysterien von Räumen und Zeiten. (ijb)



Siehe auch:
Huntsville
Stian Westerhus
Frode Haltli
Marjan Vahdat

Video-Link



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