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Alle Rezensionen zu Jakob Sørensen | Bagland
(Genre »Jazz«, Land »Dänemark«)

 

Bagland
(2015, Jaeger Community 5707471037300)

Aus nicht-dänischer Sicht ist die Wahl des Band- und Albumnamens etwas unglücklich: »Bagland« meint nicht »Taschenland«, sondern ist das dänische Wort für Wahlbezirk oder Wählerschaft; auch nicht gerade ein gewöhnlicher Bandname, doch vielseitig lesbar. Nur kurze Zeit nach dem ungewöhnlichen Trioalbum »ELM« betritt der aus Århus stammende Trompeter mit seinem ersten Album unter eigenem Namen eingängigere Pfade. Das bei »ELM« tonangebende Traditionsbewusstsein findet hier einen anderen Ausdruck, denn dieses sehr melodische, leise melancholische Jazzwerk ist bestrebt, in große Fußstapfen zu treten: wie das Covermotiv und die CD vom ersten Stück an unmissverständlich klar machen, sieht sich Sørensen mit seinem Bagland-Quintett in der Tradition von ECM-Kammerjazz, »Nordic Sound« nennt er das, wie schon bei »ELM«.

»BAGLAND« ist ein schönes, starkes Album, im Landhaus mitten in der Natur auf dem dänischen Einsamkeit geschrieben, und im Gegensatz zum paritätischen »ELM« stammen hier alle Kompositionen von Sørensen. Unterstützt wird er von Gitarre, Klavier, Bass und Schlagzeug (dem »ELM«-Trio plus Bassist Frederik Sakham und Alex Jønsson, der zeitgleich mit einem starken, eigenen Gitarrentrioalbum reüssiert) sowie bei einem Lied von zwei Klarinettistinnen. Gerade in den (bis zu elfeinhalb Minuten) sehr langen Stücken empfehlen sich die fünf Mittzwanziger sich als Stimme, von denen man hoffentlich in nächster Zukunft noch viel hören wird. Also ja: ohne Frage ein schönes und starkes Album in ECM-Tradition. (ijb)



Siehe auch:
ELM
Alex Jønsson
Vulkan
Fabel

Jakob Sørensen: Bagland

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.baglandquintet.com

   

Cirkel
(2019, Jaeger Community JCM030)

Auf seinem dritten Album mit der Formation »Bagland« bleibt sich der dänische Trompeter Jakob Sørensen einerseits treu und geht andererseits doch neue Wege. Geblieben sind der lyrische, ja man möchte sagen »nordische« Gesamtklang, sowie der kammermusikalische, ECM-ähnliche Gestus des Albums, dessen luftige Arrangements das Ensemble kleiner als die tatsächliche Quintett-Größe wirken lassen. Das klingt für einen gerade mal 30-Jährigen erstaunlich reif.

Neu ist dagegen, dass er das Klangspektrum um einige Synthie-Einsprengsel erweitert und seine Trompete auch mal durch den Verzerrer jagt. Das verleiht der Aufnahme zwar gewissermaßen einen modernen Anstrich, lässt den Hörer aber auch etwas zwiegespalten zurück. Denn ein paar eingestreute Keyboard-Arpeggien machen noch lange keinen gelungenen Genre-Mix (und transportieren die Aufnahme keineswegs ins Feld der Electronica, wie uns iTunes das weismachen will) und das mit den Effektgeräten hat man z.B. beim französischen Trompeter- Kollegen Erik Truffaz anfangs der Nullerjahre schon mit wesentlich mehr Verve und Entschlossenheit gehört.

Und so möchte man den sympathischen Dänen auf seinem Weg bestärken, ihm aber noch mehr Mut zum Wagnis oder auch die führende Hand eines versierten Produzenten wünschen. (stv)

   

Nomad
(EP, 2016, Eigenverlag 10" / 5707471045466)

Legt man die wunderbare Platte von Jakob Sørensens Bagland-Quintett auf, so fühlt man sich als Liebhaber nordischer Jazzmusik direkt zu Hause, so sehr, dass man das erste Stück womöglich wiederzuerkennen meint. Doch woher? Die Nähe zu Ästhetik und zum Klang vieler ECM-Aufnahmen aus dem Rainbow Studio legte bereits das Debütalbum der Band nahe, für das der dänische Nachwuchstrompeter 2015 als Jazzmusiker des Jahres seiner Region Nordjütland ausgezeichnet wurde. Bald könnte man sich an Mathias Eicks in ähnlicher Besetzung aufgenommenes Album »Skala« erinnern, und dann versteht man auch, warum Sørensen dem Song den Titel »Eick« gegeben hat.

Ähnlich wie der bekanntere norwegische Kollege ist Sørensen ein feiner Traditionalist. Das geht soweit, dass er seine vier neuen Kompositionen in Form einer hinreißend klingenden Vinylausgabe im Liebhaberformat einer 10-Zoll-Schallplatte veröffentlicht; auf dem Cover ein Motiv des cleveren bulgarischen Künstlers Nedko Solakov (»Romantische Landschaft mit fehlenden Teilen«), Sørensen nimmt seine melancholische Kunst ernst, behält im richtigen Moment jedoch geschickt ironische Distanz. Die zwanzig Minuten lange Platte strahlt eine klassische Aura aus, die Band ist gewachsen und spielt famos und homogen. So bleibt als einziger Wermutstropfen, dass uns letztlich nur ein halbes Album geschenkt wird. Doch lieber intensiv und dicht als zu lang und verwässert; da hat er schon recht, der Sørensen. (ijb)



Siehe auch:
Mathias Eick



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