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Alle Rezensionen zu Kjell Bjørgeengen / Keith Rowe & John Tilbury
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

enough still not to know
(4 CDs, 2015, Sofa 548)

Ein CD-Set von John Tilbury (p) und Keith Rowe (git, electr), »produziert« vom renommierten norwegischen Videokünstler Kjell Bjørgeengen, das weckt erst einmal große Spannung. Wer mit ihrer über Jahrzehnte gewachsenen Zusammenarbeit bereits Bekanntschaft machen konnte, weiß, dass es hier um eine Klangavantgarde geht, die sich nur wenigen Interessierten öffnet – jenen, die bereit sind, sich mit Geduld hinzugeben.

Tilbury und Rowe sind als Duo seit vielen Jahren für ambitionierte und radikal eigenwillige Interpretationen zeitgenössischer Werke bekannt. Mit Bjørgeengen traten sie zuletzt 2014 beim PUNKT-Festival in Kristiansand auf, wo sie eine minimalistische, rund 80 Minuten lange Performance boten, reduziert um eine sich immer wieder wiederholende und neu zusammensetzende Tonaufnahme von Samuel Beckett herum spielend, der ein typisch spät-beckettsches Gedicht vorträgt. Für die einen ein intensiver meditativer Genuss, auch wegen der gleichbleibend dunklen Stimmung, vom hellen Geflicker von Bjørgeengens Live-Video-Arbeit durchzogen, für manchen Sitznachbarn hingegen eine Tortur, wegen der Abwesenheit nahezu jeder gewohnten Entwicklung und Struktur.

Da jene Performance eine großartige CD-Veröffentlichung hermachen würde, ist es umso verwunderlicher, dass die drei älteren Herren nun ausgerechnet die Musik zur Installation »enough still not to know« herausbringen, in Form von vier CDs! Minimalismus wird, das verrät schon Rutger Zuydervelts Design mit den extrem reduzierten Videostills, hier mit sehr großem M geschrieben. Drei CDs lang darf man sich in endlosen Fragmenten von Klavier und verfremdeten elektronischen Sounds ergehen, die zu großen Teilen mehr aus Stille bestehen als eine fassbare Komposition ergeben. John Cage würde Freudensprünge machen.

»How to play with silence«, »wie mit Stille zu spielen ist«, steht treffend im Beiheft. Und: »Die Musik: eine bezwingende Diskontinuität; fragmentarisch; häufig extreme Zerbrechlichkeit (und) voller Anspielungen«. Sicherlich entwickelt die Musik im Ausstellungskontext im Rahmen der Videoinstallation, die man nach Belieben betreten und verlassen kann, einen reizvollen Sog. Fürs Zuhören zu Hause, über Stunden gar, bleibt eine vornehmlich rauhe, sich unablässig verflüchtigende Anti-Ambient-Musik aus vereinzelten Noten und Geräuschen. Oft passiert auch länger mal gar nichts. Bemerkenswert ist jedoch, dass die vierte CD urplötzlich einen anderen Ton anschlägt, viel lebendiger und kontrastreicher. (ijb)



Siehe auch:
Tilbury / Duch / Davies
Rutger Zuydervelt
Mural
Anders Vestergaard & Finn Loxbo

Kjell Bjørgeengen / Keith Rowe: enough still not to know

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://sofamusic.no/releases/index.php?id=548



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