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Alle Rezensionen zu Thomas Strønen | Time Is A Blind Guide
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Time Is A Blind Guide
(2015, ECM 2467)

Thomas Strønen, hier bei Nordische Musik ein stets willkommener und gern gehörter Musiker, ist trotz zahlreicher Bands und Projekte bislang nur Kennern ein Begriff. Zum einen dürfte das daran liegen, dass seine Veröffentlichungen meist eher an den Rändern der Stile und Genres arbeiten, zwischen Frickel-Elektronik und rhythmischem Free Jazz beispielsweise mit vier CDs im Duo Humcrush – oder zwischen Elektroakustik-Jazz und Ambient-Soundscapes mit acht Food-Alben. Zum anderen verschwindet der 42-jährige Schlagzeuger und Elektronik- bastler zuverlässig hinter den Namen der Ensembles.

Der Herbst 2015 könnte dies nun ändern. Denn nicht nur hat Strønen die achte Food-CD »This is not a Miracle« durch ausführliche Studio-Nachbearbeitung zu »seinem« Album gemacht; beim zeitgleich erscheinenden »TIME IS A BLIND GUIDE« steht Strønen gleichwertig neben dem Titel, der – und das geht aus der CD selbst nicht hervor – ebenso als Bandname wie als Titel des Albums fungiert. Die komplett ohne elektronische Elemente spielende Gruppe entstand relativ spontan als Projekt der Begegnung britischer und norwegischer Jazzmusiker, von denen einige auch in zeitgenössischer komponierter Musik aktiv sind. Anfangs gehörte noch Nils Økland zum Septett, doch der Vielbeschäftigte wurde vor dem Besuch im Rainbow Studio durch den jungen Geiger Håkon Aase ausgewechselt.

Keine Überraschung ist, dass Strønens Band einen Fokus auf ungewöhnliche Rhythmen legt — neben ihm spielen noch zwei weitere Perkussionisten mit: Siv Øyunn Kjenstad und Steinar Mossige. Auch wenn »Time Is A Blind Guide« auf den ersten Blick an Jon Balkes Batagraf-Ensemble erinnert, ist dieses Album doch von einem weniger nordischen als vielmehr in die Ferne schweifenden Gestus geprägt: Neben vertrackten polyrhythmischen Passagen fokussiert sich die unerwartet melodische Gruppe mit Cellistin Lucy Railton, Kontrabassist Ole Morten Vågan und Pianist Kit Downes auf eine eher impressionistische Kammermusik, deren gestrichene Passagen immer wieder nah- und fernöstliche Färbungen durchklingen lassen. Wohl produzierte Strønen deshalb gemeinsam mit Sun Chung, dem Sohn des südkoreanischen Dirigenten und Pianisten Myung-Whun Chung. Sun wirkte als Produzent bereits auf den ECM-Debüts von Aaron Parks und Yeahwon Shin. Alles in allem ein faszinierend komponiertes Werk, dem man die Ambition vielleicht ein wenig zu sehr anhört — und das zugleich etwas Luzidität und Prägnanz vermissen lässt. (ijb)



Siehe auch:
Thomas Strønen
Ole Morten Vågan & Thomas Strønen mit Maria Kannegaard
Food
Monsters & Puppets

Thomas Strønen: Time Is A Blind Guide

Video-Link

   

Lucus
(2018, ECM/Universal ECM 2576 | 577 9058)

Nach dem Debut hat Thomas Strønen sein Ensemble »Time Is A Blind Guide« zum Quintett konzentriert. Der Bandleader ist nun der einzige Percussionist, wodurch sich die Musik eher der kammermusikalischen Seite zuneigt denn der rhythmisch orientierten. Und der Improvisation, wie der norwegische Drummer erläutert: Die Kompositionen fungieren auf »LUCUS« eher als Wegweiser denn als in Stein gemeißelte Treppenstufen.

Geblieben sind Håkon Aase an der Violine, Lucy Railton am Cello und Ole Morten Vågan am Kontrabass, aber eine entscheidende Position hat Strønen ausgetauscht: Am Piano sitzt nun Ayumi Tanaka, die sich so genau auf ein paar Aushilfskonzerte vorbereitet hatte und so gut mit der Band harmonierte, dass Strønen keine andere Wahl blieb, als die Japanerin fest in »Time Is A Blind Guide« zu integrieren. Mit grandiosem Ergebnis, ihr Piano ist das musikalische Zentrum dieses Quintetts, dessen Bindeglied zwischen einem gefühlten Streichtrio und einem gefühlten Jazz-Piano-Trio natürlich auch Vågans Bass ist.

Strønen lässt seinen Musikern viel Raum, die Stücke zu entwickeln: Die Melodien scheinen immer wieder bruchstückhaft auf, während vor allem Violine und Piano um Strønens subtile Rhythmen mäandern. Grandios ist das Titelstück mit seinen vielen kleinteiligen Melodien aus wechselnden Zweiton-Sequenzen, die man auch nicht aus dem Kopf bekommt, wenn das Stück schon einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat. »LUCUS« ist ein faszinierendes – und hervorragend klingendes! – Ereignis zwischen zeitgenössischer Kammermusik, Improvisation und nordischen sowie fernöstlichen Sprengseln. (tjk)



Siehe auch:
Ayumi Tanaka Trio
Håkon Aase
Tanaka / Lindvall / Wallumrød
Mathias Eick



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