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Alle Rezensionen zu Anna Maria Friman & John Potter
(Genre »Klassik«, Land »Grenzgänger«)

 

Amores Pasados
(2015, ECM/Universal ECM New Series 2441)

Vor hundert Jahren sei ein Lied einfach nur ein Lied gewesen, jede Musik konnte populäre Musik sein, die man auf der Straße pfiff, beginnt der Tenor John Potter seinen erfrischenden kleinen Essay im Beiheft dieser CD. Nach und nach veränderte sich die Präsentationsform, und erst durch die Überhöhung zum Kunstlied, das man sich nicht mehr selbst zu singen traue, sei die Trennung in Pop- und »ernste« Musik entstanden. Sich das in Erinnerung zu rufen, kann sowohl beim Interpreten als auch beim Publikum produktive Energien frei setzen. Im Œuvre von Manfred Eicher bzw. ECM wie auch in John Potters Schaffen im Speziellen gab es in dieser Hinsicht schon eine Reihe innovativer Alben (besonders empfohlen seien etwa »Il Pergolese« und »If Grief Could Wait«), doch »Amores Pasados« geht noch einen Schritt weiter.

»Neue Lautenlieder neben Originalen aus dem 17. Jahrhundert und Transkriptionen von Liedern englischer Komponisten des 20. Jahrhunderts,« steht erläuternd unter dem Titel. Gemeint ist: Für die CD »Amores Pasados« (»Vergangene Liebschaften«) interpretierten Potter, Anna Maria Friman und die beiden Lautenspieler Ariel Abramovich und Jacob Heringman mit Eicher im Osloer Rainbow Studio nicht nur Lieder von Thomas Campion und Picforth, sowie von Warlock und Housman aus dem frühen 20. Jahrhundert, sondern auch Auftrags-Lautenlieder dreier um 1950 geborener Herren, die man vor allem als prägende Stimmen der progressiven Rockmusik der späten Sechziger- bis frühen Achtzigerjahre kennt: John Paul Jones (Led Zeppelin), Tony Banks (Genesis) und Sting.

Der letztgenannte hat vor wenigen Jahren immerhin ein Lautenalbum im Renaissancestil eingespielt, was vermutlich mit eine Inspiration für dieses stilvolle Projekt war. Stings kunstfertigem »Bury Me Deep in the Greenwood«, 2010 für den Kinofilm »Robin Hood« geschrieben, aber dann doch unveröffentlicht geblieben, hört man denn auch merklich an, dass der Songwriter sich schon länger mit dem auch hier prägenden Werk John Dowlands (1563-1626) auseinandergesetzt hat. Potter und Friman entschieden sich gegen eine allzu kunstliedhafte Darbietung, wodurch die Aufnahme einen beeindruckend epochenübergreifenden Gestus ausstrahlt. Exzellente Interpreten sind beide ohnehin, wie man seit ihren früheren Veröffentlichungen mit den Ensembles Trio Mediæval und Hilliard Ensemble weiß. Gerade dieses offenkundige Gefühl der Freiheit (von Zwängen, Erwartungen, Genres) macht »Amores Pasados« zu einem hinreißenden »kleinen großen Album«. (ijb)



Siehe auch:
Trio Mediæval
Hilliard Ensemble
Elisabeth Holmertz
Susanna Wallumrød & Giovanna Pessi

Anna Maria Friman: Amores Pasados

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.ecmrecords.com



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