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Alle Rezensionen zu Jon Balke | Siwan
(Genre »Folk«, Land »Grenzgänger«)

 

Siwan feat. Amina Alaoui
(2009, ECM/Universal ECM 2042 | 178 0151)

Ups. Ein großes, ein ambitioniertes Projekt. Nord trifft Süd, alte Musikkultur wird heute wieder belebt. Es gab eine Zeit, als die Muslime in Spanien noch in friedlicher Nachbarschaft mit Christen und Juden lebten. Doch dann kam die Inquisition, die das traditionelle Gleichgewicht der Kulturen brutal ins Wanken brachte – was sich natürlich auch auf die Musik auswirkte. Der norwegische Keyboarder Jon Balke versucht mit »SIWAN« zu ergründen, welche Musik sich ohne diese brutale Zäsur nach dem 14. Jahrhundert entwickelt hätte, im Dialog von europäischem Barock, arabischen und al-andalusischen Motiven und moderner Improvisation.

Als Begleiter hat er die denkbar besten Freigeister gewählt: Der multikulturell interessierte Drummer Helge Norbakken spielt farbenreich und unaufdringlich, die raumgreifende Stimme der marokkanischen Sängerin Amina Alaoui reibt sich mit den Lauten des algerischen Geigers Kheir Eddine M‘Kachiche, und Jon Hassell hält wie ein Schlangenbeschwörer alles mit fließenden Trompeten-Sounds zusammen. Nicht zu vergessen: ein zwölfköpfiges Barock-Orchester! Wie Balke die Tradition der algerischen Gharnati-Musik – der Name stammt von einer alten arabischen Bezeichnung der Stadt Granada – für unsere heutige Zeit hörbar macht, sucht seinesgleichen. Auch klangtechnisch übrigens. (peb)



Siehe auch:
Jon Balke solo
Bjarte Eike & Barokksolistene
Jøkleba (Jørgensen, Kleive & Balke)
Jon Balke Magnetic North Orchestra

Jon Balke: Siwan feat. Amina Alaoui

Die CD »Siwan feat. Amina Alaoui« war »CD des Monats« im Monat 7 / 2009.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Grandios! Jon Balke ist ein ungemein kluger Kopf, versetzt sich mal eben in (geographisch und temporär) weit entfernte musikalische Gefilde und schafft ein faszinierendes Universum, das Barock und arabische/andalusische Musik zusammen bringt. Aber man muss sich nicht mit Musikgeschichte befassen; es genügt, die CD einzulegen: »SIWAN« nimmt den Hörer auf eine Reise mit - aber Vorsicht! Suchtgefahr!
Tim Jonathan Kleinecke

Um mal ein altertümliches Wort hervorzukramen: Erhebend. Und wo wir schonmal dabei sind: Erhaben. Was der Purist Arvo Pärt mit der Kreuzung aus Neuer Musik und Mittelalter versucht, entsteht hier zusätzlich noch aus der Kreuzung zwischen Ost und West, die so gar nichts weltmusikhaft erzwungenes hat. Wenn doch nur aus allen Kultur-Kollisionen immer etwas so Schönes, Ernsthaftes entstünde ...
Sebastian Pantel

Ein Blick in die Vergangenheit, dramatisch und faszinierend zugleich. Das virtuose Zusammenspiel von Jon Balke und seinen Mitstreiter bietet großes Kopfkino und hallt lange nach. Eine CD die den Hörer so schnell nicht wieder loslässt.
Jessica Walther

Ein Feuerwerk an rhythmischen EInfällen, ein feines Geflecht aus kulturellen Schwingungen, ein Paradebeispiel meisterhafter und dennoch niemals aufdringlicher Instrumentenbeherrschung. Solcherlei Adjektive hat man schon oft gelesen - hier treffen sie zu!
Peter Bickel

   

Nahnou Houm
(2017, ECM/Universal ECM 2572)

Jon Balkes erstes Album mit seinem Siwan-Ensemble war ein imposanter künstlerischer Erfolg, bis hin zum »Jahres-preis der deutschen Schallplattenkritik«. Glücklicherweise bleibt dieses Meisterwerk kein Einzelstück, wenngleich von der Besetzung, die vor zehn Jahren gemeinsam im Studio war, Anfang 2017 nurmehr Perkussionist Helge Norbakken und Barokksolistene-Leiter Bjarte Eike Teil von Siwan sind. Dass es so lange dauerte, bis er einen Nachfolger vorlegte, verwundert nicht, bedenkt man, auf wie vielen kreativen Baustellen Balke aktiv ist und wie ambitioniert das Projekt von Anfang an war; mit Siwan geht es um große Themen.

Nun schreibt er, dass jüngere Entwicklungen der (nationalen wie weltweiten) Politik und die ökologischen Aussichten ihn dazu brachten, mit dem Projekt Siwan eine Stufe weiter zu gehen: »Dunkle Horizonte für diesen kleinen Planeten. (...) Was können Künstler beitragen, angesichts der Mächte, die unvorstellbar stärker sind als sie selbst?« fragt Balke. Und (s)eine Antwort gibt er mit »NAHNOU HOUM« (»Wir sind sie«) – eine radikale Wendung nach dem leisen, solistisch verspielten Soloalbum »WARP« im Vorjahr. Viele der Stücke sind, mehr als beim Debüt, von einer markanten Traurigkeit durchzogen, die freilich nie in Tristesse gleitet, sondern stets von Ambivalenz und vorsichtiger Hoffnung durchzogen ist.

Musikalisch ist das Album noch schwerer zu kategorisieren als der Vorgänger: Jazz ist es nicht, Folk und Klassik zwar schon ein wenig eher, doch »Nordic Folk« und »Alte Musik« keinesfalls; eher Nahost-Volksmusik kammermusikalischer Anmutung mit unaufdringlich improvisierten Passagen. Die Algerierin Mona Boutchebak führt mit ihrer eindringlichen Interpretation verschiedensprachiger Texte aus dem 11. bis 17. Jahrhundert die an sich divergierenden Elemente dieses entgrenzten multikulturellen Konzepts zusammen, während Balke Beeindruckendes leistet bei der Schaffung eines gemeinsamen, ausgefeilten Ensembleklangs. (ijb)



Siehe auch:
Jon Balke, Helge Norbakken & Batagraf
Jon Balke & Mathias Eick
The Adventures of a Polar Expedition
Helge Norbakken mit Daniel Herskedal

Video-Link



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