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Alle Rezensionen zu Heike Vester / Ocean Sounds
(Genre »Folk«, Land »Norwegen«)

 

Marine Mammals and Fish of Lofoten and Vesterålen
(2009, Gruenrekorder 066 | 4260185962012)

An dieser Stelle müsste man einmal darüber nachdenken, zu welchem Genre die Gesänge von Säugetieren zu zählen sind. Logischer- und konsequenterweise ergibt (zumindest von unseren Schubladen links) allenfalls »Folk« einen Sinn, da die Lieder doch seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben werden, wie auch die traditionelle Musik in verschiedenen Ländern lange Zeit ausschließlich überliefert wurde – und häufig noch immer wird. Man täte den Tieren doch unrecht, kategorisierte man ihre Musik als »Avantgarde« oder »Pop«.

In Form von Tonaufnahmen bilden Gesänge von Meeressäugern eine kleine Sektion innerhalb der ohnehin schon sehr kleinen Abteilung »Musik von Tieren«. Nur eine vergleichsweise winzige Hörerschaft kennt sich überhaupt mit den unterschiedlichen Ausdrucksformen und, ähm, Stilen der Ozeanbewohner aus. Eine besonders engagierte und kenntnisreiche Person in jener Gruppe ist die 1969 geborene Deutsche Heike Vester, die in Berlin Biologie studierte, bevor sie Ende der 1990er nach Nordnorwegen migrierte und sich an der Universität in Tromsø auf arktische Biologie und Physiologie spezialisierte. In Folge ihrer Tätigkeit als Walbeobachterin gründete sie 2005 das Projekt »Ocean Sounds«, das sich der Forschung und Bewahrung von Walen und Delfinen sowie ihrer Ökosysteme widmet, in Form einer ungewöhnlichen Verknüpfung von Bildungsarbeit, Kunst und Tourismus.

Heike Vester beschäftigt sich unter anderem mit der Unterwasserakustik unserer Meere. Dazu zählt neben der natürlichen auch die durch den Menschen verursachte, beispielsweise die bei der Suche nach Öl und Gasvorkomen entstehenden, für die Unterwasserwelt eher schädlichen Geräusche. Ihre CD, die beim auf Field Recordings und Naturgeräusche fokussierten Label Gruenrekorder erschien, lädt uns in elf Segmenten in die Ozeanwelt der nordnorwegischen Inselgruppen Lofoten und Vesterålen ein. Die Stücke sind von sehr unterschiedlicher Länge. »Schwertwale bei der Karusselljagd, Tysfjord« oder »Rufende Grindwale, Vestfjord, vor Skrova« etwa lässt uns fast acht Minuten lang an der Welt dieser Säuger teilhaben, und die Erläuterungen im Beiheft sind dabei von großem Nutzen.

»Schwertwal-Laute nach dem Fressen, Tysfjord« hingegen beschränkt sich auf 30 Sekunden. »Riesenhai und Makrelen fressen Plankton, Vestfjord, direkt vor Hennigsvær« auf gut eine Minute. Auch irritierend ist die Reihenfolge der Aufnahmen; Seehunde, Haie, »Akrobatische Atlantische Weisseitendelfine« und diverse Wale und ihre Aktionen sind nicht ganz einleuchtend angeordnet. Aber vielleicht gibt es dafür ja ganz einfache Erklärungen. Hörer, die Walgesänge als Entspannungs- und Meditationsmusik suchen oder Liebhaber komplex nachbearbeiteter bzw. kombinierter Feldaufnahmen werden aufgrund des sehr naturalistischen Klangbilds, zu dem wie bereits erwähnt auch von Menschen erzeugte (Stör-)Geräusche wie Bootslärm zählen, nicht auf ihre Kosten kommen. »Marine Mammals and Fish of Lofoten and Vesterålen« ist, wie der Titel andeutet, eher akustisches Ergebnis von Forschungsreisen als Natur-Klangcollage. (ijb)



Siehe auch:
Angélica Castelló
Hafdís Bjarnadóttir
Jana Winderen

Heike Vester / Ocean Sounds: Marine Mammals and Fish of Lofoten and Vesterålen

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.ocean-sounds.com



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