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Alle Rezensionen zu Ingfrid Breie Nyhus
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Torvund / Thoresen / Schaathun – Abstraction in Folk Art
(2015, LabLabel/Phonofile LAB002)

Zwei ganz aktuelle Werke und ein 30 Jahre altes präsentiert die mit Volksmusik und Hardangergeige aufgewachsene, mittlerweile als radikal eigenwillige Interpretin zeitgenössischer Klaviermusik bekannte Norwegerin auf ihrem ambitionierten Soloalbum. »Abstraction in Folk Art« ist der erste Teil einer Trilogie zum Brückenschlag von traditioneller und avantgardistischer Musik, und der Titel ist Programm. Einfach macht sie es damit weder sich noch uns, ihrem Publikum. Die Auswahl der Werke darf man als unorthodox bezeichnen, worin zugleich ihr großes Potential liegt. Wer also auf entspannte Folk-Musik hofft, wird mit diesen Werken dreier Norweger unterschiedlicher Komponistengenerationen unerwartete Entdeckungen machen – sofern er/sie sich auf das einlässt, was Breie Nyhus hier präsentiert.

Teils recht ausführliche Erläuterungen der Urheber bereichern das ansprechende Design der CD, welches für alle drei CDs der Reihe, das soll nicht unterschlagen werden, von Jonas H. Sjøvaag gestaltet wurde, sonst bekannt als Schlagzeuger im Eple Trio, das auch Karl Seglems akustische Band bildet. Die Texte helfen dabei, die doch arg eigenwilligen Stücke besser zu verstehen. Spannend ist, wie in Kombination mit (Live-)Elektronik und Samples die traditionelle Musik auf fantasievolle Weise in eine Art Neue Kunst-Musik übergeleitet wird; besonders der 1976 geborene Øyvind Torvund, der in Oslo an der NMH und in Berlin an der UdK studierte und über Rock- und Improviationsgruppen zu Folk und Avantgarde fand. Sein Ansatz ist zudem einer, der sich explizit als Teil modern-abstrakter und zeitgenössischer Kunst und Literatur begreift. Es gelingt ihm, in neun Minuten eine Dekonstruktion und Wiederherstellung von »Folk Art« anzulegen, welche von der Pianistin brillant aufgegriffen und ausgestaltet wird. Sie nutzt Aufnahmen von Olav Heggland (1971) aus dem Norwegischen Volksmusikarchiv und ihres Vaters Sven Nyhus für ihre komplexe Interpretation.

Die beiden einsätzigen Stücke des NMH-Professors und bekannten Komponisten Lasse Thoresen (geb. 1949) sowie von Asbjørn Schaathun (geb. 1961), der eher in der elektronisch-experimentellen Musik zu Hause ist, sind weitaus länger und schwieriger zu durchdringen. Beide verweisen auf Natur als Inspiration, wobei Schaathun in anspruchsvoller, rein musikalischer, rhythmischer Weise auch Norwegens Kultur zu thematisieren bestrebt ist. Abstraktion in der Tat! (ijb)



Siehe auch:
Halvorsen · Kvandal · Nyhus
Karl Seglem
Eple Trio
Sven Nyhus

Ingfrid Breie Nyhus: Torvund / Thoresen / Schaathun – Abstraction in Folk Art

Offizielle Website

Offizielle Website      http://breienyhus.no

 

Stille-stykkje
(2015, LabLabel/Phonofile LAB003)

Dem ersten, sehr abstrakten Teil ihrer Folk-meets-Avantgarde-Klaviertrilogie lässt Ingfrid Breie Nyhus eine sehr impressionistische und minimalistisch-melodische zweite CD folgen. Nach drei langen, hochkomplexen Werken, gibt es hier 20 »stille Stücke« zu hören, zusammen gerade mal 40 Minuten lang, und gegenüber dem eher dunklen »Abstraction in Folk Art« ist »STILLE-STYKKJE« ein sehr lichtes und poetisches Album, obgleich die beiden Cover in konträre Richtungen weisen.

Die Volksmusik nimmt hier eine andere Rolle ein als in den anderen beiden Teilen der Reihe. Olav Kielland, 1901 in Trondheim geboren, studierte Komposition und Dirigieren in Leipzig, bevor er unter anderem mit den Berliner und den New Yorker Philharmonikern sowie dem LSO arbeitete, zwölf Jahre das Philharmonische Orchester in Oslo leitete (1933-1945) und in den 1950ern das Isländische Sinfonieorchester aufbaute. Seine Verbundenheit mit der traditionellen Musik seines Heimatlandes inspirierte ihn zu den 20 stillen Stücken namens »Villarkorn«, die aufs Jahr 1951 datiert sind.

Schlichtheit und emotionale Direktheit zeichnen die Sammlung aus, und Breie Nyhus (*1978) widmet sich dieser unaufdringlich wandelbaren, freigeistigen Reise durch verschiedene Stilelemente und Stimmungen voller Hingabe. Bei ihr ist der volksmusikalische Einfluss nicht offenkundig, vermutlich bereits schon nicht in Kiellands Noten. Nach und nach entwickelt sein »Villarkorn« einen berührenden Sog in Form der verschachtelten, zunehmend komplexeren »Stille-stykkje«. Und die Interpretin ergänzt diese noch, denn vier Teile der Zusammenstellung stammen von dem 1976 geborenen Erik Dæhlin, bei dem Kiellands Ideen und Melodien stark fragmentiert, bis hin zur Auflösung, fortgeführt werden. Dazu werden z.T. Gesangsaufnahmen aus der Norwegischen Volksmusiksammlung an- und eingespielt, die allerdings ebenfalls keine kompletten Lieder bilden, sondern eher wie Erinnerungen oder ferne Anregungen mit dem Klavier in Kontakt treten. Dies ist einerseits progressive Musik, zugleich aber auch leidenschaftlich traditionsverbunden. Und von großer Poesie. (ijb)



Siehe auch:
Ingfrid & Åshild Breie Nyhus: Edvard Grieg

Ingfrid Breie Nyhus: Stille-stykkje

Offizielle Website

Offizielle Website      http://breienyhus.no

 

Slåttepiano
(2015, LabLabel LAB004)

Nachdem »Abstraction in Folk Art« von Volksmusik inspirierte zeitgenössische Werke präsentierte und »Stille-stykkje« eine Kombination Neuer und neoklassizistischer Stücke, nahm Ingfrid Breie Nyhus für den dritten Teil ihrer CD-Trilogie eigene Versionen von Hardangerfiedelmusik auf. Drei Alben innerhalb eines Jahres, das verdient auf jeden Fall Respekt, und wenn das Ergebnis noch von so gleichbleibend spannender Qualität ist und als Gesamtprojekt überzeugt, darf man mit Hochachtung festhalten, dass sich die Pianistin damit nachhaltig als wichtige Stimme in der nordischen (zeitgenössischen) Musik platziert hat.

Als Tochter des bekannten Volksmusikers Sven Nyhus ist Ingfrid fraglos mit der Hardangergeige gut vertraut, nicht zuletzt nahm sie mit Vater und Schwester Åshild bereits gemeinsame Alben auf. Und so legt sie mit »SLÅTTEPIANO« schließlich die traditionsnächste CD der Reihe vor. Bei den 17 recht kurzen Stücken handelt es sich um die gleichen, die Edvard Grieg in seinem Opus 72 »Bauerntänze (Slåtter)« arrangierte. Breie Nyhus hörte sich durch die traditionelle Musik, um besonders die Geigenmusik der Hardanger-Region, die hier als »Slåtte« bezeichnet wird, nach dem Verb »sla«, zu deutsch »schlagen«, womit man natürlich geradewegs beim Klavier landet.

Im Gegensatz zu den ersten beiden CDs kamen auf »SLÅTTEPIANO« keine Samples oder elektronischen Elemente zum Einsatz, sondern allein der 120 Jahre alte Steinway-Flügel der Osloer Sofienbergkirche, in der schon etliche exzellente und bekannte Aufnahmen durchgeführt wurden. Diese Klarheit macht die Einspielung zu einem einzigartigen Album der norwegischen Folk- und Klassikszene, das ein wenig an ähnliche Projekte von Misha Alperin erinnert, dem die Interpretin für Rat und Gespräch dankt. Sie dringt oft in faszinierender Weise zum Kern der Melodien vor und legt sie souverän und virtuos frei.
Gefördert wurde diese praktische Forschungsarbeit und selbst produzierte und veröffentlichte CD-Trilogie im Übrigen von fünf der wichtigsten Kulturinstitutionen Norwegens. (ijb)



Siehe auch:
Edvard Grieg
Tre Nyhus
Jan Johansson

Ingfrid Breie Nyhus: Slåttepiano

Offizielle Website

Offizielle Website      http://breienyhus.no



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