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Alle Rezensionen zu Øyvind Torvund
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

The Exotica Album
(2019, Hubro/Broken Silence HUBROCD2580)

Bei Øyvind Torvunds Hubro-Debüt meint man anfangs, da wäre versehentlich die falsche CD in der Hülle gelandet: »Starry Night« ist offenbar aus einer früheren Filmmusik von Jon Brion entwischt... und völlig aus der Zeit gefallene, verträumte Orchesterstücke zählen schließlich nicht gerade zum üblichen Angebot des norwegischen Improvisations- und Experimental-Labels. Doch seltsame Geräusche und schräge Töne gibt es auch hier noch zur Genüge, sie sind nur (fürs erste) etwas feiner im Gesamtkontext versteckt. »Waking Up Again« legt dann erstmal mit komplett verzerrtem Synth-Noise los, als wäre Maja Ratkje zu Gast. Doch diese Sounds gehen wohl aufs Konto von Jørgen Træen, der neben Kjetil Møster als einziger nicht »klassischer« (im Sinne von akustisch) Musiker das BIT20 Ensemble unter Trond Madsen erweitert.

Dass das Schaffen des 1976 geborenen Komponisten es bislang nicht zu größerer Bekanntheit gebracht hat, ist zumindest verwunderlich. Man konnte seine Werke auf etlichen international renommierten Musikfestivals (Darmstadt, Donaueschingen, Huddersfield, Maerzmusik, Ultraschall, Ultima etc.) erleben, auf einer CD des (ebenfalls schon bei Hubro vertretenen) Ensembles asamisimasa, in Aufnahmen der Cellistin Tanja Orning, der Pianistin Ingfrid Breie Nyhus oder des Trios Poing bzw. auf Soloalben der Triomitglieder Håkon Thelin und Rolf-Erik Nystrøm. Diese Veröffentlichung sollte hier nun Abhilfe schaffen, denn Øyvind Torvund ist in seiner schillernden Vielgestaltigkeit und Eigenwilligkeit ein junger, sehr zeitgenössischer Komponist, dessen Musik sich tatsächlich sehr schön in den Hubro-Kosmos einfügt. Und langjährige intensive Beziehungen zu Deutschland, konkret der Berliner Musikszene hat er sowieso, seit er Teile seines Kompositionsstudiums an der Universität der Künste absolvierte und später als DAAD-Stipendiat zurückkehrte.

Der Albumtitel mag womöglich andeuten, es handle sich hier um eine Sammlung von Einzelstücken, doch die Detailangaben der CD stellen klar, dass es sich bei »The Exotica Album« tatsächlich um eine 2017 verfasste Sinfonietta mit Modularsynthesizer und Saxofon handelt. Torvunds Vorgeschichte als Gitarrist in Rock- und Improvisationsgruppen wie dem Circulasione Totale Orchestra verweist indes auf die wenig intellektuelle Stilistik seines Tuns: Beim »EXOTICA ALBUM« handelt es sich um einen munteren, Jahrzehnte durchquerenden Grenzgang zwischen Pop-Kultur, Improvisationsmusik, Avantgarde-Geräuschmusik mit Field Recordings und vor allem Kammermusik. Die gesamte, 34 Minuten lange, zehnteilige Suite lebt von einem steten Wechselspiel zwischen fröhlich harmonischen Melodien und immer wieder eigenartig versponnenen Einfällen, die einem »klassischen« Hörvergnügen heiter in die Quere kommen. (ijb)



Siehe auch:
Kjetil Møster
Rolf-Erik Nystrøm
asanisimasa
Ingfrid Breie Nyhus

Øyvind Torvund: The Exotica Album

Offizielle Website

Offizielle Website      https://oyvindtorvund.com



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