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Alle Rezensionen zu Ninjabeat
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

West
(2018, AMP Music & Records AT007)

Der gewissenhafte Rezensent hat sich vor dem Hören des zweiten Albums von Ninjabeat – quasi zum Eingrooven ins Themengebiet – eine Scheibe der Fusion-Legende Mezzoforte zu Gemüte geführt, weil der Pressetext unter anderem Bezüge dorthin herstellt. Doch was er dann von Ninjabeat zu hören bekam, ließ in ihm den Verdacht aufsteigen, dass die Berklee-Absolventen Magnus Bakken (sax) und Bo Berg (b) auf dem College irgendwo zwischen einer Harmonielehre-Vorlesung und einer Session im Übungsraum ihrer musikalische Identität beraubt wurden (was hier leider kein unerhörter Vorgang bleibt). Denn nach dem »SURPRISE SURPRISE«-Album der oben erwähnten Isländer bietet diese, den Himmelsrichtungen gewidmete CD, (fast) gar keine Überraschungen mehr. Im Gegenteil.
 
Nach dem noch halbwegs interessanten und titelgebenden Opener »West« (7/4 Takt – immerhin) muss man sich noch durch zwei weitere Himmelsrichtungen… ja man muss fast sagen »quälen«. Zuerst durch »East«, bei dem unnötigerweise noch eine gewisse Big-Band-Assoziation hinzu kommt, jedoch nichts, was man musikalisch mit dem Titel assoziieren könnte und dann durch »South«, bei dem der Leader zum genre-immanenten Sopran-Saxophon greift und es über allzu bekannte Synth-String-Voicings weinen lässt.

Da ist man froh, dass das in der Besetzung nahezu unveränderte Sextett die Windrose musikalisch nicht in noch weiteren Unterteilungen interpretiert. In »Südsüdwest« etwa. Allerdings sorgen auch die übrigen Nummern, die nicht nach Kompass-Anzeigen benannt sind, für ähnliche Langeweile, weil sie der Fusion-Mucke aber auch so gar keine neuen Facetten hinzufügen können. Da ist nichts Subtiles zu hören und kein Platz für Imaginäres zwischen all den perfekt gespielten Noten. Das Ganze musikalische Geschehen verläuft in erschreckend eingefahrenen Bahnen. Bei »Playing the Game« etwa, befürchtet man nach jedem wohlgesetzten Break, dass sie jetzt tatsächlich zum Refrain von »Garden Party« ansetzen.

Und was ist mit jener Himmelsrichtung, die den Lesern dieser Seite die Liebste sein müsste? Tja, für »North« haben sie sich gegen Ende des Albums eine echte Perle aufgehoben. Hier gelingt es der Band endlich einmal, sich von dem engen stilistischen Korsett zu befreien, in das sie sich – warum auch immer – selbst begeben haben. Über fast zehn Minuten und lange Soli hinweg wächst in diesem Song etwas – es tut sich eine angenehme Weite auf, womit Songtitel und Hörempfinden endlich einmal eine Einheit bilden. Beim Rausschmeißer »Step Up« verfallen sie leider sofort wieder in das ewig pluckernde Fusion-Gedudel von der Stange. Insgesamt taugt das – Sie werden es ahnen – allenfalls zur Beschallung Ihrer nächsten Gartenparty… (stv)



Siehe auch:
Mezzoforte
Magnus Bakken Quartet

 Ninjabeat: West

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.ninjabeat.net

   

The Waiting Game
(2016, AMP Music & Records/Musikkoperatørene AT007)

Die japanischen Ninjas zeichnet Präzision, Handwerkskunst und Disziplin in ihrem gesamten Handeln aus, daran orientiert sich dieses norwegische Oktett. Mit diesen drei Attributen ist die Qualität ihrer Musik auch ganz gut beschrieben. Bleibt aber zunächst zu klären, was die norwegischen Ninjas denn auf ihrer Fahne stehen haben: Eine recht energetische Mixtur aus Jazz und Fusion, Funk und Rock. Das gab’s doch schon in den späten 70ern, 80ern und 90ern, mag man nun einwerfen. Der Einwurf ist berechtigt, allzu viel Neues haben Magnus Bakken und Bo Berg diesem Genre nicht hinzuzufügen.

Der Saxophonist Bakken und der E-Basser Berg leiten diese Band, zu der noch Pål Gunnar Fiksdal (tp), Kristian Wentzel und Knut Løchsen (beide key), Ture Janson und Svein Rikard Mathisen (beide g), Ole Morten Sommer (dr) und Bjørn Einar Hastveit (perc) gehören. Eine sehr respektable Ansammlung von Spitzenkönnern ist das auf jeden Fall. Mit »Pour House Lady« eröffnen sie die CD auch standesgemäß mit präzisen Grooves, knackigen Bläsern und Soli, wie man sie z.B. in Berklee lernt. Mit »11 Clearway« haben sie eine Ballade im Gepäck, die genauso klingt wie von einer solchen Band zu erwarten wäre. »Norwegian Waffles« beginnt ebenfalls ruhig, nimmt aber mittig Fahrt auf – ein schönes Stück. »Don’t Rattle Your Keys In The Fens« fängt sperrig-rockig an, verbravt sich dann wieder und präsentiert ein schönes Solo von Bo Berg. Insgesamt also eine perfekt produzierte Scheibe, deren Musik jedoch zu glatt wirkt und im Grunde ihres Wesens auch zu antiquierte Fusion-Mucke beinhaltet, um wirklich zu fesseln – von berühren ganz zu schweigen. (tjk)



Siehe auch:
Svein Rikard Mathisen
Anders Thorén Quartet



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