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Alle Rezensionen zu Martin Lutz
(Genre »Klassik«, Land »Dänemark«)

 

Martin Lutz: There is a Spell upon your Lips
(2014, dacapo/Naxos 8.224724)

Dass Jazzmusiker sich irgendwann nicht mehr mit dem Improvisieren oder dem Interpretieren fremder Kompositionen zufrieden geben und eigene Werke schreiben wollen, ist bekannt – und liegt ja auch nahe. Üblicherweise schreiben sie jedoch für sich selbst und ihr eigenes Ensemble. Bei Martin Lutz ist die Sache mittlerweile ein wenig anders gelagert. Ihm bietet das Jazz-Fach längst nicht mehr genügend Raum. Tatsächlich aber passt Lutz ohnehin eher in das klassische, weitreichende Image eines umfassenden Musikers; er arbeitet seit langem als Lehrer für Deutsch und Musik sowie als Arrangeur, und er genießt so eine große künstlerische Freiheit, wenn er Werke verfasst.

Auch wenn man den aus Kolding stammenden Dänen durchaus als vielseitig aktiven Interpreten und Komponisten kennt, ist er jenseits der Grenzen seines Heimatlandes bislang vor allem als Jazzmusiker sicht- und hörbar geworden. Doch das dürfte sich mit dieser CD ändern, die beim dänischen Staatslabel für Klassische und Neue Musik Dacapo erscheint. So kann man durchaus sagen, dass Martin Lutz eine Position als renommierter Gegenwartskomponist in Dänemark erreicht hat.

Schon frühere von Martin Lutz's Werken strebten zur großen Form, 2011 seine fünf Jazz-Suiten auf der CD »It's Swing, Not Rocket Science«, doch mit diesem Album erscheint erstmals eine Zusammenstellung von Chorwerken auf CD, bei denen er selbst nicht mitspielt. Es handelt sich um ein paar frühe Motetten für gemischten Chor (vorwiegend) a cappella aus den Jahren 1998 bis 2000, teils religiöse Texte in lateinischer Sprache gesungen, teils Liebeslieder (von William Shakespeare) in englischer.

Die jüngeren Arbeiten sind die ambitionierteren, nach dem lateinischen Text »Stabat Mater« (2007) aus dem 13. Jahrhundert sowie das zweisprachige »Hoc est corpus« (2013), beide für Sopran- und Tenorsolisten zwischen den Chorpassagen und mit kleiner instrumentaler Begleitung (Vibrafon, Oboe und Cello bzw. Oboe und Fagott). Von dem gut 40-minütigen »Stabat Mater«, das hier zwar rund zwei Drittel der Laufzeit der CD füllt, aufgrund einer gewissen gleichförmigen Grundstimmung und gleichzeitiger Fragmentiertheit (unterteilt in 17 kurze Kapitel) nicht jedoch das eindringlichste der verschiedenen Stücke darstellt, schrieb Lutz auch eine Orchesterfassung, die man nach dieser Version gerne hören und vergleichen würde. Die Chorwerke von Martin Lutz erfüllen durchweg, obwohl sie sich von romantisierender Gefühligkeit abgrenzen und ganz in der Gegenwart verankert sind, nicht die Klischees von elitärer Neuer Musik. Es ist schön zu sehen, wie er den direkten Zugang zum »einfachen« Publikum nicht verweigert und doch kunstvolle, moderne Chormusik verfasst.

In der Frage, wie Neue Musik zugleich (auch) Alte Musik und eben dabei unterhaltsam ist, kennt sich Martin Lutz aus. Und er arbeitet fleißig an weiteren, vermutlich noch größeren Projekten, die wahrscheinlich noch spannender sein werden. In Arbeit befinden sich »Lux Aeterna«, eine Messe und ein »Requiem Of Light«, allesamt für Männerchor. (ijb)



Siehe auch:
Martin Lutz Group

Martin Lutz: Martin Lutz: There is a Spell upon your Lips

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      www.martin-lutz-music.dk



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