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Alle Rezensionen zu Marius Neset & London Sinfonietta
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Viaduct
(2019, ACT/Edel ACT 9048-2)

Eine herkömmliche CD hat eine maximale Spieldauer von 80 Minuten. Bei Marius Neset meint man aber, dass nach einer starken Stunde der Tonträger eigentlich rappelvoll sein müsste – soviel Musik packt er in seine Alben hinein. Oder, um es analoger zu formulieren: so viele Noten pro Quadratzentimeter schreibt wohl nur er in eine Partitur hinein.
 
Nach »SNOWMELT« hat er erneut ein großes Werk für sein angestammtes Quintett und die London Sinfonietta geschrieben. Es handelt sich dabei um zwei suitenartige Werke von jeweils etwa einer halben Stunde Dauer, die über weite Strecken sehr stark durchkomponiert und stilistisch sowohl von den großen Komponisten aber auch von Neutönern in der klassischen, also ernsten Musik beeinflusst sind. Erst nach und nach beginnt die Jazzkapelle, darin ihr Terrain zurückzuerobern. Dabei geht Neset unglaublich virtuos aber auch höchst verschwenderisch mit seinen musikalischen Ideen um. Eben noch hörte man ein romantisches Hörner-Thema und findet sich nun in schwelgenden Streichern zurecht, da grätscht unvermittelt das Quintett mit Walking-Bässen und Saxophon-Soli hinein. Das ist spektakulär, das ist berauschend, atemberaubend und selbstverständlich auch innovativ. Aber selbst wenn man sehr konzentriert und fokussiert dieser Musik folgt, hat man gelegentlich Mühe, all den Wendungen und Brüchen in der Musik zu folgen und den Detailreichtum überhaupt zu fassen. Und so bleibt man bisweilen mit der Frage zurück, ob das eigentlich noch »Musik für den Hörer« ist oder eine Werkschau dessen, was kompositorisch und spieltechnisch heute möglich ist. (stv)



Siehe auch:
Marius Neset
Marius Neset & Trondheim Jazz Orchestra
Jazz Kamikaze
Danielsson Neset Lund

Marius Neset: Viaduct

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.mariusneset.info

   

Snowmelt
(2016, ACT/Edel ACT 9035-2)

Ganz viele Noten hat Marius Neset dem London Sinfonietta-Orchester geschrieben, bleibt da überhaupt noch Raum für sein Quartett und ihn? Aber ja, die beiden Pole »Klassik« und »Jazz« ergänzen sich hier hervorragend, was natürlich auch an der Qualität der Beteiligten liegt. Das LS gehört zu den gefragtesten Klangkörpern in Bezug auf zeitgenössische Musik und ist genauso neugierig auf ungewohnte Klänge wie der norwegische Saxophonist und seine Band mit Ivo Neame (p), Petter Eldh (b) und Anton Eger (dr).

Neset hat ganze Berge von Klängen für das Orchester vertont. Die siebenteilige Suite »Arches Of Nature« durchzieht er mit einer sich permanent verändernden Linie. Er arbeitet mit Zwölftonmusik und zitiert Mahler, spielt mit Strawinsky und lässt sich von Bartók inspirieren. Er gibt dem Orchester Raum, lässt seinen Jazzern Platz für Improvisation und bringt beides sinnvoll zusammen. Neset spielt hier wesentlich mehr Sopransax als sonst, solistisch verlässt er sich dennoch mehr auf das angestammte Tenorsax, wie in »Circles«.

Höhepunkt und Schlusspunkt des Albums ist der Titeltrack mit über elf Minuten, da kommen auch die Jazzer seines Quartetts nochmal richtig zum Zuge. Fazit: Neset braucht an sich kein Orchester. Als ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere und in seiner Kreativität ist »SNOWMELT« jedoch ein faszinierendes Kaleidoskop an Farben und Klängen, ein ständiges Wechselspiel von Kontrolle und Wildheit, von Struktur und Chaos. (tjk)



Siehe auch:
Phronesis
Petter Eldh



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