Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Jacob Karlzon
(Genre »Pop«, Land »Schweden«)

 

NOW
(2016, Warner 190295940225)

Jacob Karlzon ist kein Jazzmusiker; das will er klargestellt wissen: »Die Jazz-Tradition hat mich nie interessiert.« Karlzon ist vielmehr ein Popmusiker, der in seinen phrasenhaften Statements zugleich über das Universum, die Zukunft der Menschheit, die Zukunft der Musik und die Philosophie von Technik und Natur spricht und letztlich nichts sagt, schon gar nichts Neues. So ist es einerseits konsequent, wenn er verkündet: »Ich will niemanden ausschließen, sondern so viele Menschen wie möglich einbeziehen. Meine Musik ist nicht kompliziert. Ich möchte mich nicht an die Insider wenden, die alles über ein bestimmtes Genre wissen, sondern Menschen verschiedener Generationen und Backgrounds einladen.«

Andererseits: Gerade, wenn man so alles auf einmal kommentieren will, kann das Gesagte auch naiver dastehen, als es womöglich gemeint war. Und so ist letztlich auch seine Musik: Seine Alben werden regelmäßig als von »völlig neuer Bauart« und Karlzon als »besonderer musikalischer Geist« und »Visionär« beschrieben, der »dem Wandel der Zeit auch im Ton Schritt [hält].« Dazu passt neben dem unfreiwillig komischen Covermotiv (leider) auch der von selten bescheuerter Phrasendrescherei durchsetzte Pressetext, der einem geradezu die Lust auf die Platte verdirbt: »Die Stücke gehören zusammen wie in einer Suite, und doch sind sie so unterschiedlich, dass jedes ganz für sich steht. In ihrer gegensätzlichen Ganzheitlichkeit könnten sie einen kompletten Tag [...] beschreiben. Es ist für den Pianisten kein Widerspruch, einen Fisch aus dem Fluss zu holen und ihn danach ins Gefrierfach zu legen. Er kann sich an einem Gebirgsbach erfreuen und am Abend trotzdem auf Facebook gehen.« Na denn: guten Appetit. Die elektronisch überladenen acht Stücke seiner neuen CD mit Bassist Dan Berglund (e.s.t., Tonbruket) und Schlagzeuger Robert M. İkiz (Nils Landgren Funk Unit) sind hübsch, aber sie bieten beim besten Willen nicht das »Neuland« aller »nur denkbaren Einflüsse aus dem Leben und der Kunst«, das uns versprochen wird. Zudem mangelt es den an Mike Garsons genrebefreite Fantasie erinnernden Pianomelodien schlicht und ergreifend an Charakter. (ijb)



Siehe auch:
Jacob Karlzon 3
e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio)
Tonbruket
Jacob Karlzon & Viktoria Tolstoy

Jacob Karlzon: NOW

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://jacobkarlzon.com

   

Open Water
(2019, Warner N.N.)

Die Schweden sind eben doch Pop-Nation Nummer 1: Jacob Karlzon hat wieder einmal ein Jazz-Album aufgenommen, das mehr Pop-Flair ausstrahlt als so ziemlich alle anderen Scheiben von Jazz-Musikern und auch Fast-Rock'n'Roll à la Elton John nicht scheut. Erstaunlich ist zwar, dass »OPEN WATER« nicht unter dem Bandnamen »Jacob Karlzon Trio« erscheint; doch liegt der Grund vielleicht darin, dass er mit Morten Ramsbøl und Rasmus Kihlberg nun eine rundum neue Truppe aufgestellt hat, nachdem seine bisherigen sieben Trioscheiben als »Trio« (mit Mattias Svensson und Peter Danemo) oder nur »Jakob Karlzon 3« (mit Hans Andersson und Jonas Holgersson) veröffentlicht wurden. Auf »Now« bildeten dann Dan Berglund und Robert Ikiz das Trio.

Live auf der Bühne dürften Karlzons Stücke mitreißend sein wie einst die Auftritte des e.s.t., doch leider(?) erreichen sie (auf CD) nicht jene kompositorische Komplexität und spielerische Freiheit. Man höre nur einmal unsere »CD des Monats« aus dem Januar zum Vergleich, wo als Rymden zwei Drittel e.s.t. mit Pianist Bugge Wesseltoft Fantasie mit souveränem Können verbinden, Jazz, Pop und elektronische Elemente klug transzendieren. »OPEN WATERS« hingegen bleibt technisch gekonntes Spiel mit Referenzen und Zitaten, musikalisches Kraftmeiertum, dem es an Feingefühl und Zwischentönen mangelt. Die flotteren Stücke machen immerhin Spaß, wogegen die langsamen Nummern arg brav bleiben; nur selten blitzt etwas wirklich Eigenes auf. (ijb)



Siehe auch:
Rymden
Rasmus Kihlberg mit Nils Landgren
Jan Lundgren Trio
Morten Ramsbøl & Pippo Corvino, Anıl Bilgen

   

Heat
(2009, Caprice Records CAP 21809)

Jacob Karlzon veröffentlicht seine inzwischen sechste CD unter eigenem Namen, er ist hierzulande bisher hauptsächlich als Begleiter und musikalischer Direktor von Viktoria Tolstoy bekannt. Sein wichtigstes und liebstes Forum ist allerdings das Piano-Trio, hier mit Hans Andersson (b) und Jonas Holgersson (dr), die aufmerksam begleiten und schöne Soli beisteuern. Gelegentlich kommen zwei alte Freunde hinzu – Karl-Martin Almqvist (ts, ss) und Peter Asplund (tp, flh) –, die ein sehr gutes Trio zu einem noch besseren Quintett erweitern.

Das Titelstück trägt seinen Namen zurecht: Mit rockig federndem Rhythmus und einer Melodie, die man eher bei Oddjob vermuten würde, entfacht Karlzon mit Quintett eine Hitze, die er aber im verträumten »Late Night/Early Morning« allein wieder abkühlt. Die meisten Stücke stammen vom Leader, aber er scheut sich auch nicht vor Covers von KoRn und Maurice Ravel (der ihn nachhaltig beeinflusste). Karlzon spielt brilliant, ob solo impressionistisch-behutsam, im Quintett mit viel Dynamik und Feuer oder im Trio, wo er beides kombiniert und große Ohren für die Mitmusiker hat. (tjk)



Siehe auch:
Viktoria Tolstoy
Oddjob



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2019, Design & Programmierung: Polarpixel