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Alle Rezensionen zu Niels Rønsholdt
(Genre »Klassik«, Land »Dänemark«)

 

Niels Rønsholdt: Me quitte
(2016, dacapo/Naxos 8.226592)

Beim zentralen Label für die dänische komponierte Musikgeschichte macht man zuverlässig nicht nur (Wieder-)Entdeckungen aus früheren Jahr(hundert)en, sondern findet immer wieder auch spannende zeitgenössische Komponisten der jüngeren Generationen. Eine solche Entdeckung ist der 1978 geborene Niels Rønsholdt, Absolvent der Musikakademie in Århus, wo er von den großen Namen Karl Aage Rasmussen und Bent Sørensen lernte. Auch in Berlin war er zeitweise Student, bei Helmut Oehring. Nach diesem Werk zu urteilen, hat er jedoch längst eine eigene und ganz andere Stimme gefunden als seine Lehrmeister, eine höchst zeitgenössische fürwahr, zwischen experimenteller Oper, Konzertmusik, Installation und Performance-Kunst.

Dies wird eindringlich präsent in seinem 50-minütigen Liedzyklus »Me quitte«, der sich natürlich auf die Welt des Pariser Chansons bezieht, konkret auf Jacquel Brels »Ne me quitte pas«, dieses jedoch verzerrt und in sehr surrealer Weise bricht. Fünf der insgesamt zwölf Mitglieder des 2008 gegründeten Ensembles SCENATET, international und genreübergreifend auch in Theater, Konzeptkunst und Happenings aktiv, interpretieren Rønsholdts Kompositionen souverän und mit großer Laune am changierenden Spiel zwischen Tradition und Innovation. Geige, Cello, Gitarren, Klavier und Perkussion bilden eine faszinierend schillernde, gar nicht gefällige Folie für Gesangssoli und -duette, wobei die »la femme« von der färöischen Elektronik-Komponistin und früheren Valravn-Sängerin Anna Katrin Egilstrøð interpretiert wird und »l'homme« von Rønsholdt selbst.

Die erste Aufführung des Liedzyklus beim Spor Festival 2013 in Kopenhagen ist in voller Länge auf YouTube zu sehen, doch die klanglich höchst gelungene, weil transparente und vielschichtige CD-Einspielung aus dem Studio The Village ist jener bei weitem vorzuziehen. Wie »Liebeslieder aus der Hölle« werden die Songs beschrieben, doch lassen Sie sich davon keinesfalls abschrecken: »Me quitte« ist alles andere als schwierige Avantgardekunst, sondern emotional, fragil, bewegend, traumhaft und, ja, sogar charmant – mehr eigenwillige Popmusik als verstiegene Kunst. (ijb)



Siehe auch:
Bent Sørensen
Valravn

Niels Rønsholdt: Niels Rønsholdt: Me quitte

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.nielsroensholdt.dk

 

Niels Rønsholdt: Songs of Doubt
(2017, dacapo/Naxos 8.226598)

Drei Jahre nach dem faszinierenden Liederzyklus »Me Quitte« (2012) ließ Niels Rønsholdt ein vergleichbar schillerndes, ebenso zwischen Avant-Pop und »Neuer Klassik« changierendes Liederepos folgen; wiederum erscheint es auf CD bei Dacapo, Dänemarks Vorzeigelabel für zeitgenössische Musik schlechthin. Man hört, dass der 1978 geborene Komponist weniger auf die klassische Musiklinie aufzubauen als vielmehr eine wahrhaft »Neue«, im Sinne von gegenwärtige und zeitgenössische Liedkunst zu gestalten bestrebt ist, die sich auch Popmusik-Hörern nicht verschließt, wie das ja oftmals bei Komponisten der (Post-)Moderne der Fall ist, gerade etwa, wenn man an Vokalwerke denkt. Und so wird auch ein Publikum, das mit innovativer elektronischer Musik oder Liedkunst von Nils Bech über Björk und Arca bis hin zu James Blake vertraut ist, ohne Schwierigkeiten Zugang zu diesem einstündigen Werk finden. Man könnte hin und wieder, bei einzelnen geisterhaften Songs wie »The Lake«, sogar an David Lynch denken, ein Eindruck, zu dem sicher das ungewohnte, irreal schwebend klingende, elektronische Ondes Martenot beiträgt, das als einziges Instrument die Solisten und den Chor begleitet.

Während »Me Quitte« ein Zyklus für zwei Liebende und kammermusikalische Begleitung ist, geht es Rønsholdt in seinen »Liedern des Zweifels« um ein Nachsinnen über die wichtigen, lebensentscheidenden Momente in unseren individuellen Biografien. Das zehnteilige, knapp einstündige Werk wird als Zyklus voller »Spiegelungen, Sensibilität und und unerschrockenem Experimentieren« beschrieben, und mag diese Kurzdarstellung auch etwas beliebig erscheinen, so kann man das zutiefst bewegende Epos »SONGS OF DOUBT« kaum prägnanter auf den Punkt bringen. Womöglich handelt es sich hierbei gar um eines der herausragenden zeitgenössischen Werke im Genre des Liederzyklus in diesem Jahrzehnt. Auch vielfaches Hören nimmt dem zarten und irrealen Werk nichts von seiner emotionalen Eindringlichkeit und von den ihm innewohnenden mysteriösen Charme. Die Klanglandschaften, die Rønsholdt hier erdacht hat, sind schwer zu durchdringen – geloopte gregorianische Chöre, Rückwärts-Effekte, verstärkte Solostimme, fragmentierte Gospelhymnen und Blues-Assoziationen – und dabei durchweg grandios einzigartig. (ijb)



Siehe auch:
Nils Bech

Niels Rønsholdt: Niels Rønsholdt: Songs of Doubt

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.nielsroensholdt.dk



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