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Alle Rezensionen zu Schola Cantorum Reykjavicenis
(Genre »Klassik«, Land »Island«)

 

Meditatio – Musik für gemischten Chor
(SACD, 2016, BIS 2200)

Mittlerweile zwanzig Jahre existiert der Chor Schola cantorum Reykjavicensis bereits, seit 1996 unter der Leitung des Gründers Hörður Áskelsson. In dieser Zeit entstanden und erschienen eine ganze Reihe von Alben mit Werken quer durch die Jahrhunderte; einen gewissen Schwerpunkt legt das isländische Ensemble dabei auf zeitgenössischen Komponisten aus ihrem Heimatland. »MEDITATIO« fokussiert sich vorrangig auf Musik der letzten 35 Jahre, und dass das Programm für Allerheiligen zusammengestellt wurde, bringt mit sich, dass es sich hier um Chormusik um Trauer und Abschied handelt, »im Licht von Hoffnung und Zuwendung«, wie betont wird.

Dies passt natürlich hervorragend zu Arvo Pärt, dessen »Nunc dimittis« den expressiven Höhe- und Schlusspunkt der CD bildet. Das fast zeitgleich erschiene Album des estnischen Vokalensembles Vox Clamantis und die ebenfalls kürzlich entstandene Pärt-CD der Wiltener Sängerknaben (»BABEL«, auf der sich eine weniger ätherische Darbietung von »Nunc dimittis« findet) legen die Gelegenheit nahe, die Interpretationen in Island, Estland und Österreich zu vergleichen.

Passend zu Pärt bietet »MEDITATIO« nicht-isländische Werke wie das ähnlich ergreifende Stück »The Lamb« (nach William Blakes Gedicht) von John Tavener aus England, »A Child's Prayer« des Schotten James MacMillan, 1996 als Reaktion auf ein Schulmassaker in Dunblane komponiert, und des Amerikaners Eric Whitacres »Lux Aurumque«, im Jahr 2000 über ein Gedicht über den neugeborenen Christus entstanden. Die vertretenen nationalen Komponisten zeigen eine große Spannbreite zwischen dem modernen Klassiker und vom Chor bereits häufig gesungenen Jón Leifs, dessen knapp fünfminütiges, in der isländischen Kultur verankertes »Requiem« (das einzige Werk der CD, das vor 1982 entstand) eine Reaktion auf den Ertrinkungstod seiner 17-jährigen Tochter (1947) war, über zwei Stücke des 2013 gestorbenen Þorkell Sigurbjörnsson, der als einer der Pioniere in Islands zeitgenössischer Musik bezeichnet wird und dessen Schaffen bereits einige Spuren in der Kirchen- und Chormusik hinterlassen hat, bis hin zu ganz jungen Werken, die von Mitgliedern des Chors selbst verfasst wurden: Sowohl Sigurður Sævarsson als auch Hreiðar Ingi singen Bass und schrieben (wie Pärt) ihre eigene Vertonung von »Nunc dimittis«, die jeweils hörenswert sind und neugierig auf weitere Arbeiten von ihnen machen.

Insgesamt eine eindringliche Darbietung, naturgemäß aber auch sehr andächtig bis getragen; eine dunkle Stimmung für den Herbst und für kurze Wintertage. Das Programm wurde in der berühmten Hallgrímskirkja in Reykjavík mit astreiner Technik aufgenommen, klanglich kristallklar und feinfühlig, womöglich fast etwas aseptisch. (ijb)



Siehe auch:
Vox Clamantis, Wiltener Sängerknaben / Arvo Pärt
Schola Cantorum Oslo & Nordic Voices
Anna Þorvaldsdóttir
Jón Leifs

 Schola Cantorum Reykjavicenis: Meditatio – Musik für gemischten Chor

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.scholacantorum.is



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