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Alle Rezensionen zu Ensemble neoN
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

neoN
(2016, Aurora/Naxos ACD5084)

Wird »neoN« auch als das Debüt des 12-köpfigen Osloer Ensembles bezeichnet, erschien doch bereits 2013 ihre Zusammenarbeit mit Susanna Wallumrød, »The Forester«; dem gleichnamigen Album wurde 2014 der »norwegische Grammy«, der Spellemannpris verliehen. Nun erstaunt es ein wenig, dass erst 2016 das erste eigene Album der Gruppe erscheint, ist sie doch schon seit 2008 aktiv und hat mit vielen renommierten Komponisten der zeitgenössischen Musikszene gearbeitet, etwa Eivind Buene oder Jon Øyvind Ness.

Für dieses Programm stellten die Musiker eine eigenwillige Auswahl zusammen: Um das fast 20-minütige Zentrum der CD, das radikal reduzierte Drone-Opus »Two Circles« (für Flöte, Klarinette, Violine, Cello, Piano und Oszillatoren, 2012) des 1931 geborenen US-Amerikaners Alvin Lucier, arrangiert das Ensemble neoN ein minimalistisch fragiles Gitarrenwerk der beiden Australier Oren Ambarchi (geb. 1969) und James Rushford (Jahrgang 1985) sowie drei Stücke junger Osloer Komponisten, die auch in der Gruppe mitspielen und sie z.T. mitgegründet haben.

Wesentlicher Teil der Veröffentlichung ist der persönliche Einführungsessay von Jenny Hval, die zu jedem der sehr subtilen, ruhigen und streckenweise dunkel-atmosphärischen Werke Hintergrundinformationen und assoziative Gedanken liefert. So könnte man sich die Musik dieser CD auch bestens beim Label Sofa Music (mit dem Jenny Hval eng verbunden ist) vorstellen. Ob die Musik nun komponiert ist oder frei improvisiert, wie bei den meisten Sofa-Projekten, spielt daher keine große Rolle; die Grenzen sind in Norwegen ohnehin gerne fließend bis nicht relevant, wie eindruckvolle, ähnliche Veröffentlichungen auch bei Another Timbre, Va Fongool, Hubro (Laurence Crane etc.) und nicht zuletzt auch Mette Henriettes Debütalbum zeigen. (ijb)



Siehe auch:
Susanna & Ensemble neoN
Jan Martin Smørdal
Karin Hellqvist
Skogen

 Ensemble neoN: neoN

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.ensembleneon.no

 

Niblock / Lamb
(2019, Hubro/Grappa HUBROCD2601)

Mit ihrem zweiten (oder dritten, ja nach Zählweise) Album knüpfen die Damen und Herren des Ensemble neoN geschickt an das Programm des Vorgängers an: Minimalistische Kompositionen von international renommierten Avantgardisten, diesmal mit einem exklusiven Blick auf KomponistInnen US-amerikanischer Herkunft. Gleichwohl präsentieren sie mit diesem Hubro-Debüt ein äußerst fokussiertes, zweiseitiges Programm aus zwei jeweils rund 25 Minuten langen Werken und fügen sich außerdem stilistisch auch in eine bestimmte Reihe bereits veröffentlichter Minimal-Music-Alben bei diesem Label ein – Pisaro, Crane, Myhr, Myhre/Ólafsson und nicht zuletzt auch die Band LabField, deren Streicher-Drone-Stilistik man auf diesen beiden Stücken direkt wiederfinden kann.

Die erste Hälfte gehört dem kraftvoll dramatischen »To Two Tea Roses«, das der 1933 geborene Phill Niblock als Auftragswerk im Rahmen des »Ultima Festival« 2012 für das Ensemble neoN schrieb. In den Presseinfos wird es recht treffend als »wind-tunnel rush of head-spinning noise« beschrieben: Hört man es mit angemessener Lautstärke, dann übt das Stück bzw. die Performance in der Tat einen unwiderstehlichen Sog aus. Und das Schöne ist: man kann es ebenso als leise Ambient-Komposition genießen, wenngleich einem dann die Vielschichtigkeit und Suggestionskraft von Niblocks radikaler Vision entgeht. Der faszinierende, halluzinogene Klangrausch ermöglicht stets aufs Neue akustische Entdeckungen, da die acht Musiker/innen mit (Bass-)Flöten, Saxofonen, Klarinette, Geige, Cello, gestrichenem Vibrafon und Klavier die Möglichkeiten des scheinbar reduzierten Geräuschkulissen-Epos souverän auskosten. Es überrascht nicht, wenn man liest, dass Noise-Meister Lasse Marhaug produziert und gemischt hat; in den letzten Jahren greift auch sein Schaffen als Produzent zunehmend in verschiedene Musikgenres über, sei es bei Jennys Hvals fragilen Avantpop-Stücken oder Paal Nilssen-Loves multinationalen Improvisationsprojekten. Im Beiheft schreibt er, Niblocks Einfluss auf die moderne Musik sei »unmöglich zu überschätzen«; die Einstudierung und Aufnahmen des Werks fanden im September 2012 unter Mitwirkung des Komponisten im renommierten Henie Onstad Kunstsenter statt, während Marhaug dort sehr aktiv in der Aufarbeitung und Veröffentlichung des bis zu 50 Jahre alten Musikarchivs der Institution und zugleich an der Entstehung neuer Werke mitarbeitete.

Nicht ganz so spektakulär, aber letztlich nicht weniger einnehmend, interpretiert eine leicht abgewandelte Besetzung des Ensembles – mit zwei Vokalistinnen, E-Gitarre und Weingläsern – das 2016 in Zusammenarbeit mit der norwegischen Institution NyMusikk geförderte, von der in Berlin lebenden US-Amerikanerin Catherine Lamb (*1982) geschriebene »Parallaxis Forma«. Die meditative Grundstimmung ist hier ungleich größer als bei Niblock, wie es die Pianistin Heloisa Amaral treffend darlegt: »Dieses Stück zu spielen ist ein wenig wie Morton Feldman zu spielen: Der Zuhörer kann es als eine lange, ruhige und mühelose Meditation erleben, während wir Musiker in Wirklichkeit wie verrückt arbeiten.« Catherine Lamb arbeitet mit Vibrationen mikrotonaler Tonhöhen, um das zu erzeugen, was sie »interagierende Spektren« nennt. Sie knüpft damit an das Werk von Landsmännern der vorigen Komponistengeneration an, neben Feldman an Harry Partch und Ben Johnston. (ijb)



Siehe auch:
Laurence Crane
Håkon Stene & Kristine Tjøgersen
Martin Rane Bauck & Ensemble neoN
LabField

 Ensemble neoN: Niblock / Lamb

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.ensembleneon.no



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