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Alle Rezensionen zu Rain Sultanov
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Inspired by Nature
(2017, Ozella Music/Galileo OZ068CD/LP)

Der Untertitel »Seven Sounds of Azerbaijan« zeugt bereits davon, dass es sich hierbei nicht direkt um »nordische Musik« handelt. Der Saxofonist Rain Sultanov hätte sein Album allerdings auch »Sieben Landschaften (in Aserbaidschan)« nennen können, denn die sieben Stücke (plus drei Intros) sind nicht nur nach diversen Naturorten in Sultanovs Heimatland betitelt, sondern auch von ihnen inspiriert. Nicht zum ersten Mal widmet sich der 1965 in Aserbaidschans Hauptstadt Baku geborene und in seinem Heimatland sehr bekannte Jazzmusiker solchen Themen und Geschichten. Lange schon hatte er im Sinn, die Faszination der Landschaften Aserbaidschans in Musik zu übersetzen. Aufgenommen hat er die einstündige Jazz-Reise aber in Oslos Rainbow Studio, unterstützt von einem internationalen Septett, dem mit dem Schlagzeuger Peter Nilsson und der Cellistin Linnea Olsson auch zwei Schweden angehören.

Seine einstündige Reise beginnt mit den »weißen Vögeln von Qizilagac«, einem poetischen Jazzstück, das zwar Einflüsse der Kaukasusregion aufweist, darüber hinaus aber gar nicht so fremd klingt, wie man vermuten würde. Allenfalls Linnea Olssons Cello und Gesang hinterlassen einen leicht nahöstlichen Touch, während das Sopransaxofon an Vogelstimmen erinnert. Sultanov hatte sich, zusammen mit der deutschen Filmemacherin Antje Dombrowski und ein paar Musikern, in die verschiedenen Gegenden begeben, dort die Musik entwickelt, sei es »Up Lahij Mountains« oder auf dem »Caspian Volcano« - und sie dann in Oslo zu Ende geführt.

Die Band spielt weniger als siebenköpfiges Ensemble als in wechselnder Besetzung. Der rasante musikalische Ausflug in die Berge um die traditionsreiche Siedlung Lahıc (engl. Lahij) wird von energiegeladenem Bass und Schlagwerk vorangetrieben, während (nicht nur) »On The Trail Of Shirvan's Gazelles« von Shahin Novraslis sanften lyrischen Klaviermelodien getragen wird, wie sie auch im nordischen Jazz häufig anzutreffen sind. Nur selten sind Oud und Udu zu hören - und sorgen für einen Einschlag (aus unserer Sicht) ferner Kulturen. Alles in allem ist Rain Sultanov ein mit einfachen Mitteln zauberhaft vielfältiges Album mit einem warmen Einschlag von Folk-Musik gelungen, dessen multikultureller Ansatz an so manches Werk von Jan Garbarek erinnert. (ijb)



Siehe auch:
Paintbox
Peter Nilsson
Linnea Olsson
Jan Garbarek, Usted Fateh Ali Khan & Musicians From Pakistan

Rain Sultanov: Inspired by Nature

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Die CD »Inspired by Nature« war »CD des Monats« im Monat 3 / 2017.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Das ist wirklich eine schöne CD, die mir viel Freude bereitet. Wunderbar, so eine Reise aus dem Kaukasus nach Oslo, das entspricht mir als Reiselustigem doch sehr. Und was für ein Kontrast zu dem dunklen Elektroniktrip im Februar!
Leif Haugjord

Die Parallele zu Garbarek fiel mir auch auf, Ingo. Angesichts der südöstölichen Klangfarben dachte ich auch noch an den Oud-Spieler Anour Brahem und dessen bedachtsame und tastende Art, Melodien zu entwickeln. »INSPIRED BY NATURE« funktioniert auch gut als Hintergrundmusik, z.B. zu einem geschmackvollen Abendessen.
Peter Bickel

Über Grenzen gehen, auf poetische Weise. Und unsere Hörgewohnheiten auf sanft gegen den Strich bürsten: Rain Sultanov schafft das mit geschmeidiger Leichtigkeit. Wunderbare Entdeckung, lieber Ingo!
Eva-Maria Vochazer

Au ja, ein geschmackvolles Abendessen bei Peter! Ich lade uns mal alle ein, und Ingo kann uns dann nochmal die Schönheiten dieser CD vorführen. Hoffentlich wird das nicht nur ein akustischer Leckerbissen ...
Tim Jonathan Kleinecke

Offizielle Website      http://www.rainsultanov.com

   

Influence
(2020, Ozella Music/Galileo OZ092CD)

Manchmal könnte man meinen, dass eine Session im Osloer Rainbow Studio nicht nur einen bestimmten »nordischen Sound« bedingt, sondern gleich ebensolche Kompositionen. Dabei liegt das Studio mitten in der Großstadt, auf einem Industrie- und Firmengelände, das nur wenig mit nordischer Natur und Weite zu tun hat. Einige Jahre zuvor hatte Rain Sultanov dort bereits sein von der aserbaidschanischen Natur inspiriertes Septettalbum eingespielt, nur kam er – diesmal im Trio mit Pianist Isfar Sarabski und Kontrabassist Nils Ölmedal – zurück, um neue Stücke aufzunehmen, die Lehrern und Vorbildern gewidmet sind, anderen wichtigen Einflüssen als eben der Heimat.

Weder aber tragen die sieben Stücke ihre Inspirationen und Einflüsse demonstrativ im Titel vor sich her, noch verliert sich Sultanov im epigonalen Zitieren. Stattdessen schenkt er ihnen – und uns – eine elegische Suite vorwiegend epischer Balladen, die homogener noch als auf dem vorhergehenden Album, in ihrer subtilen Nähe zu folk-angehauchten Themen auf dem Sopransaxofon etwas an Jan Garbarek (apropos nordische Grundstimmung), mehr noch allerdings an John Surman erinnern. Dessen naturverbundene Ländlichkeit und melodische Klarheit zeichnet also auch Sultanovs Spiel auf »INFLUENCE« auf, und da ist es für uns als Hörerschaft letztlich zweitrangig, ob die Stücke nun ihre Ursprünge als Hommagen an Michael Brecker, Dexter Gordon oder Jaco Pastorius haben. Ähnlich wie der Engländer Surman findet auch der Aserbaidschaner Sultanov im Norden eine Art zweite (künstlerische) Heimat, der er mit diesem zauberhaften Trioalbum souverän Ausdruck verleiht. (ijb)



Siehe auch:
John Surman
Jan Garbarek



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