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Alle Rezensionen zu Björn Meyer
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Provenance
(2017, ECM/Universal ECM 2566 | 574 1917)

Mit Platten von großen Jazzmusikern wie Miroslav Vitous, Dave Holland oder Eberhard Weber veröffentlichte ECM über die Jahrzehnte hinweg immer wieder Soloalben, die sich allein dem Kontrabass widmen, dem Instrument, mit dem Manfred Eicher einst seine professionelle Laufbahn begonnen hatte, bevor er sich mit ECM aufs Produzieren fokussierte. Das Besondere des Solodebüts des in Stockholm geborenen Björn Meyer ist, dass es sich um das erste Album bei ECM handelt, das sich in erster Linie dem sechssaitigen elektrischen Bass widmet. Meyers persönlicher Essay im Beiheft ist betitelt mit »Der elektrische Bass im akustischen Raum« und erläutert seine langjährige Arbeitsmethode des Skizzensammelns, die er schließlich in diesem Album verdichtet, und wie er erlebte, dass der Aufnahmeraum, in diesem Fall das RSI-Studio in Lugano, seine Musik noch so stark veränderte, dass der Raum wie ein Duettpartner auftritt.

Ähnlich wie beim vergleichbar famosen – und vergleichbar intimen – Solodebüt des Gitarristen Dominic Miller, das im Frühjahr bei ECM erschien, bleibt man auch gegenüber »PROVENANCE« anfangs etwas indifferent, sofern man keine besondere Affinität zum Instrument hegt. Zu leise, zu unscheinbar mögen einem die spartanischen Stücke erscheinen. »Aber das ist doch kein Jazz. Ist das New Age?« dürfte dem Hörer durch den Kopf gehen. Doch dann entfaltet sich langsam, aber unwiderruflich ein Zauber aus dieser sehr konzentrierten Ruhe. Man denkt womöglich an das gelegentlich im Zusammenhang mit ECM angebrachte Zitat »The most beautiful sound next to silence.« Meyers aus intuitiven Notizen entwickelte Kompositionen formen sich tatsächlich zu Songs, die unerwartet neue Wege gehen. Ja, das ist wenig Jazz, und es ist auch nicht verkehrt, wenn man sich hier an Formen des sog. »Postrock« oder an Ambient erinnert fühlt; »PROVENANCE« ist Musik wie Atmen.

Ungeduldigen Hörern oder Improv-Fans, die eher Virtuosentum und radikale Experimente suchen, kann man das Album des Wahlschweizers eher nicht empfehlen (hier sei eher auf Michael Francis Duch oder Joel Grip verwiesen). Allenfalls in Stücken wie »Squizzle« kommt seine funkige Seite zum Zuge, die man aus seiner jahrelangen Mitwirkung in Nik Bärtsch's Ronin kennt. Björn Meyer ist ein vielseitiger Klangpoet, der seine Erfahrungen in multinationalen Gruppen um Anouar Brahem und Asita Hamidi in aufs Wesentliche reduzierte musikalische Bilder überführt und damit einen reichlich persönlichen Kosmos eröffnet. (ijb)



Siehe auch:
Klaus Gesing, Björn Meyer, Samuel Rohrer
Nils Davidsen
Michael Francis Duch
Joel Grip

Björn Meyer: Provenance



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