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Alle Rezensionen zu Maciej Obara Quartet
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Unloved
(2017, ECM/Universal ECM 2573 | 5764562)

Immer wieder hört – und liest – man vom »typischen ECM-Sound«, der sich, so wettert manch ein selbsternannter Jazzkritiker, seit den Siebzigerjahren kühl über die Kanten der versiert gespielten Musik legte. Betrachtet man jedoch nur einmal die Veröffentlichungen des gerade zu Ende gehenden Jahres, stellt man schnell fest, dass es diesen paradigmatischen Klang, meist wird er mit dem Osloer Rainbow-Studio, mit einem höchst präsenten bis transparenten Klangbild jedes einzelnen Instruments und mit einem lyrischen, mal melancholischen, mal etwas zupackenderen melodischen Jazzstil verknüpft, längst nicht mehr gibt. (Wenn es ihn überhaupt einmal gegeben haben sollte.) Lange schon jedoch haben andere Studios wie RSI in Lugano einen großen Einfluss auf das ECM-Klangbild.

Wenn das Rainbow-Studio mit Tonmeister Jan Erik Kongshaug und Produzent Manfred Eicher indes für einen bestimmten Klang sorgt, so lässt sich schon anhand der 2017 veröffentlichten ECM-Aufnahmen dessen Vielgestaltigkeit erkennen, wenngleich unter rund 50 Neuveröffentlichungen gerade mal eine Handvoll in Oslo aufgenommen wurden. Bei diesen Trioplatten von Ferenc Snétberger, Benedikt Jahnel, Julia Hülsmann und Django Bates kann man zwar manche klangliche Gemeinsamkeit ausmachen – dass deren Eigenheiten verloren gingen, kann bei den in der Tat vorwiegend lyrisch-melodischen Projekten kaum behauptet werden.

Zum Abschluss des Jahres erscheint das ECM-Debüt des polnisch-norwegischen Quartetts von Maciej Obara, und wer die sieben Nummern erstmals hört, wird sich in der Tat sofort im mustergültigen Rainbow-Klangbild wiederfinden – die Stücke selbst scheinen geradezu danach gerufen zu haben, dort eingespielt zu werden, so unumstößlich passen hier Kompositionen, Besetzung und Studio zusammen. Eine Nähe etwa zum Werk von Tomasz Stanko ist direkt erkennbar, wenngleich Obara nicht Trompete spielt, sondern Altsaxofon. Beide sind deutlich vom großen Krzysztof Komeda beeinflusst, was Manfred Eicher vermutlich für diese Gruppe begeistert hat. »UNLOVED« ist bereits Obaras neuntes Album, und seit 2012 spielen er und Pianist Dominik Wania (beide sind Jahrgang 1981) mit den extrem vielbeschäftigten Norwegern im Quartett: Ole Morten Vågan vom Trondheim Jazz Orchester, von acht Alben mit Motif oder lange im Trio von Maria Kannegaard, unlängst auch mit Thomas Strønens Ensemble Time Is A Blind Guide bei Rainbow und ECM zu hören gewesen, und Gard Nilssen, Lesern dieser Seiten ebenfalls ein langjähriger Bekannter, von ungezählten Projekten bei Rune Grammofon, Hubro, Jazzland und Gigafon.

Zuvor veröffentlichte die Band als Obara International drei Livealben, unter anderem mit Komeda-Stücken; ECM verschafft ihnen nun ein internationales Debütalbum. Man hört die lange gemeinsame Konzerterfahrung, und die Vier klingen ganz bei sich, beeindruckend unaufgeregt, zugleich fokussiert in Obaras meist elegischen Kompositionen. »UNLOVED«, das Titelstück, ist übrigens aus dem Komeda-Soundtrack eines polnischen Films von 1965, weshalb das Piano hier wohl auch eine eine tragende Rolle einnimmt. Letztlich ist dieses sehr gelungene Album eher für seine erstaunliche Vertrautheit und die Nähe zum »classic sound of ECM« überraschend als für irgendwelche Neuheiten. (ijb)



Siehe auch:
Gard Nilssens's Acoustic Unity
Ole Morten Vågan & Trondheim Jazz Orchester
Gard Nilssen mit Tore Brunborg & Kirsti Huke
Thomas Strønen | Time Is A Blind Guide

Maciej Obara: Unloved

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      maciejobara.com/en/



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