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Alle Rezensionen zu Uno Helmersson
(Genre »Klassik«, Land »Schweden«)

 

Mari Samuelsen: Nordic Noir
(2017, Decca Classics/Universal 00028948148790)

Nach einer James-Horner-CD mit ihrem Bruder Håkon ist »NORDIC NOIR« Mari Samuelsens erstes eigenes Album, und es ist, für eine renommierte Solistin, ein überaus ungewöhnliches Projekt, mit einem spannenden, eigenen Konzept. Denn die Violinistin präsentiert bei Decca Classics keine Zusammenstellung von klassischer Virtuosenmusik aus der Feder der üblichen Herren von Rang und Namen, sondern eine geschickt ausgewählte Kombination weniger bekannter skandinavischer Komponisten der Gegenwart. Der Titel verweist auf das beliebte Krimigenre nordischer Bücher und Filme, das zwar häufig die Klischees düsterer Geschichten in zwielichtiger Atmosphäre ausbreitet, zugleich aber auch immer wieder für intensive dramatische Höhepunkte sorgt.

In diesem Geist möchte die Norwegerin die Klangwelt ihres Solodebüts verstanden wissen, in einer »filmischen Bilderwelt von dunklen Nächten«, in der Unbehagen und nordisch feuchte Wald- und Herbststimmungen vorherrschen. Ganz so simpel, wie man befürchten könnte, ist ihre Auswahl freilich nicht ausgefallen. Nach Filmmusik klingt »NORDIC NOIR« zwar dennoch, jedoch ohne Hits und vor allem wunderbar kontrastreich und zum Teil schön dramatisch. Dazu hat Mari Samuelsen mit Komponisten bekannter nordischer Dramaserien zusammengearbeitet und sie gleich auf dem Album mitwirken lassen, neben ihrem Bruder Håkon am Cello und dem wie immer famosen TrondheimSolisten- Kammerorchester. Uno Helmersson (*1977) etwa schrieb die Musik für den schwedisch-dänischen Serienhit »Die Brücke«, der Däne Frans Bak (*1958) für »Kommissarin Lund – Das Verbrechen« (»Forbrydelsen«) und die gleichermaßen nordische US-Version »The Killing«. Weitere Beiträge gibt es vom Schweden Johan Söderqvist (*1966, »So finster die Nacht«) und von Islands Minimal-Songwriter Ólafur Arnalds, der mit seiner Musik für die englische Serie »Broadchurch« begeisterte, von der hier allerdings nichts zu hören ist; stattdessen orchestrierte Viktor Orri Árnason zwei passende Stücke von Arnalds' Soloalben, »Near Light« vom Album »LIVING ROOM SONGS« und »Words of Amber« von »FOR NOW I AM WINTER«. Interessanterweise erinnern diese Arrangements extrem an das Werk eines anderen beliebten Filmkomponisten, Max Richter.

Die zwei ungewöhnlichsten und daher vielleicht besten Beiträge, die sich raffiniert in die Dramaturgie der CD einfügen, stammen indes von zwei älteren Herren: Von Estlands Arvo Pärt hören wir eine gelungene Interpretation seines kurzen Violinstücks »Darf ich...« (1995/99) und, als einzige Komposition aus Norwegen, »Vel komne med æra«, einen Satz aus Geirr Tveitts (1908-1981) auf traditioneller Hardangermusik basierender Suite »Hundrad hardingtonar op. 151«. Wenn auch die meisten anderen Kompositionen für sich nicht zwingend oder allzu memorabel sind, »NORDIC NOIR« ist in jedem Fall kein Sammelsurium von Klischeemelodien für den gemütlichen Leseabend, sondern ein klug gestaltetes Neo-Klassikalbum, mit dem Mari Samuelsen ihre künstlerische Individualität und eine reizvolle Sicht auf Musik fast aller nordischen Länder aufzeigt. (ijb)



Siehe auch:
Ólafur Arnalds
Jóhann Jóhannsson / Max Richter
TrondheimSolistene
Ketil Bjørnstad

Uno Helmersson: Mari Samuelsen: Nordic Noir

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.unohelmersson.com



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