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Alle Rezensionen zu The End
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Svårmod Och Vemod Är Värdesinnen
(2018, RareNoiseRecords RNR097)

Puh, The End ist natürlich ein programmatischer Bandname. Und das drastische Coverbild sowie die kontraststarken Porträtbilder der Musiker tun ihr übriges, besonders, wenn man weiß, dass der schwedische Albumtitel übersetzt soviel heißt wie »Schwermut und Traurigkeit sind zu schätzende Gefühle«. Den Kern des internationalen Quintetts bilden die beiden Bariton- und Tenorsaxofon-Stars Mats Gustafsson (Fire! / Fire! Orchestra, The Thing) und Kjetil Møster (Ultralyd, Trinity, Zanussi FiveMøster!), die beide ihren kraftvollen Blechinstrumentsound mit Elektronik verstärken, verfremden und radikalisieren. Die weiteren Mitglieder sind der amerikanische Noise- und Avant-Rock-Schlagzeuger und -Produzent Greg Saunier (Deerhoof, Xiu Xiu), der norwegische Noise-Gitarrist Anders Hana, bekannt von Noxagt, Ultralyd und Moha!, und als jüngstes Mitglied und einzige Frau im Bunde, die 1983 in Äthiopien geborene Schwedin Sofia Jernberg (Fire! Orchestra, The New Songs), die ihre Stimme als Instrument einbringt, um gegen den streckenweise noisigen Heavy Rock anzukämpfen.

Die beiden Saxofone gehen erstaunlich gut mit Hanas Baritongitarre zusammen, und in Kombination mit dem druckvollen, ungeschminkten Drumsound darf man annehmen, dass The End in erster Linie eine 1A-Männerband sind (von Männern für Männer?) – wäre da eben nicht der präsente Auftritt Jernbergs, die dem instrumentalen schwelenden Noise mit den (von Männern geschriebenen und nicht so durchweg überzeugenden) Texten ein waches Gegenüber bietet. In der Mitte der 44-minütigen CD stehen zwei epische Viertelstundenstücke, von denen speziell das gemeinsam komponierte »Translated Slaughter« weitaus weniger infernalisch auftritt, als es der martialische Titel vermuten lässt. Jernberg klagt, kreischt und krakeelt, bekommt aber auf den Raum, den Text mal sanft und sensibel vorzutragen, während die düster enervierenden Instrumente um sie herumtanzen wie Hexen in der Walpurgisnacht. Erst zum Ende hin explodiert das vorwiegend angespannte Stück auch mal ins Rockige. Stark sind in diesem Albumhöhepunkt auf jeden Fall Hanas Gitarrensound-Vielfalt. Das noch ein wenig längere »Don't wait« leidet hingegen ein wenig an dem überpräsenten, ja aufdringlichen Message-Text. Reizvoller wird es hier immer dann, wenn sich die Musik ins Freie, Aufgeputschte entladen darf, und da erinnert manche Passage (natürlich) auch mal an Møster! und The Thing (inkl. dem Album mit Neneh Cherry von 2012, zu dem dieses hier fast wie eine Fortsetzung anmutet). Møsters Art-Rock-Nummer »Both Sides Out« setzt schließlich einen schillernd-berauschenden Schlusspunkt unter dieses ziemlich Hinsicht einzigartige, oft durchaus emotionale Avant-Jazz-Epos. (ijb)



Siehe auch:
Møster!
The Thing
The New Songs
Ultralyd

The End: Svårmod Och Vemod Är Värdesinnen



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