Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Mats Erlandsson & Yair Elazar Glotman
(Genre »Avantgarde«, Land »Grenzgänger«)

 

Negative Chambers
(LP, 2017, Miasma/Morr Music / Anost MIALP038)

Wieder eines dieser faszinierenden, eindrucksvollen Alben, für die wir hier keine brauchbare Schublade haben. Dieser gänzlich akustischen Grenzgangsmusik aus Ambient, poetischer World Music, minimalistischem Postrock und »Modern Composition« tut man doch unrecht, wenn man sie als »Avantgarde« klassifiziert, jener Kategorie, die bei vielen Leuten die Assoziation mit »schwer hörbarem Zeugs« weckt. Liest man, dass Glotman, in Berlin lebender Klangkünstler und elektroakustischer Komponist, und Erlandsson, experimenteller Komponist und Studiomitarbeiter beim Stockholmer Elektronmusikstudion, neben klassischen Saiteninstrumenten und Klavier eine Vielzahl spezieller und ungewohnter Instrumente wie die arabische Kastenhalslaute Gimbri, nordwestafrikanische Karkaba, tibetanische Klangschale, Miniaturbecken, Harmonium, Transistorradio, Zithern, Stahlsaitengitarre und eine verstärkte (Stahl?-)Platte zum Einsatz brachten, kann man ihren Anspruch vielleicht besser einordnen: Sie wollten eine imaginäre, distanzierte »Volksmusik« für die derzeitigen dunklen Zeiten schaffen und bringen dafür Instrumente jenseits ihres historischen oder regionalen Kontexts miteinander in Dialog; lokale Klangspuren, die jeglichen Bezug zu Örtlichkeit oder Folklore verloren haben, »transformieren« sie mittels »aktueller Produktionstechniken«. Das Ergebnis strahlt in der Tat eine seltsam zeit- und ortsentrückte Spiritualität aus.

»NEGATIVE CHAMBERS« lebt von einer latent meditativen Grundstimmung aus; man kann den beiden Eigenbrötlern beim Nachsinnen über surreale musikalische Bilder zuhören. Das kongeniale Covermotiv und die gut überlegt gewählten Songtitel, die jeweils weitere Pfade anlegen, ohne zu viel auszusprechen, rahmen diese gleichermaßen minimalistischen wie diffizil detailreichen Kompositionen hervorragend. Die Dialoge von Glotman und Erlandsson wirken gleichermaßen unbehaglich wie verführerisch. Wer hier eine Fortführung des Spätwerks von Talk Talk bzw. Mark Hollis und anderer mit Überresten und Spurenelementen von wie auch immer gearteter populärer Musik sieht, ist auf dem richtigen Weg. (ijb)



Siehe auch:
Svarte Greiner
Erik K. Skodvin
Deaf Center

Mats Erlandsson: Negative Chambers

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://yairelazarglotmanmatserlandsson.bandcamp.com



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2018, Design & Programmierung: Polarpixel