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Alle Rezensionen zu Rymden
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Reflections & Odysseys
(2018, Jazzland/Edel)

Eine starke Minute geben uns Bugge Wesseltoft, Dan Berglund und Magnus Öström, um während einer Gruppenimprovisation in ihr lang ersehntes Album einzutauchen. Dann läuten fallende Tonkaskaden – von Klavier und Bass gedoppelt – den ersten »richtigen« Song dieses Albums ein. Öström setzt unvermittelt in diese immer wiederkehrenden Wellen ein und gibt alsbald den Rocker am Schlagzeug, später den Berserker. Liegende Töne im Hintergrund bereiten diesem Song eine große Bühne. Und auch im zweiten Song »Pitter-Patter«, in dem uns Wesseltoft am Fender Rhodes an den jungen Chick Corea erinnert, können die Drei das Energie-Level mühelos aufrecht erhalten.
 
Danach, während einer nur dem Titel nach schwermütigen Ballade und einem sich nach und nach verdichtenden Marsch, bleibt dann ein wenig Zeit, einzuordnen, was man da gerade gehört hat: Sofort fällt uns auf, dass wir Bugge Wesseltoft schon lange nicht mehr so energiegeladen haben aufspielen hören, und doch neigt er zu keiner Zeit dazu, sich in seinem akustischen und elektrischem Instrumentarium zu verzetteln. Dennoch gerät das Album nicht zur One Man Show des Pianisten. Im Gegenteil: das Trio gibt sich überraschend ausgewogen im Gruppensound und durchaus auch sehr verwurzelt in der Tradition des Jazz, dessen Grenzen sie aber beständig dehnen – mal hin zum Rock, mal zur Fusion oder auch zum »nordischen Blues«. Und das stets mit einer unbändigen Lust am Spielen. Bei Berglund und Öström mag es die Freude darüber sein, endlich wieder ein fulminantes Trio gefunden zu haben und bei Wesseltoft vielleicht jene, dieses Format überhaupt gefunden zu haben, da er ja nach eigenem Bekunden nie ernsthaft in einem größtenteils akustischen Trio gespielt hat.
 
Und so gereicht auch der letzte Teil des Albums – fast – zur reinen Freude. Es bleiben nur zwei Mankos: Zum einen dürfte der Sound weniger basslastig und dafür detailreicher sein und zum anderen ist die Spielzeit mit knapp 48 Minuten und (abzüglich der Intros und Zwischenspiele) »nur« sieben echten Songs etwas knapp geraten. Aber in dieser Aussage steckt ja schon wieder ein großes Lob. (stv)



Siehe auch:
Bugge Wesseltoft
Tonbruket
Magnus Öström
e.s.t.

 Rymden: Reflections & Odysseys

Offizielle Website

Die CD »Reflections & Odysseys« war »CD des Monats« im Monat 1 / 2019.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Ich möchte dir hier durchaus zustimmen, muss aber auch gestehen, dass mir die Stücke live im Konzert besser gefallen haben, speziell die freieren, jazzigeren mit mehr Schmackes und Fantasie. Die langsamen, balladenhaften Nummer allerdings überzeugen mich nicht. Die überspringe ich auch auf der CD. Aber die drei Herren sind nach wie vor hervorragende Jazzer erster Liga.
Ingo J. Biermann


Peter Bickel


Eva-Maria Vochazer


Tim Jonathan Kleinecke

Offizielle Website      https://www.rymden-music.com

   

Space Sailors
(2020, Jazzland/Edel 377 927 8)

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Rymden können mit diesem Album die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Gewiss, die Rhythmusgruppe, bestehend aus den Ex-e.s.t.-lern Dan Berglund am Bass und Magnus Öström an den Drums macht von Anfang an eine Menge Wind: Eine mit Distortion-Effekt versehene rüde Bassfigur hören wir da, und später setzt das Schlagzeug mit einer sehr geraden und sehr rockigen Figur dazu ein. Wo also liegt das Problem? Ich fürchte, es liegt am dritten Mann, an Bugge Wesseltoft. Das sage ich schweren Herzens, weil dieser dritte Mann am Klavier lange Zeit einer meiner Heroes war und seine New Conception of Jazz maßgeblich dazu beigetragen hat, dass ich überhaupt zur nordischen Musik kam. Zugleich verstand ich den Hype um e.s.t. stets viel weniger – fand erst mit dem Spätwerk einen innigen Zugang zu ihnen.

Aber was Wesseltoft dem oft mächtigen Fundament der beiden Schweden entgegensetzen kann, ist schlichtweg zu wenig zwingend, zu unausgegoren, man könnte auch sagen: zu belanglos. Hier ein Folgen von Berglunds Basslauf mit der linken Hand, da ein wenig Plingeling und offene Akkorde, dann ein paar Hummelflug-Läufe – das reicht schon beim ersten Song nicht aus, um den Rymden-Express am Laufen zu halten. Dies wiederholt sich ähnlich beim zweiten Song und noch einige Male hier. Die Schweden legen zunächst vielversprechend vor, aber Wesseltoft kann einfach nicht nachlegen, dabei wünscht man sich sehr, dass er dem Affen Zucker gäbe.

Nur einmal gelingt es der Truppe, richtig Druck aufzubauen und Räume (schwedisch »rymden«) zu schaffen: In »Arriving at Ramajay Part II« entsteht aus einem pulsierenden Bass heraus ein guter Sog, dem auch Wesseltoft mit einem langen Synthie-Solo standhalten kann. Wenig erstaunlich ist es folglich, dass die ruhigeren, balladenhafteren Stücke besser gelingen, allen voran beim eindringlichen »My Life in a Mirror«. Doch auch da gibt es etwas zu meckern: Warum machen sich die Drei nicht die Mühe, einen richtigen Schluss zu erfinden? Stattdessen retten sie sich mit einem Verlegenheits-Fade-Out aus dieser Nummer raus. Gleiches geschieht im folgenden »Free as a Bird«, bei dem der Titel ebenso beliebig klingt wie das darin vorkommende Orgel-Solo. Only a filler, not a killer! So muss man letztlich leider konstatieren: Aus Wesseltoft wird wohl kein Rocker mehr. Und man wäre neugierig, was etwa sein Tastenkollege Ståle Storløkken aus dem Material gemacht hätte. Zuletzt enttäuscht auch noch der mumpfige Sound. (stv)



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