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Alle Rezensionen zu Landgren / Wollny / Danielsson / Haffner
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

4 Wheel Drive Live
(2019, ACT/Edel ACT 9895-2)

Vom Studio-Debüt dieser »Supergroup« waren wir wirklich nicht begeistert. Ohne große Not begab sie sich mit jener Ansammlung von Coverversionen in ein Korsett, das ihnen die übermächtigen Vorlagen von Paul McCartney, Genesis, Sting und Billy Joel auferlegten. Man kann trefflich darüber spekulieren, was die deutsch-schwedische Combo zu dieser CD bewogen haben mag. Heraus kam jedenfalls überwiegend gebremster Schaum.

Die Veröffentlichung des nun folgenden Livealbums mag dem ökonomischen Gedanken geschuldet sein, dass das, was sich einmal gut verkauft hat auch ein zweites Mal gut an den Mann (und die Frau) gebracht werden kann. Doch in musikalischer Sicht ist diese Platte zu unserer großen Freude keineswegs nur ein neuerlicher Aufguss des schon Gehörten. Das lässt sich bereits aus der Titelauswahl herauslesen: Viele der Coversongs des Debüts glänzen auf der Live-CD durch Abwesenheit: Geblieben sind nur die schon im Studio genial-verhangene Instrumentalversion des Genesis-Klassikers »That’s All«, von Michael Wollny herausragend reharmonisiert, und zwei Sting-Nummern, auf denen Nils Landgren singt und zeigt, dass ihm Gordon Sumner stimmlich eher liegt als etwa Billy Joel – sowie sämtliche Eigenkompositionen. Die Herren besinnen sich also auf ihre Grundtugenden, eigene, griffige Songs zu komponieren und diese mit allen Mitteln, die ihnen als begnadete Musiker offen stehen, zu interpretieren.

So dehnen sie diese Stücke mitunter auf die drei- bis vierfache Länge. Es bleibt dann ausreichend Zeit für ausgreifende Intros von Lars Danielsson, für allerlei Verrücktheiten von Wollny zwischen Romantik, Minimal-Music und rockigem Powerplay und für wendige Linien von Landgren. Wolfgang Haffner trommelt sich dazu näher an den Rock heran als an den Jazz. Gewiss, das sind alles keine revolutionär-neuartigen Dinge, die man da zu Gehör bekommt, vielmehr ist es genau das, was von dieser Spitzenbesetzung erwarten mag. Diese – ja man muss es so sagen: unbändige Spielfreude findet zurecht so viel Begeisterung im Publikum des Stuttgarter Theaterhauses, dass es gelegentlich versucht ist, mitzuklatschen. Und wer nun dem überheblichen Reflex erliegt, darüber den Kopf zu schütteln, der übersieht überhört, dass es dem oft als elitär und unzugänglich gescholtenen »Oberstudienräte-Jazz« hier gelingt, ganz nah bei den Leuten zu sein. Und allein das birgt einen großen Wert in sich. Dieses Album verbreitet tatsächlich gute Laune. (stv)



Siehe auch:
Nils Landgren
Michael Wollny
Lars Danielsson
Wolfgang Haffner

 Landgren / Wollny / Danielsson / Haffner: 4 Wheel Drive Live

Offizielle Website

Offizielle Website      https://www.actmusic.com/Kuenstler/Nils-Landgren/4-Wheel-Drive/4-Wheel-Drive

   

4 Wheel Drive
(2019, ACT/Edel ACT9875-2)

Kurz nach Veröffentlichung des Debüts der schwedisch-norwegischen All-Star-Band Rymden driftet mit diesem Album schon die nächste Supergroup um die Ecke, die zumindest auf zwei Antriebsrädern mit Skandinaviern bestückt ist. Und zu Beginn heißt es tatsächlich anschnallen und gut festhalten, wenn die Herren Landgren, Danielsson und Haffner in dem von Michael Wollny komponierten Stück »Polygon« (das auf dem Duo-Art-Sampler bereits in einer Version mit Marius Neset zu hören war), in komplexen 7/8 eine ungeheure pace machen. Noch weitere drei Male darf der Hörer das genießen, wenn nach guter demokratischer Sitte die anderen drei Insassen kompositorisch ans Steuer dürfen.
 
Doch während der restlichen Reiseroute geschehen seltsame Dinge: Die Vier beginnen sodann nämlich eine PhilCollins-McCartney-Sting-BillyJoel(!!!)-Gedächtnisfahrt und übersehen dabei völlig, dass auch diese allesamt beachtliche Piloten sind, bei denen man doch viel lieber direkt ins Auto stiege. Und man wird das Gefühl nicht los, dass sie vor allem für die Billy-Joel-(!!!)-Nummern nur deshalb stracks in die 30er-Zone abbiegen, weil Landgren erst vor einigen Jahren den Gesangs-Führerschein gemacht hat und nicht aus der Kurve fliegen möchte.

Nur einmal wird es noch richtig spannend: Da verfahren sie sich bei (dem gesangslosen) »That‘s All« irgendwie im Vorgarten der Familie Genesis. Teils nur skizzenhaft erkennbar und herrlich weit entfernt von der »Original-Route« navigieren sie mit Piano-Arpeggien und schönen Klangschichtungen durch den Song und gelangen doch gerade hier zum einzigen Mal zu neuen Zielen. (stv)



Siehe auch:
Nils Landgren Funk Unit
Danielsson Neset Lund
Wollny, Rantala & Możdżer
Nils Landgren



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