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Alle Rezensionen zu Niklas Adam
(Genre »Avantgarde«, Land »Grenzgänger«)

 

Undulate
(2019, Sofa 572)

Im September 2000 gestartet, hat sich das Osloer Sofa-Label von seinen Anfängen als Free-Improv-Plattform mit vorrangig Projekten mit und um die (ab 2006) Huntsville-Mitglieder Ivar Grydeland, Tony Kluften und Ingar Zach über die vergangenen 19 Jahre stilistisch immer weiter geöffnet und für zahlreiche hochspannende musikalische Entdeckungen und großartige Veröffentlichungen verschiedenster Projekte und Experimente gesorgt, von denen so manche CD (oder dann auch LP) als Bravourstück in der nordischen Musik(szene) der 2000er und 2010er Jahre verbucht werden kann. Die Klangkunst-Schiene wurde vermutlich von Zach, der in diesem Bereich selbst einige Meisterstücke vorgelegt hat, weiter ausgebaut; zuletzt bekamen wir da interessante (wenn auch nicht immer spannend zu hörende) Alben von Nicht-Skandinaviern wie Aviva Endean, Miguel Angel Tolosa, Philippe Lauzier, Jim Denley, Rutger Zuydervelt oder auch die radikal-minimalistische Musik von Keith Rowe und John Tilbury präsentiert. Man weiß bei Sofa Music oft nicht, womit man als Hörer konfrontiert werden wird, und darin besteht eine nicht gering zu schätzende Qualität der bislang 72 Alben dieses Labels.

Doch nicht jedes Experiment gelingt – und das ist ja auch nicht zu kritisieren. Auch muss man wohl eingestehen, dass einem manchmal auch der Zugang fehlen kann... Schon Fredrik Rastens Gitarren-Choreografie-Experiment »SIX MOVING GUITARS« war eine harte Geduldprobe. Als CD ohne die zugehörige Performance blieb man ratlos und unbeteiligt gegenüber der ereignisarmen Musik. Nicht auf die selbe Weise ereignisarm ist nun das Debüt des dänischen Künstlers Niklas Adam (Jg. 1986), der derzeit in Oslo lebt. Vergleichbar reduziert und die Geduld und Aufmerksamkeit strapazierend ist es hingegen schon. Es gibt viele Beispiele für gelungene Klangkunst, die auch ohne Installations- oder Performance-Kontext als akustische Erfahrung in den eigenen vier Wänden funktioniert; so sei hier verwiesen an auf diesen Seiten besprochene Alben von Jana Winderen, Natasha Barrett, Angélica Castelló, Thomas Köner, BJ Nilsen, Svarte Greiner und natürlich von Mika Vainio (†2017); in der Osloer Kunstszene kann man zurückgehen bis zu Kåre Kolberg.

Auch Niklas Adam, der in Europa und Asien aufgetreten ist, arbeitet mit Performance- und Installationskunst. Er verwendet Elektronik bzw. Computer, um Instrumente und/oder Situationen mit einer Art eingelagertem Empfinden zu erzeugen, und untersucht dann Verhaltensmuster des Hörens und des rationalen Denkens und wie wir die Außenwelt im Verhältnis zu unserer eigenen Position in ihr interpretieren. Womöglich sollte man Student der Klangkunst sein oder sich theoretisch einiges erarbeiten, um diesen beiden, etwa 15 bis 20 Minuten langen Stücken aus Radikalminimalimus, an Alltagsgeräusche erinnernden Klängen, verfremdeten Stimmen, sporadischen perkussiven Erscheinungen und vor allem viel Experiment und Theorie nahezukommen. (ijb)



Siehe auch:
Aviva Endean
Jana Winderen
Kåre Kolberg
Ingar Zach

Niklas Adam: Undulate

Audio-Link



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