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Alle Rezensionen zu Eivind Aarset, Michele Rabbia, Gianluca Petrella
(Genre »Avantgarde«, Land »Grenzgänger«)

 

Lost River
(2019, ECM/Universal ECM 2609)

Bei diesem wunderbaren Ambient-Jazz-Projekt wird der eine oder andere erst einmal nicht auf den Gedanken kommen, dass es sich um ein »klassisches ECM-Album« handelt, denn die ersten Stücke dieser von Manfred Eicher im kleinen ArteSuono Studio im nordostitalienischen Städtchen Udine produzierten CD erinnern mehr an so manches Projekt der norwegischen »Punkt«-Szene um Jan Bang und Erik Honoré – wo Eivind Aarsets vielschichtige Gitarren-Soundscapes bekanntlich häufig zu finden sind, nicht zuletzt auch auf dem gemeinsam mit Bang entstandenen ECM-Album »DREAM LOGIC«. Auch erinnert manche(r) sich bestimmt wiederum an das vor zwei Jahren veröffentlichte Quartett-Doppelalbum mit Bang, Aarset, Arve Henriksen und Pianist Tigran Hamasyan, das von ähnlich freier und atmosphärischer Komposition und Interpretation geprägt war.

Hier nun spielte Aarset mit zwei Italienern, dem Turiner Schlagzeuger Michele Rabbia, bekannt unter anderem von meisterhaften Alben mit Pianist Stefano Battaglia aus Milano, und Posaunist Gianluca Petrella vom anderen Ende des Landes, aus Bari; ihn wiederum kennt man von unterschiedlichen Alben mit Enrico Rava oder Giovanni Guidi. Doch was dieses Trio hier vorlegt, hat mit den Projekten jener Landsmänner nur wenig gemein. Ist »LOST RIVER« wegen der starken Ambient-Nähe zwar ein recht untypisches Album für ECM bzw. Eicher, so darf man diese von Eichers souveräner Hand und klarem Blick geführte Produktion andererseits doch auch als »Classic ECM« betrachten, da die stilistische Offenheit und geradezu schwebende Freiheit der Musiker sowie die Melancholie der größtenteils improvisierten Stücke eine emotionale Dichte und eine sehr einnehmende, stets unvorhersehbare Liebe zur Melodie aufweisen. In »What Floats Beneath« hören wir Aarset sogar einmal, seltene Freude, als balladesken Erzähler mit klar identifizierbarer, akustischer Gitarre, wo er doch sonst typischerweise zahlreiche komplexe Effekte und elektronische Elemente einsetzt, um die für sein Œuvre charakteristische ambiente Klangmalerei zu kreieren. Auch Petrella und Rabbia nutzen, für ihr Schaffen wiederum untypisch, über weite Strecken Elektronik und »Sounds«, weshalb Schlagzeug und Posaune ebenfalls vorrangig verfremdet auftauchen und im meditativen Fluss der Klangtexturen mehr frei schwebende Stimmen sind als klar identifizierbare Triopartner.

Womöglich war Eivind Aarset mit keinem seiner bisherigen Alben so nah an der atmosphärischen, im Wechsel kontemplativen und latent nervösen musikalischen Stimmung einiger Meisterwerke von Jon Hassell und/oder Brian Eno und Daniel Lanois wie hier. (ijb)



Siehe auch:
Eivind Aarset
Hamasyan, Bang, Henriksen & Aarset
Eivind Aarset & The Sonic Codex Orchestra
Sly & Robbie meet Molvær, Aarset & Vladislav Delay

Eivind Aarset: Lost River



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