Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Søren Kjærgaard
(Genre »Jazz«, Land »Dänemark«)

 

Concrescence / Live At Freedom Music Festival
(LP, 2018, ILK/VME ILK277LP / ILK278LP)

Ähnlich wie unlängst seine Labelkollegen Jacob Anderskov, Torben Snekkestad, Jakob Davidsen (Silence Trio) oder Laura Toxværd hat sich auch Pianist Søren Kjærgaard für eine Trilogie entschieden, um sein Instrument eingehender zu erforschen. Anders als bei den zuvor genannten, die (mit Ausnahme von Snekkestad) verschiedene Ensembles für die jeweiligen Kapitel wählten, handelt es sich bei Kjærgaard indes um eine Kombination aus zwei reinen Solo-LPs plus einer Reihe von Videos unter dem Titel »Studies For Video Keyboard«. Das ganze Projekt ist Ergebnis seiner Studien am Kopenhagener Rhythmic Music Conservatory, wo er von 2016 bis 2018 das Konzept der Mehrschichtigkeit in der Solo-Performance erforschte, wobei er auch in Tokio, Oslo, San Francisco und Zürich in Form von Performances und Vorträgen seine Erkenntnisse präsentierte.

Die erste LP, der Studio-Teil der Dilogie, »CONCRESCENCE« wurde Mitte Juli 2017 im Studio »The Village« aufgenommen; hier erforscht Kjærgaard in 17 vorrangig introspektiven und zumeist kürzeren Stücken, wie die natürlichen Beschränkungen des Soloformats doch eine Art von Dialog erlauben können. Auf demselben Gebiet forschte in Oslo auch sein Kollege Morten Qvenild das Piano mit elektronischen Hilfsmitteln, die er dann programmierte. Kjærgaard hingegen bleibt ganz eng am rein akustischen Konzertfügel, sinniert über Komposition und Improvisation, über verschiedene Spieltechniken, die er vor allem zart befragt. Dabei erinnert er sich, laut Eigenaussage, an John Cage, an Morton Feldman oder auch David Tudor. Diese Verweise helfen dabei, die aktuelle Arbeit von Kjærgaard, die selbstredend ebenso von seinen Jahre langen Jazzprojekten mit internationalen Partnern geprägt ist, einzuordnen, um nicht etwa romantisch aufgeladene, expressive Solo-Piano-Improvisationen zu erwarten.

Die bekommt man schon eher auf der sechs Wochen später eingespielten Live-Platte. Hier geht Kjærgaard über sechs, deutlich längere »Movements« in die Improvisation größerer Erzählbögen und spielt darin auch größere Kontraste aus; Bezüge darf man hier, nach dem ruhigen feldmanesken Anfang, finden zu Cecil Taylor, Paul Bley oder Monk. Zumeist allerdings dürfen wir uns auch hier auf ein sehr durchdachtes, abstraktes, auch mal verkopftes Spiel einlassen. Erst zum Ende gönnt er sich (und uns) eine lyrisch charmante Nummer. Weitgehend zeigt Søren Kjærgaard auf diesen beiden LPs ein großes Spektrum seines vielfältigen Könnens; für entdeckungsfreudige Piano-Liebhaber bieten die Stücke eine höchst reizvolle Entdeckungsreise. Gleichwohl vermisst man auf der anderen Seite aber auch hin und wieder seine meisterliche Begabung im Zusammenspiel auf Augenhöhe mit Kollegen wie vor allem in seinem Trio mit Andrew Cyrille und Ben Street, wo aus der Improvisation geniale Kompositionen entstehen. So bleibt zu hoffen, dass wir dies auf seinen nächsten Alben wieder erleben dürfen. (ijb)



Siehe auch:
Jacob Anderskov
Søren Kjærgaard, Ben Street & Andrew Cyrille
Søren Kjærgaard Trio
Torben Sneekestad

Søren Kjærgaard: Concrescence / Live At Freedom Music Festival

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://sorenkjaergaard.com



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2019, Design & Programmierung: Polarpixel