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Alle Rezensionen zu Håkon Kornstad Trio
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Im Treibhaus
(2019, Grappa/Galileo GRCD4603 / GRLP4603)

2009 führte ein eher zufälliger Besuch der New Yorker Metropolitan Opera für den Jazz-Saxofonisten Håkon Kornstad dazu, dass er alle musikalischen Pläne über den Haufen warf und sich zum Operntenor ausbilden ließ. Nach »TENOR BATTLE« ist »IM TREIBHAUS« nun die zweite Veröffentlichung, auf der wir seinen aufregenden Trip zwischen diesen beiden Welten erleben dürfen.
 
In der Zwischenzeit, so Kornstad, habe er seine Stimme wachsen und seine musikalischen Ideen erblühen lassen und wie ein Züchter die Stile gekreuzt, um Neuem zum entstehen zu verhelfen. Vermutlich hat er sich deshalb für den Albumtitel entschieden – ebenso aber auch, weil der einen Verweis auf Richard Wagner liefert, in dessen Zyklus der »Wesendock-Lieder« dieser Titel auftaucht.
Kornstad hat sich für dieses Projekt mit Frode Haltli und Mats Eilertsen zwei Musiker in sein somit nach vielen Jahren wiederbelebtes Trio geholt, die seinem musikalischen Ansatz der völligen Freiheit abseits gängiger Genregrenzen mühelos folgen können und noch dazu eine perfekte Instrumentierung liefern: Eilertsen steuert mit seinem Kontrabass ein Instrument bei, das sowohl in der Welt des Jazz als auch der klassischen Musik beheimatet ist, und Haltli kann mit seinem Akkordeon einerseits feine Linien spinnen oder aber wie ein vielstimmiges Orchester klingen.

So machen sich diese Drei auf, alle stilistischen Grenzen einzureißen. Das erwähnte Wagner-Lied etwa wird zu einer Instrumentalnummer voll klagender Schönheit, in der in bester Jazz-Manier die Themen weitergereicht werden. Geradezu spektakulär aber wird es, wenn Kornstad zu seinem Gesang anhebt, wie etwa in Verdis »Di tu se fedele«, dem (s)ein röhrendes Saxofon vorangeht und eine sehr freie Gruppen-Improvisationspassage folgt. All das ist mit Verbal-Plattitüden wie »Crossover« oder »Stilmix« nicht mehr zu fassen; wir haben es hier auch nicht mit einem Opernsänger zu tun, der nebenbei auch »in Jazz macht« (wie uns das Thomas Quasthoff vor einigen Jahren weismachen wollte) oder umgekehrt. Nein, das ist ein Spektakel auf höchster musikalischer Ebene, und das Beste daran: Es wird zu keiner Zeit als ein solches inszeniert, sondern völlig unprätentiös, als wäre es die naheliegendste Sache überhaupt, nach einem Saxofonsolo mal eben eine Arie zu schmettern.
 
Insgesamt ist dieses Album noch viel näher an der Idee des Jazz als noch »TENOR BATTLE« und doch auch weitaus opernhafter. Wer das für einen Widerspruch hält, möge in dieses musikalische Abenteuer eintauchen und sich eines Besseren belehren lassen. Es ist schlichtweg unglaublich! (stv)



Siehe auch:
Håkon Kornstad
Frode Haltli
Mats Eilertsen

Håkon Kornstad: Im Treibhaus

Offizielle Website

Die CD »Im Treibhaus« war »CD des Monats« im Monat 6 / 2019.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:


Eva-Maria Vochazer


Tim Jonathan Kleinecke

Ja, schon schön, das gebe ich zu. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich mit dieser Art Gesangskunst immer so meine Zeit brauche... Vermutlich wäre ich hellauf begeistert über ein rein instrumentales Trioalbum dieser Herren, da ich alle sehr schätze und bereits in höchsten Tönen lobend rezensiert habe.
Ingo J. Biermann


Leif Haugjord

Offizielle Website      https://www.kornstad.com



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