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Alle Rezensionen zu MoE & Pinquins
(Genre »Rock«, Land »Norwegen«)

 

Vi som elsket kaos
(2019, Conrad Sound CnRd327 CD/DL)

Nach ihrer letztjährigen wilden Free-Rock-Kollaboration mit der dänischen Saxofonistin Mette Rasmussen haben sich E-Bassistin/Sängerin Guro Moe und ihre beiden Triomitglieder Håvard Skaset (E-Gitarre, Synthesizer) und Joakim Heibø Johansen (Schlagzeug) fürs noch kraftvollere Nachfolgealbum mit dem ebenfalls norwegischen Trio Pinquins zusammengetan. Dabei handelt es sich um drei Osloer Frauen, die allesamt unterschiedliche Perkussion spielen (teils singen sie auch mit) und über die letzten zehn Jahre bereits ein beeindruckend vielfältiges Repertoire erarbeitet haben, von jungen Nachwuchstalenten über Auftragswerke bekannter Zeitgenossen bis hin zu Klassikern wie Xenakis und Reich. Ihre Webseite bietet da umfassend Einblick, auch in Form von vielen Videoaufzeichungen.

An zwei Tagen im Juni 2018 in Oslo eingespielt, ist nun diese Zwei-mal-Drei-Kollaboration inspiriert vom Roman »Der Augenblick der Freiheit« des zu Lebzeiten viel diskutierten norwegischen Autors, Essayisten und Dichters Jens Bjørneboe (1920-1976), Teil einer Trilogie zum Thema Gewalt von Staatsseite gegen die Machtlosen. Bjørneboes Texte sind zwar wesentlich für dieses in Gemeinschaftsarbeit entwickelte Werk an der seltenen Schnittstelle von punkig-noisiger Rockmusik und zeitgenössischer Avantgarde, doch um eine einfache Vertonung von norwegischer Poesie handelt es sich bei »VI SOM ELSKET CHAOS« (»Aus Liebe zum Chaos«) wahrlich nicht. Nach einem eher atmosphärischen Perkussion-Intro legt die Musik erstmal mit verzerrtem Saitendonner los, der nicht viel anders auch im Metal oder Drone vorkommt, bevor Guro Moe auf bekannte Weise mit ihrem Punk-Gesang auf den Putz haut. Doch die insgesamt neun Stücke sind weitaus vielseitiger als dieser erste Eindruck (und MoEs bisherige Diskografie) erahnen lässt. Besonders schön ist etwa, wie das Stück »Drømmen« (»Traum«), das am ehesten als Transzendierung von »gefundenem« Textmaterial in eine zeitgenössische Noise-Komposition durchgeht, in ein auf makabre Weise geradezu heiter-überdrehtes Tanzstück, das vermutlich das Delirium der Romanhauptfigur zum Ausdruck bringt.

MoE & Pinquins gelingt mit diesem Werk ein letztes, hochgradig faszinierendes, alle Grenzen sprengendes Bestenlisten-Kandidaten-Album des zu Ende gehenden Jahres. Eine politische Collage aus Kunstgattungen und Musikstilen, wie es selbst die späten Alben Scott Walkers nicht besser erreichten. Bjørneboe wäre stolz gewesen über diese überzeugende Aktualisierung seines Werks. (ijb)



Siehe auch:
MoE
Camille Norment
Ensemble neoN

 MoE & Pinquins: Vi som elsket kaos

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.conradsound.com



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