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Alle Rezensionen zu Paal Nilssen-Love & Joe McPhee
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Song for the Big Chief
(2019, PNL Records PNL046 CD/DL)

»SONG FOR THE BIG CHIEF« hat eine besondere Hintergrundgeschichte: Am 9. Dezember 2017 traten Saxofonist Jim McPhee und Schlagzeuger Paal Nilssen-Love als Duo im Londoner Cafe Oto auf. Tags zuvor erhielten sie die Nachricht, dass der US-amerikanische Schlagzeuger Sunny Murray eben verstorben war, der für beide eine große Bedeutung hatte, ein prägender Einfluss war. So wurde das Konzert spontan als Hommage zu Ehren und in Erinnerung an Murray angelegt. Zwei Jahre später erscheint die Aufnahme auf Paal Nilssen-Loves Label.

McPhees Begrüßungsworte sind auch auf dieser CD der Start, bevor er das Konzert mit einem längeren Saxofonsolo beginnt, zuerst melodisch, dann zunehmend freier und wilder; bei Minute 5 steigt Nilssen-Love mit Drum Rolls ein. »Song for the Big Chief (Old Man River)« lautet dieser erste, insgesamt 23 Minuten lange Teil des Programms, halb frei improvisiert, halb auf dem Stück von Kern und Hammerstein aufbauend. Erwartungsgemäß sind diese 23 Minuten nicht ein langes Stück, sondern eine Folge von Improvisationen in verschiedenen Tempi und Stimmungen. Im Mittelteil etwa, als McPhee eine weitere solistische Passage entspinnt, spielt er auf einer Taschentrompete und erzeugt auch Klänge, die teils eher an eine menschliche Stimme erinnern. Eine weitgehend »klassische« Free-Jazz-Scheibe ist hier zu erleben, ganz wie es der Cafe-Oto-Besucher vermutlich erhofft, aber keineswegs nur wild und schrill. Fast ein Drittel des Stücks ist denn auch ein episches Schlagzeugsolo – wohl zu Ehren von Murray – und ein Geschenk an die Fans des norwegischen Musikers; eine epische Passage, die gut als eigenes Stück durchginge.

Auch im 14-minütigen »Knox«, im Kern eine alte Nummer von McPhee, und den 7 Minuten von »A fantasy for Lester [Bowie]« nimmt der Schlagzeuger über längere Strecken eine tragende Rolle ein, und ein Saxofonsolo führt »Knox« im Mittelteil zur Ruhe. Geräuschhaft und fragmentarisch dann gut die erste Hälfte des letzten Stücks. Alles in allem liegen die Überraschungen im Detail. Eine sehr feine klangliche Entdeckungsreise mit einem inspirierten amerikanisch-nordischen Duo zu Gast in London. (ijb)



Siehe auch:
Large Unit
Paal Nilssen-Love & Otomo Yoshihide
Paal Nilssen-Love & James Plotkin
The Thing

Paal Nilssen-Love: Song for the Big Chief

Audio-Link



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