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Alle Rezensionen zu Björk Guðmundsdóttir
(Genre »Klassik«, Land »Island«)

 

Björk Guðmundsdóttir: Vespertine – A Pop Album as an Opera
(2019, Oehms Classics/Naxos OC 978)

»VESPERTINE«, das Album, mit dem Björk 2001 das neue Jahrtausend begann, markiert(e) den – 1997 in »HOMOGENIC« bereits angelegten – entscheidenden Schritt weg von Popsong und Eingängigkeit hin zu komplexeren Projekten mit Chor- und Streicherarrangements und ausgeklügelten Songstrukturen. Dabei war das Album ihr bis dato wohl persönlichstes, reflektierte es doch sehr offen und ungeschminkt die Genesis ihrer Liebesbeziehung mit dem Künstler Matthew Barney, speziell in der Reflexion zwischenmenschlicher und körperlicher Empfindungen, Hoffnungen und Unsicherheiten.

Jan Dvořák, der mit Roman Vinuesa und Peter Häublein die Komponisten- und Arrangeur-Gruppe »Himmelfahrt Scores« bildet, setzt sich als Chefdramaturg am Nationaltheater Mannheim (NTM) für eine verstärkte Auseinandersetzung mit Popmusik ein, und »VESPERTINE« bot da einen sowohl herausfordernden als auch naheliegenden Ansatzpunkt. Nach langer Feinarbeit wurde die entwickelte Partitur, die Björks Gesang auf zwei Frauen- und zwei Männerstimmen sowie einen Frauen- und einen Kinderchor verteilt, in Zusammenarbeit mit dem dänischen Künstlerkollektiv »Hotel Pro Forma« als Oper am NTM realisiert.

Ob es überhaupt sinnvoll ist, ein persönliches Album, das trotz so orchestraler Note ein absolut intimes Werk seiner Urheberin ist, mit Hilfe weiterer Stimmen und Orchesterarrangements als opernhaftes Bühnenspektaktel neu zu erfinden, muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Allerdings darf man gerade bei einer Künstlerin wie Björk, deren Schaffen sich über die Jahre hinweg mehr und mehr in multimediale und »aufgeblasene« Musikprojekt-Formen entwickelte, dabei aber stets einem experimentellen Grundgestus treu blieb, ein solches Experiment zweifelsfrei und unbedingt wagen.

Schwerer wiegt wohl, dass der in der Oper so vorherrschende Gesangsstil, der gegenüber der Popmusik eher das Kunstgewerbliche und technisch kleinteilige Können betont, Björks Liedern das Individualistische, Kennzeichnende, Eigene und letztlich auch den emotionalen Gehalt abspenstig macht. So ist dieses »Pop Album as an Opera« (über die visuelle Inszenierung auf der Mannheimer Nationaltheaterbühne soll hier ausdrücklich, mangels Kenntnis, nicht geurteilt werden) zwar ein faszinierend ambitioniertes und durchaus hörenswertes Unterfangen, wird andererseits aber leider auch zum unnahbaren und perfektionierten Hochkulturgenuss-Programm, das niemals Staunen, Zauber oder intensive Emotionen hervorruft, geschweige denn Kontroverse, Irritation und wahre, fragile Poesie, wie es Björks Gesamtwerk durchweg auszeichnet. (ijb)



Siehe auch:
Valgeir Sigurðsson
Björk

Björk Guðmundsdóttir: Björk Guðmundsdóttir: Vespertine – A Pop Album as an Opera



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